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Wissenschaftlerkarrieren nach dem USB-Modell

Lassen sich Bestenauslese, transparente Auswahlverfahren und der geforderte Ausbau unbefristeter Stellen in der Wissenschaft miteinander in Einklang bringen? Ja – wenn wir die Tenure-Track-Idee neu denken. Ein Gastbeitrag von Robert Kretschmer und Johannes F. Teichert.

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Artikelbild: Wissenschaftlerkarrieren nach dem USB-Modell

Eine Promotion, zwei Weggabelungen, drei mögliche Karrieren: Wie wissenschaftliche Karrieren künftig verlaufen könnten. Grafik: Kretschmer/Teichert.

"#ICHBINHANNA", die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes und der jüngst vorgelegte Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP haben die teilweise prekären Beschäftigungsverhältnisse an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Thema einer breiten öffentlichen Debatte gemacht. Doch wie kann gute Arbeit in der Wissenschaft für alle Beteiligten gelingen? Wie können Rahmenbedingungen aussehen, die Kreativität und Innovationskraft fördern, weil sich Forschende weniger Sorgen um die eigene Zukunft machen müssen und sich voll und ganz auf ihre Ideen und deren Umsetzung konzentrieren können?

Der Weg zur Professur wurde bereits verlässlicher gemacht: Beim sogenannten Tenure Track stellen Universitäten promovierte Nachwuchsforscher*innen zunächst befristet (in der Regel für bis zu sechs Jahre) und mit vorher abgesprochenen Erfolgskriterien ein. Werden diese in der Bewährungsphase erfüllt, winkt schließlich eine dauerhafte Professur. 1000 solcher Tenure Track-Professuren sollen bis 2032 entstehen, aus dem Bundeshaushalt fließt dafür eine Milliarde Euro. Die Idee hat ihren Charme: Wenn junge Forschende ...

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Kommentare

#2 -

Ruth Himmelreich | Do., 02.12.2021 - 12:19
"Durch das gegenwärtige System verliert die Wissenschaft viele kluge Köpfe" - mir fehlt dabei die Überlegung, dass die Wirtschaft auch kluge Köpfe braucht - irgendwo müssen die Steuereinnahmen erwirtschaftet werden, die den Wissenschaftsbetrieb am Laufen halten.



Aber zum USB-Modell - es wäre einigermaßen stimmig, wenn der Ausgangspunkt die Postdoc-Phase wäre, nicht die Promotion. Nicht jede/r, der/die nach der Promotion, die hier übrigens ein vom bereits genannten Steuerzahler entweder teil- oder vollfinanziertes Goodie ist, kann, nur weil er/sie gerne "möchte", im System verbleiben. Und bei den sehr guten Noten, die es in vielen Disziplinen für Promotionen grundsätzlich gibt, ist ja nun ...

#3 -

Caspar M. Schw… | Do., 02.12.2021 - 12:56
"Das USB-Modell bietet Vorteile für alle Beteiligten"



Es würde mich interessieren, wie dieses Modell mit denjenigen aus dem deutschen Wissenschaftssystem umgeht, die zum Beispiel einen substanziellen Postdoc im Ausland machen, also nicht nach der Promotion im deutschen System verbleiben? Ähnlich die Frage, wie in einem solchen System noch Platz für ausländische Wissenschaftler ist, die nicht ihre Promotion oder erste Postdocphase in Deutschland machen?



Mir scheint es substantiell schwieriger zu werden, diese Personengruppen zu integrieren, folgt man einem zeitlich so starren Model. Aber können wir hochqualitative Wissenschaft wirklich ohne diese beiden Gruppen denken?

#4 -

Marco Winzker | Do., 02.12.2021 - 14:12
Volle Zustimmung für Alfred Wachtel #1 und Ruth Himmelreich #2. Menschen, die nicht in der Universität bleiben, gehen doch nicht verloren. Und was meint der Bezug zum ZSL? Wo es für eine Professur und die exzellente Forschung nicht reicht, kann man ja immer noch Lehre machen?

Ich sehe hier ein viel zu enges Bild von Wissenschaft und vor allem von Lebenswegen in der Wissenschaft.

#5 -

Kritischer Geist | Do., 02.12.2021 - 21:05
Auch dieses Modell krankt an dem Fakt, dass bei einem „Doppeltrack“ in Summe nicht mehr unbefristete Stellen zur Verfügung stehen. Will sagen, dass nach einmaliger Verdauerung die Stelle im Mittelbau für etwa 30 Jahre genauso besetzt ist wie eine Professur. Was passiert also mit den nachfolgenden Kohorten?

#6 -

Michael Liebendörfer | Fr., 03.12.2021 - 07:23
Der USB-Vergleich ist schön gewählt. Ein "Anschluss", der universell passen soll. :-)



Aber zum Inhalt: hier scheint mir alles von der Utopie her gedacht, dass die Realität sich an das Modell halten wird. Dabei hält sie sich doch schon heute nicht an die 6+6-Regelung des WissZeitVG.



Hätte jede:r nur eine solche Chance oder kann (sollte?!) man nicht auch als PostDoc die Uni wechseln? Gibt es dann noch befristete Projektstellen? Vertretungsprofessuren? Sachgrundlose Befristung?



Das Modell scheint mir außerdem auch von der Utopie her gedacht, dass man Hanna zur Dauerstellen führen will. Es fehlt die klare Vorstellung, wie Hanna die Hochschule (zumindest ...

#7 -

Rene | Fr., 03.12.2021 - 08:39
"Der Weg zur Professur wurde bereits verlässlicher gemacht: Beim sogenannten Tenure Track stellen Universitäten promovierte Nachwuchsforscher*innen zunächst befristet (in der Regel für bis zu sechs Jahre) und mit vorher abgesprochenen Erfolgskriterien ein."



Es ist keineswegs verlässlicher geworden. Die 1000 Professuren sind ein tropfen auf den heißen Stein. Im Moment extistieren viele Modelle und wissenschaftskulturen parallel (die alte Habilitation, mit Buch, kumulativ, je nach Disziplin und Untergruppe ganz unterschiedlich "wichtig" - in Manchen Bereichen unerlässlich, in anderen überflüsssig oder gar kontraproduktiv). Als Wissenschaftler kann man entweder auf eine bestimmte Professur HOFFEN (W1 oder W3) die mit passender Denomination ausgeschrieben wird, aber ...

#8 -

Daniela | Fr., 03.12.2021 - 09:50
Auch die Anzahl der Stellen im akademischen Mittelbau wird endlich sein. Sobald diese Stellen geschaffen und besetzt sind, bleiben sie das erst mal für 30 Jahre. Die nachkommenden Postdocs haben davon wenig. Ich bin dafür mehr permanente Stellen zu schaffen. Aber bei der Anzahl an Doktorand*innen und Postdocs, wird das trotzdem für die allermeisten nichts ändern. Man sollte aufhören so zu tun, als ob es eine einfache Lösung gäbe. Man kann den Wettbewerb um permanente Stellen etwas reduzieren, aber mehr ist realistischerweise nicht drin. Außer man reduziert die Anzahl der Promovierenden. Ich hab noch nie gehört, dass das jemand möchte.

#9 -

Leander | Fr., 03.12.2021 - 12:24
Ganz so pessimistisch wie andere Kommentare würde ich nicht sein. Natürlich löst ein unbefristeter Mittelbau die Probleme nicht, aber es schafft für manche eine Perspektive. Wenn es mehr Dauerstellen gibt, dann gibt es wahrscheinlich auch weniger befristete und ein paar werden früher aus dem System herausfallen. Aber dafür wird anderen eine Perspektive gegeben. Es ist meiner Meinung nach aber wichtig Dauerstellen sukzessive zu erhöhen, damit nicht eine Kohorte Glück hat und alle Stellen besetzt...und man dann 30 Jahre warten muss bis diese wieder gehen. Ich halte jedoch dieses USB-Modell für nicht geeignet, es wirkt sehr starr. Ziel sollte nicht sein ...

#10 -

Angebot und Na… | Fr., 03.12.2021 - 16:39
Es bleibt einfach so, dass das deutsche Wissenschaftssystem viel mehr Menschen ausbildet, als hinterher im Wissenschaftssystem auch eine Stelle finden können. Das kann man nicht wegdiskutieren.



Entweder reduziert man DRASTISCH die Anzahl der Promovierenden, und damit den Output des Wissenschaftssystems, oder man findet sich damit ab, dass nur ein sehr kleiner Prozentsatz dieser Promovierenden eine Stelle innerhalb des Wissenschaftssystems finden wird. Eine SOLIDE Vorbereitung auf den außerakademischen Stellenmarkt für Promovierende kann für den Fall, dass man die Anzahl nicht reduzieren will, eine Perspektive für diese Menschen schaffen.



Beide Optionen erfordern ein Umdenken vor allem auf der Hierarchiestufe der Professor*innen.

#11 -

Naiv | Mo., 06.12.2021 - 12:54


Das vorgeschlagene Modell erscheint mir aus vielen Gründen reichlich naiv. Es ignoriert vollkommen die Neigung aller Beteiligten, den eigenen Vorteil zu maximieren. Das 1000-Prof Programm hat z.B. meines Wissens in vielen Ländern zu keinen neuen Professuren geführt - statt dessen wurden so viele gestrichen (heisst natürlich nicht so), wie eingerichtet wurden (die Ländern maximieren ihren Vorteil). Im Ergebnis waren zu einem Zeitpunkt plötzlich viele Professuren "auf dem Markt" - und jetzt wird es fünf Jahre lang deutlich weniger geben, weil die Stellen für den TT reserviert sind.



Das oben beschrieben Prozedere unterschlägt ausserdem, dass in D für jede TT Einstellung ...

#12 -

David | Mi., 08.12.2021 - 11:25
Ich finde das ein gutes Modell.



Ganz ehrlich: Ich kann das ewige Verstopfungsargument nicht mehr hören.



Erstens, es geht hier nur um Planungssicherheit für ein paar PostDocs, die zu weich sind, sondern es geht um basale Arbeitnehmerrechte, die seit Zeiten für einen Großteil der regulären Jobs gelten.



Wohlgemerkt ist es nicht so, dass die PostDocs jetzt nach 3,5 Jahren nach Ende des Studiums eine unbefristete Anstellung bekommen. Sondern sie haben bereits 3-6 Jahre Promotion hinter sich.



Der Arbeitsmarkt wird in den nächsten zehn Jahren eine riesige Nachfrage nach Gutausgebildeteten haben.



Ja, dann muss halt härter ausgesiebt werden, bei der Vergabe ...

#13 -

Naiv 2 | Do., 09.12.2021 - 12:11


Ich kann dem ständigen Vergleich mit einem Wirtschaftsunternehmen, dass ja auch nicht unter "Verstopfung" durch entfristete Verträge leidet, nichts abgewinnen. Es gibt mE zwei zentrale Unterschiede: (a) Die Bedarfsermittlung und (b) die Nachfrage. Vorweg sollte man nicht vergessen, dass Univ-Mitarbeiter*innen Geld kosten und keinen direkten Gegenwert in Form von Umsatz erwirtschaften.



(a) Ein Unternehmen stellt ein, solange es genug Umsatz gibt oder um den Umsatz zu steigern (Investition). Wenn das nicht klappt, wird wieder entlassen oder im schlimmsten Fall das Unternehmen dicht gemacht. Eine Universität wird (1) nie entlassen und (2) nie dicht gemacht. Damit sind Entscheidungen über Personalaufwuchs quasi ...

#14 -

Alexander | Mo., 02.05.2022 - 13:21
Ein Artikel, indem die Problematik des Verlustes an qualifizierten Wissenschaftlern im universitären Lehrbetrieb diskutiert wird.



Ich finde es allerdings schon etwas makaber, dass sich ausgerechnet einer der Autoren dieses Artikels nach seiner Berufung an die TU-Chemnitz das bisher bestehende System von Kettenverträgen für eben diese qualifizierten Wissenschaftler zunutze macht und die Entfristung eines langjährigen erfahrenen Mitarbeiters zu verhindern versucht. Besonders verwerflich an diesem Vorgehen, dass es sich um den Mitarbeiter handelt, der nach dem plötzlichen Tod des ehemaligen Lehrstuhlinhabers die kommissarische Leitung der Professur übernahm und die reibungslose Übergabe ermöglichte.

Dieser Fall macht einmal mehr deutlich, wie wichtig planbare Karrierewege ...

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