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Drei Probleme mit der DATI – und wie sie gelöst werden können

Was passieren muss, damit die Debatte um die neue Transferagentur wieder Fahrt aufnimmt. Ein Gastbeitrag von Thomas Brunotte.

Thomas Brunotte ist Geschäftsführer der Bundesvereinigung des Hochschullehrerbunds (HLB), dem Berufsverband der Professorinnen und Professoren an Hochschulen für angewandte WissenschaftenFoto: hlb/Barbara Frommann.

NACH EINER ANFÄNGLICHEN DYNAMIK ist die Gründung der geplanten Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) ins Stocken geraten. Das Zögern der Bundesregierung liegt womöglich an drei Problemen, die immer wieder lähmenden Einfluss auf die Debatten haben. Sie lassen sich wie folgt darstellen:

 

1. Wer darf mitmachen?

Der Koalitionsvertrag hat neben den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) auch sogenannte "kleinere und mittlere Universitäten" als Destinatäre für die neue Förderagentur in den Blick genommen. Während bei den HAW die Fokussierung auf Anwendung, Transfer und Innovation außer Frage steht – eben dies ist Aufgabe und Zweck der angewandten Wissenschaften – leuchtet bei kleineren und mittleren Universitäten nicht ein, was diese für eine spezifische, auf die Besonderheiten der anwendungsbezogenen Forschung und Entwicklung ausgerichtete Förderung auszeichnet. Das Kriterium der Größe steht nicht in Bezug zu deren Engagement in den angewandten Wissenschaften. Entsprechend ist eine Diskussion über die Teilhabe an der DATI entfacht, in der auch größere Universitäten für sich reklamieren, anwendungsorientierte Wissenschaft zu betreiben – was in einem gewissen Umfang auch zutrifft – und sich entsprechend ebenfalls an der DATI beteiligen möchten. 

 

2. Woher kommt das Geld?

Angesichts der Gründung einer neuen Förderagentur vor allem für die HAW scheint die Politik der Versuchung zu erliegen, HAW-spezifische Fördertitel in der DATI aufgehen zu lassen. Eingeführte und weiter dringend notwendige Programme wie etwa "Forschung an Fachhochschulen" sollen offenbar nicht fortgesetzt werden. Dies wäre nicht nur deshalb hoch problematisch, weil die Forschung an den HAW dringend einer gezielten, substanziellen und aufwachsenden Förderung bedarf, um ihr volles Potenzial für Transfer und Innovation zu heben, sondern auch, weil eine Öffnung der DATI für andere Hochschultypen – siehe Problem 1 – unweigerlich zur Folge hätte, dass sich die HAW das wenige für sie vorhandene Fördergeld noch mit anderen Akteuren teilen müssten.

 

3. Wissenschafts- oder Regionalförderung: Was ist das Ziel?

Mit der DATI ist der politische Wunsch verbunden, Innovationsregionen zu entwickeln. Das vom BMBF vorgelegte Konzeptpapier sieht dabei vor, zunächst besonders geeignete Regionen auszuwählen, in denen die DATI dann – unterstützt durch Regionalcoaches – aktiv wird. Diese Innovationsmanager sollen bei der Entwicklung der Projekte helfen, sie sollen aber auch ähnlich wie Investoren über deren Abbruch entscheiden. Abgesehen davon, dass ein rein regionenfokussierter Ansatz verkennt, wie erfolgreich die HAW inzwischen überregional und international agieren, hat er die Schwäche, dass sich die Interessen einer politisch motivierten Regionalförderung mit dem Ziel überlagern, die angewandten Wissenschaften zu stärken. Das ist wissenschaftsfremd und nicht zielführend, wenn man die HAW als Impulsgeber für Transfer, Innovation und gesellschaftlichen Wandel weiterentwickeln möchte.

 

Die Lösung liegt in der Rolle der HAW

 

Die HAW sind in ihren jeweiligen Regionen bereits heute bestens vernetzt und verfügen über vielfältige Kontakte zu kleinen und mittleren Unternehmen, zu gesellschaftlichen Einrichtungen, Verwaltungen und anderen Akteuren. Sie decken bisher unerkannte Probleme auf, entwickeln Lösungen für gesellschaftliche, wirtschaftliche oder ökologische Herausforderungen und erfinden Neues. Letztlich füllen sie damit schon längst die den Regionalcoaches zugedachte Rolle und bedürfen gerade deshalb keiner weiteren externen Steuerung.

 

Vor diesem Hintergrund ist es angezeigt, dass die HAW als die primären Destinatäre der DATI-Förderung die Konsortialführerschaft in kooperativen Projekten mit außerhochschulischen Partnern aus der Region übernehmen. Unter der Federführerschaft einer verantwortlichen Professorin oder eines Professors einer HAW sollten gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Gesellschaft und der Wissenschaft Kooperationsvorhaben entwickelt werden. >>

 


In eigener Sache


>> Selbstverständlich können sich auch Universitäten – egal ob kleinere, mittlere oder größere – als Kooperationspartner in solche Projekte einbringen. Bleibt die Konsortialführerschaft bei den HAW, dann liegt – wie von der Koalition intendiert – der Fokus nicht allein auf diesem Hochschultyp, sondern vor allen Dingen auf den angewandten Wissenschaften. Als Kooperationspartner wären weder kleine noch große Universitäten ausgeschlossen. Im Gegenteil, mit den HAW in der Konsortialführerschaft würde die Zusammenarbeit zwischen den Hochschultypen zunehmen und die Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vorankommen. Entscheidend dabei wäre dann die Qualität der anwendungsbezogenen Forschung und Entwicklungsvorhaben, die von den Konsortialpartnern gemeinsam in den Blick genommen werden.

 

Wer Innovationsregionen will, muss sie auch bezahlen

 

Genauso konsequent muss die Bundesregierung die DATI-Förderbedingungen auf die anwendungsbezogene Forschung ausrichten. Je mehr ein Projekt auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit seiner Ergebnisse zielt, desto stärker muss die Eigenbeteiligung der Partner aus der Wirtschaft sein. Eigenbeteiligungen wären auch von größeren Universitäten denkbar, etwa im Zurverfügungstellen einer gemeinsam nutzbaren wissenschaftlichen, technischen oder digitalen Infrastruktur. Je weiter also die Kreise über die HAW hinaus gezogen werden sollen, desto stärker müssen die Finanzierungsanteile oder Sachleistungen der anderen Partner sein. Hierzu bedarf es vielfältiger Förderinstrumente und Anreize, um einen weitreichenden Effekt auf die regionale Gesamtentwicklung zu erzielen. 

 

Die Innovationsregionen nach britischem Vorbild, die der Koalitionsvertrag in den Blick nimmt, sind nichts anderes als Sonderwirtschaftszonen, bei denen verschiedene Förderinstrumente – darunter auch steuerliche oder arbeitsrechtliche – ineinandergreifen. Die überschaubaren, bisher für die Forschung an HAW bereitgestellten Mittel allein werden nicht ausreichen, um diese Vision zu verwirklichen. Hier braucht es zusätzliche – auch finanzielle – Anstrengungen der Bundesregierung.



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Kommentare: 2
  • #1

    Nikolaus Bourdos (Dienstag, 19 Juli 2022 09:33)

    "Während bei den HAW die Fokussierung auf Anwendung, Transfer und Innovation außer Frage steht..." – solche und ähnliche Sätze aus Richtung der HAW fand ich schon immer drollig. Es wird zwar nicht explizit ausgesprochen, suggeriert aber, dass die HAW transfer- und innovationsorientiert sind, während die Unis so vor sich hin grundlagenforschen. Dummerweise denken das auch etliche Ministerialbeamte und Politiker sowieso. Netzwerke mit lokalen KMU usw. haben auch Unis, sie sind aber nicht so sehr auf diese Kooperationen z. B. in Bezug auf Abschlussarbeiten angewiesen.

    Erfährt man aus dem Gastbeitrag, wie die Probleme mit der DATI gelöst werden? Nun ja, zumindest EINE Lösung wird präsentiert: Gebt den HAW das Geld und alles wird gut. Dabei kann ich den Unmut schon verstehen: Die FH-Förderung in der DATI aufgehen zu lassen, ist phantasielos und wenig innovativ. Das belegt auch eindrucksvoll die oben genannte Sichtweise auf HAW und Unis.

    Wieso im Falle einer DATI-Gründung und zu fördernder Innovations- und Transferprojekte die Konsortialführerschaft bei HAW liegen soll, ist erklärungsbedürftig. Ja, die HAW haben wenig Geld, aber das wäre ein schlechtes Argument.

    Damit mich niemand falsch versteht: Forschungsstarke HAW sollten gezielt gefördert werden, gerne auch umfangreicher als bisher. Aber die Führung in Sachen Innovation und Transfer können sie nicht für sich reklamieren.

  • #2

    Jan-Martin Wiarda (Mittwoch, 20 Juli 2022 08:52)

    Liebe Leserinnen und Leser,

    leider ist mir gestern ein Leserkommentar durchgerutscht, der nicht in der Sache, sondern ad hominem kritisierte. Ich bitte dafür um Entschuldigung und habe diesen nun offline gestellt. Eine Debatte und Kritik in der Sache weiß ich sehr zu schätzen, ins Persönliche gehende Angriffe bitte ich weiter zu unterlassen. Sie passen nicht in diesen Blog. Hinzu kommt: Wer schon anderen negative persönliche Eigenschaften nachsagt, sollte wenigstens so mutig sein, dies mit Klarnamen zu tun. Ich hoffe weiter auf eine lebendige, kontroverse und zugleich respektvolle Diskussion!

    Beste Grüße und vielen Dank für Ihr Verständnis
    Ihr Jan-Martin Wiarda