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Missing the Point: Die Debatte über die Anwesenheitspflicht

Die eigentliche Frage lautet, warum Studierende freiwillig Lehrveranstaltungen verpassen. Von Jeffrey Peck.

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Artikelbild: Missing the Point: Die Debatte über die Anwesenheitspflicht

Jeffrey Peck . Foto: privat.

" NRW will zurück zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen ", berichtete der Berliner Tagesspiegel am 22. April 2019. Das Berliner Hochschulgesetz überlasse es dagegen den Hochschulen, "eine Anwesenheitspflicht zu verhängen oder nicht."

Die Debatte ist nicht nur in Nordrhein-Westfalen wieder aufgeflammt: Sollen Studierende gezwungen werden, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen? Ich will ehrlich sein. Als amerikanischer Professor, der in Deutschland und den USA studiert und gelehrt hat, interessiert mich der Streit um die Anwesenheitspflicht nicht besonders. Zumindest nicht die offensichtliche Frage, ob sie nun in NRW eingeführt wird oder nicht. Bemerkenswert finde ich dagegen die Themen, die sich dahinter verbergen, weil sie – wie ich glaube – viel wichtiger sind. Ich rede von der Qualität der Lehre und von der Motivation der Studierenden.

Die eigentlich spannende Frage ist doch nicht, ob Anwesenheitspflichten gut sind oder schlecht. Die eigentlich spannende Frage lautet: Warum müssen Studierende überhaupt verpflichtet werden, an Vorlesungen oder Seminaren teilzunehmen? Noch direkter gefragt: Warum wollen sie nicht freiwillig dabei sein, aus "ureigenem Interesse" sozusagen?

Sind die Studierenden wirklich, wie eine Anwesenheitspflicht impliziert, uninteressiert, ja faul? ...

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Kommentare

#1 -

McFischer | Di., 07.05.2019 - 11:53
Mit eigener Lern- und Lehrerfahrung in Deutschland, Irland und den USA kann ich der Beschreibung im Blog-Beitrag voll zustimmen. Mein Eindruck war, dass es im Anglo-Amerikanischen Hochschulraum einfach als persönlicher Affront angesehen wird, zu einer Veranstaltung - insbesondere im eher kleineren Rahmen, also Seminare etc. - nicht zu kommen. An deutschen Universitäten kommt man oder auch nicht, liest vorher was oder auch nicht, beteiligt sich oder auch nicht...

Die Gründe mögen unterschiedlicher Art sein - im Ergebnis waren die Veranstaltungen im Ausland allein durch die intensive Mitarbeit für mich weit, weit ertragreicher, als die erlebten und gegebenen in Deutschland. (Auch ...

#2 -

tutnichtszursache | Di., 07.05.2019 - 16:04
Vorweg: Folgendes ist kein Studenten-Bashing! Im Gegenteil nehme ich die Heterogenität und Diversität der Studierendenschaft äußerst ernst; eine empirische Realität ist sie ohnehin.

Zu dieser Realität gehört, dass sehr viele Studierende engagiert, intelligent und motiviert sind. Aber eben auch, dass gleichermaßen sehr viele dies nicht sind. Um diese Teilmenge geht es im Folgenden. Diese Menschen haben sich eingeschrieben, weil man das so macht, weil es so einfach ist, weil man ein Recht darauf hat (Hochschul"zugangsberechtigung"), weil es nichts kostet, weil man ein Semesterticket bekommt und ggf. weitere Sozialleistungen, weil man irgendeinen gesellschaftlichen Status braucht. Manchen von diesen fehlen auch die ...

#3 -

Klaus Diepold … | Di., 07.05.2019 - 17:09
Lieber Herr Peck,



vielen Dank für den Beitrag den ich persönlich sehr "on the spot" sehe.



Ein Aspekt, der mich in diesem Zusammenhang oft beschäftigt ist die Frage nach der Haltung der Lehrenden gegenüber den Lernenden. Ich sehe darin einen wesentlichen Punkt, der weitreichenden Einfluß auf das Engagement und die Präsenz der Studierenden hat.



In welchem Umfang betrachten die Lehrenden die Studierenden als Erwachsene, als mündige und selbstverantwortliche Bürger, als ernstzunehmende Gesprächspartner? Wie oft begegnen Studierende einem Lehrpersonal dem es gelingt die Geringschätzung gegenüber den Studierenden, den Nichtswissenden, den Empfangenden spürbar zu machen?



Die Lehre ist die Hauptaufgabe der Hochschulen. ...

#4 -

Steffen P | Di., 07.05.2019 - 23:46
Dear Jef,
dieser Ansatz BEIDE an der Lehrveranstaltung in die Verantwortung zu nehmen ist sehr richtig! Aktive Studierende zu fördern durch heraus-fordern halte ich für den guten Ansatz beide Beteiligte positiver aus einer Lehrveranstaltung gehen zu lassen. Dafür braucht es in D Zeit, aber auch den Mut diesen Paradigmenwechsel einzufordern. Dem stelle ich mich gerne! Viele Grüße Steffen

#5 -

Fakten tun imm… | Mi., 08.05.2019 - 23:51
Bei aller Berechtigung zu Kritik an Studierenden - bei der Wahrheit sollte man bleiben, weshalb mich obiger Beitrag sehr ärgert: "Diese Menschen haben sich eingeschrieben, weil man das so macht, [...], weil man ein Semesterticket bekommt und ggf. weitere Sozialleistungen [...]"



In dieser Aufzählung mag Vieles stimmen, aber wem es darum geht sich Sozialleistungen zu erschleichen, der geht nicht an die Uni. BaFöG ist (in aller Regel) an Bedürftigkeit und (immer) an Studienerfolge geknüpft, weder auf Arbeitslosengeld noch Hartz IV kann man als Studierender allgemein Anspruch erheben. Auch ein Semesterticket will bezahlt sein, und ohne den richtigen NC ist es ...

#6 -

Madita Heubach | Do., 09.05.2019 - 11:42
Als Student hat man in vielen Studiengängen das Problem, dass man zu viel "Stoff" und zu kurzer Zeit schaffen soll. Wenn man sich nachhaltig mit den Inhalten auseinandersetzen möchte, muss man zwangsläufig "selektieren", welche Texte in welcher Woche "wichtiger" sind für den Studienerfolg. Wenn man innerhalb einer Woche mehr als sechs Veranstaltungen besuchen muss und jede Veranstaltung schon 30 Seiten Text pro Woche verlangt: Wann soll man das schaffen? Schließlich habe ich als Lernender auch den Anspruch, die Texte nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen. Man muss die grundsätzlichen Strukturen der Hochschullehre ändern.

#7 -

Michael Craanen | Do., 09.05.2019 - 13:00
Ich habe vor ein paar Jahren eine kleine interne explorative Studie am KIT zur Anwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen mit Klausuren durchgeführt. Da ich damals zuständig für den Aufbau und Betrieb einer fakultätsübergreifenden Lehrveranstaltungsevalation am KIT war, wollte ich v.a. überprüfen, ob es sich bei der Nichtanwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen um eine "Abstimmung mit den Füssen" aufgrund der mangelnden Qualität von einzelnen Veranstaltungen handelt.



Daraus habe ich Hypothesen gebildet, die deutlich komplexere Ursachen aufzeigen, als ein einfaches Qualitätsproblem von Veranstaltungen. Zur Anregung der Diskussion hier die Ergebnisse:





Hypothesen zur Anwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen mit Klausuren



1. Die Anzahl ...

#8 -

Mannheimer Studi | Mo., 13.05.2019 - 16:11
„Solange es diese (in sich wiederum sehr heterogene) Gruppe an Studierenden in großer Zahl gibt (und die Politik macht leider keine Anstalten, daran etwas zu ändern), bedarf es der Anwesenheitspflicht in gewissem Umfang, um zumindest basale Lernfortschritte zu sichern und einen Mindestmaß an Respekt den Lehrenden gegenüber herzustellen.“



Interessante Perspektive. Ich hätte ja gedacht, dass die angesprochenen „Problemstudis“ diejenigen sind die nicht hingehen. So kommt die gewünschte Selektion dann eben hintenrum. Und die soll jetzt mit einer Pflicht aufgehoben werden?

So ganz durchdacht scheint mir diese Argumentation nicht zu sein.

#10 -

Sandra Pflugrad | Di., 22.04.2025 - 16:27
Tatsächlich gibt es viele Studien hauptsächlich aus den USA, nur eine aus Deutschland, in denen Studierende ihre Gründe darlegen, seltener zu Lehrveranstaltungen zu gehen. Das Sozialleben hat in diesem Alter offensichtlich eine hohe Bedeutung. Leider auch negative Beschäftigungstendenzen wie nächtelange Partys mit einem hohen Grad an Alkohol- bzw. Drogenkonsum. Studierende mit geringer intrinsischer Motivation zum Studieren fehlen öfter, prokrastinieren, lenken sich häufig ab, geben den Lehrenden die Schuld. Ich teile die Meinung, dass nicht jeder junge Mensch studieren sollte.

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