Auf freier Strecke

Ein neuer Generalsekretär für die SPD, ein Verlust für die Wissenschaft: Hubertus Heil und sein Karrieresprung.

Foto: SPD-Fraktion
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HUBERTUS HEIL WIRD neuer SPD-Generalsekretär, und eine Frage beschäftigt die Kommentatoren: Wird er den auf freier Strecke stehen gebliebenen Wahlkampfzug der Sozialdemokraten wieder in Fahrt bringen? Und kann er dafür „sein Image als „solider Fachpolitiker abstreifen“ (Spiegel Online)?


 

Was bislang keiner fragte: Wer wird diesen soliden Fachpolitiker ersetzen? Heil war bislang stellvertretender Fraktionsvorsitzender, zuständig für die Themen Wirtschaft und Energie, Bildung und Forschung. Dass seine Zuständigkeiten Nummer drei und vier gern unterschlagen wurden und Heil dann allein als „Wirtschaftspolitiker“ lief, ist, nebenbei gesagt, eine aussagekräftige Fußnote, wenn man sich für den Stellenwert von Schulen und Hochschulen im Koordinatensystem politischer Berichterstattung interessiert.

 

Tatsächlich hatte sich Heil seit 2009, genauer: nach seinem ersten Auftritt als SPD-Generalsekretär, die Kompetenz eines führenden Wissenschaftsexperten seiner Partei erarbeitet. Unaufgeregt, pointiert und kenntnisreich galt er vielen als die Stimme sozialdemokratischer Wissenschaftspolitik und als möglicher Wissenschaftsminister, erst recht nachdem sich die ihm nachgesagten Ambitionen auf den Job des Wirtschaftsministers nicht erfüllt hatten. Das erstaunlich konkrete SPD-Positionspapier zur Zukunft der Wissenschaftsfinanzierung, versehen mit dem reichlich pathetischen Titel „Zukunftsvertrag für Wissenschaft und Forschung“, entstand unter seiner Führung. Zuletzt arbeitete Heil hinter den Kulissen am innovations- und wissenschaftspolitischen Programm von Martin Schulz. Zusammen mit der Bildung soll es das zentrale zweite Standbein im Wahlkampf werden neben der bereits reichlich ausgewalzten Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und so die Zukunftsfähigkeit der Sozialdemokraten signalisieren.

 

Dass die SPD-Wissenschaftspolitik nicht einmal vier Monate vor der Bundestagswahl ihren wichtigsten Vordenker abgeben muss, ist eine schlechte Nachricht für die Forschercommunity. Die Partei insgesamt muss aufpassen, jetzt nicht die gerade erst gewonnenen hochschulpolitischen Konturen wieder einzubüßen. Der Fachpolitiker Heil weiß das genau. Doch für den Generalsekretär Heil sind Bildung und Forschung plötzlich nur noch zwei Themen unter vielen.

Dieser Kommentar erschien gestern zuerst im ZEITChancen Brief.


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