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Wir setzen Stabilität über Veränderung

Heute Nachmittag haben die EFI-Wissenschaftsweisen der Kanzlerin ihr Jahresgutachten überreicht. Der Kommissionsvorsitzende Uwe Cantner über Deutschlands Agilitätsproblem und die zu geringe Risikobereitschaft, überfällige Reformen im Wissenschaftssystem – und drohende Kürzungen.

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Artikelbild: Wir setzen Stabilität über Veränderung

Foto: David Ausserhofer.

Herr Cantner, die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) legt heute ihr Jahresgutachten vor und mahnt eine "neue Missionsorientierung und Agilität in der F&I-Politik" an. Erklären Sie uns bitte, was mit dem Buzzword "Agilität" gemeint ist.

Zunächst muss man mal festhalten, dass Deutschlands Innovationspolitik ein echtes Defizit in Sachen Agilität hat. Das heißt: Wir reagieren nicht flexibel genug auf die veränderten globalen Herausforderungen, wir denken nicht weit genug voraus und wir überprüfen unser politisches Handeln nicht ausreichend auf seine Wirksamkeit. Zudem begreifen wir unsere Fehler nicht als Gelegenheiten zum Lernen und steuern unsere Maßnahmen nicht genügend nach. Wir setzen Stabilität über Veränderung, obwohl eine agile Politik beide in einen den Herausforderungen angemessenen Ausgleich bringen würde.

Wie wird Deutschlands Innovationssystem agiler?

Ein agiles Innovationssystem bedingt Akteure, deren Handlungen ineinandergreifen. Das sind sowohl die Hochschulen und die Unternehmen, die Innovationen initiieren sollen, als auch die Ministerien und Behörden, von der Kommune bis hinauf zur EU, die den Rahmen für Innovationen bereitstellen sollen. Wenn der Politik das nicht besser gelingt, dann wird es für uns als Gesellschaft sehr schwierig werden, die großen Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Manches klappt ja auch schon sehr gut, denken Sie an die Schnelligkeit, mit der das deutsche Unternehmen BioNTech, übrigens eine Uni-Ausgründung und gefördert im Rahmen des Spitzenclusterwettbewerbs, einen hochwirksamen Corona-Impfstoff entwickelt hat. Aber möglicherweise liegen solche Positivbeispiele eher an den handelnden Personen als an den Strukturen, innerhalb derer sie agieren müssen.

Gibt es auch Positivspiele agilen staatlichen Handelns in der Innovationspolitik?

Für mich sind das die beiden neuen Agenturen des Bundes: die SPRIND Bundesagentur für Sprunginnovationen und die Agentur für Innovationen in der Cybersicherheit. Da mussten sich immerhin vier Bundesministerien verständigen, und das hat letztendlich gut geklappt. Auf Arbeitsebene haben sich die Verantwortlichen verständigt: BMBF und Wirtschaftsministerium machen SPRIND, Verteidigung und Inneres Cyber. Das ging erstaunlich schnell, kein Hochgeschwindigkeitszug, aber zügig und konsensual.

"Dass etwas in Bewegung kommt, ...

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Kommentare

#1 -

Th. Klein | Do., 25.02.2021 - 09:51
„Das Mindeste ist, dass sie den Forschenden, die sich tatsächlich eine Ausgründung zutrauen, klare und transparente Standards bieten. Wenn so ein Laden nachher läuft, verdienen die Forschungsorganisationen und Hochschulen eine Menge Geld an dem, was ihre Wissenschaftler auf die Beine gestellt haben.“ – Nach Weiterbildung und Patenten die nächste Cashcow der Hochschulen. Die Erwartungen bei den beiden anderen wurden schon nicht eingelöst. Den Druck auf den Startup-Bereich zu übertragen, finde ich falsch. Wenn Hochschulen hier finanziell profitieren wollen, senkt dies die Motivation der Gründungswilligen. Dann kommt Bürokratie rein, reinredende Stakeholder der Hochschulen etc.



„Forschende in Europa sehen sich oftmals nur ...

#2 -

LeanderK | Do., 25.02.2021 - 20:59
Ich stimme nicht mit Th. Klein überein. Ich habe etwas Berührungspunkte zu der Startup-Welt und glaube dass ein institutioneller Wandel wichtig ist und das geht nur wenn die Institutionen profitieren. Sonst wird es halbherzig gemacht und so wirklich interessiert es dann doch keinen wie gut die Grüngungsintensität ist.





Ein unternehmerisches Handeln der Hochschulen und anderen Institutionen muss möglich sein wenn diese ernsthaft dazu motiviert werden sollen ihre eigene Grüngungsintensität zu fördern. Man darf mMn auch dabei nicht vergessen dass dadurch, falls es funktioniert, ein ziemlicher Mehrwert für die Gesellschaft entsteht. Zum einen entstehen neue High-Tech Unternehmen, Arbeitsplätze und Steuern, zum ...

#3 -

René Krempkow | Mo., 01.03.2021 - 16:01
@Th. Klein und LeanderK: Sie weisen beide aus meiner Sicht auf wichtige Aspekte hin, da Sie die Rolle der Gründungswilligen und der Hochschulen beim Gründungsverhalten von Forschenden in Zusammenhang sehen. Oft werden dabei als Forschende aber immer noch v.a. Professoren gesehen. Und Fördermaßnahmen gibt es oft entweder ausgerichtet auf Profs - oder für Studierende bzw. Graduierte in den ersten Jahren nach Abschluss. Vermutlich ist dies so, weil man fälschlich immer noch davon ausgeht, dass Nachwuchsforschende größtenteils in der Wissenschaft bleiben.

Jedenfalls wurde bereits im Gründungsradar 2017 des Stifterverbandes festgestellt, dass die Gruppe der Nachwuchsforschenden bei der Gründungsförderung der Hochschulen kaum ...

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