Kauders Entdeckung
Der Unionsfraktionsvorsitzende hat begriffen, in welcher Not sich die Schulen im Land befinden. Nur: Was haben die davon?
VOLKER KAUDER WIRD nächste Woche 69, und zum Thema Schule ist dem seit 2005 amtierenden CDU-/CSU-Fraktionsvorsitzenden bislang nicht viel eingefallen. Umso bemerkenswerter ist der Satz, den er jetzt der Nachrichtenagentur dpa in einem Interview gesagt hat: "Der Beginn des Schuljahres in vielen Bundesländern hat gezeigt, dass unser Land in Gefahr ist, langsam in einen Bildungsnotstand hineinzulaufen."
Bemerkenswert ist Kauders Satz in dreifacher Hinsicht. Erstens aufgrund seiner Tonlage: "Bildungsnotstand" ist nah dran an der "Bildungskatastophe", die der Pädagoge Ernst Georg Picht 1964 ausrief und die – im Nachhinein – zum symbolischen Weckruf für den Bildungsaufbruch der 60er und 70er Jahre stilisiert wurde.
Nur ist Kauder kein Picht, und so besticht seine Äußerung zweitens in ihrer Arglosigkeit: Kauder sorgt sich um den gewaltigen Lehrermangel und dessen tiefgreifenden Folgen für die Unterrichtsqualität und wirkt dabei so, als habe er das Problem gerade erst für sich entdeckt. Womöglich ist ja auch genau das der Fall. Womöglich haben ihn erst in der vergangenen Woche Hilferufe von Lehrern und Eltern aus seinem Bekanntenkreis erreicht, vielleicht war es der medienwirksame Aufschrei des Lehrerverband-Chefs , oder die Proteste ...
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