Die eigentliche Konsequenz ist ein Wertewandel in der Max-Planck-Gesellschaft
Seit er ihr Präsident ist, krempelt Martin Stratmann Deutschlands bekannteste Forschungsorganisation um. Im Interview sagt er, was das mit der Wissenschaftsfreiheit zu tun hat – und mit Direktoren, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Und der Eisenforscher erklärt, wie Deutschland wieder innovativer wird, warum es aber trotzdem auch künftig kein deutsches Google gibt.

Martin Stratmann. Fotos: Axel Griesch/MPG.
Herr Stratmann, im Juni sind Sie für eine zweite Amtszeit als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) bestätigt worden. Anstatt aber vor Ihrer Wiederwahl die in solchen Situationen übliche PR-Offensive über die Großartigkeit der eigenen Organisation zu starten, haben Sie eine Kampagne zur Wissenschaftsfreiheit initiiert. Ist die denn überhaupt bedroht in Deutschland?
Mir kam es darauf an, dass die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen den 70. Jahrestag des Grundgesetzes zum Anlass nimmt, um sich selbst ein paar Fragen zu stellen. Wie nutzen wir die großartigen Freiheiten, die uns die Verfassung zugesteht? Wo sehen wir mögliche Bedrohungen? Um es klar zu sagen: Uns geht es in Deutschland sehr, sehr gut. Als Wissenschaft können wir frei von staatlichen Zwängen agieren, das klingt erst einmal trivial, ist aber in vielen anderen Ländern längst nicht mehr gesichert. Wobei – vielleicht muss ich eine kleine Einschränkung machen: Die Finanzierung der Wissenschaft, ob staatlich oder nicht, kann auch bei uns Abhängigkeiten und damit Unfreiheiten schaffen.
Ansonsten aber ist die Bundesrepublik ein Musterland in Sachen Wissenschaftsfreiheit?
Wir müssen in Deutschland kritisch nachhaken, wo wir uns als Gesellschaft selbst Denkverbote auferlegen. Und es gibt noch eine weitere Dimension von Wissenschaftsfreiheit, ich möchte sie als "Spontaneität" beschreiben: Hat die Wissenschaft die richtigen Strukturen, damit Ungewöhnliches entstehen kann, damit Forscher unkonventionelle Wege gehen können?
Dann lassen Sie uns über die Strukturen und ihre Probleme sprechen. Damit sind wir plötzlich sehr nah dran an der MPG, oder?
Was woanders gilt, sollte auch bei der MPG so sein: Wir müssen bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sicherstellen, dass die Wissenschaftsfreiheit auch für sie gesichert ist – nicht nur für die Führungsspitze unserer Institute. Und wir müssen in der Wissenschaft Rahmenbedingungen schaffen, die eine Spontaneität, wie ich sie ...
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