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Ihr ganzer Stolz

Kurz vor den Abgeordnetenhaus-Wahlen bringt Rot-Rot-Grün noch das neue Berliner Hochschulgesetz durchs Parlament. Doch ist es tatsächlich der große Wurf mit bundesweiter Strahlkraft, als den die Koalitionäre es feiern?

BERLINS ROT-ROT-GRÜNE KOALITION feiert sich für ihr buchstäblich in letzter Sekunde verabschiedetes neues Hochschulgesetz. Es gibt da dieses Foto vom Donnerstag , aufgenommen vor dem Berliner Abgeordnetenhaus, auf dem die wissenschaftspolitischen Sprecher:innen von "R2G" mit Sekt aus Gläsern und Pappbechern anstoßen. So zelebriert man historische Momente. Und genau einen solchen, so finden die Koalitionäre offenbar, bedeutet ihr Gesetz. Und damit auch die letzten dies verstehen, haben sie ihm auch noch den Namen "Gesetz zur Stärkung der Wissenschaft" gegeben.

Zwei Adjektive rechtfertigt das Werk auf jeden Fall. Es ist umfangreich und ambitioniert. Und fügen wir drittens noch eine Prognose hinzu: Es wird bundesweit für Debatten sorgen.

Das mit der Stärkung ist allerdings eine Frage des Betrachters. Die Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) hatte wiederholt vor einer Schwächung der Berliner Wissenschaftslandschaft durch das neue Gesetz gewarnt. Vor allem, weil es die seit mehr als zwei Jahrzehnten bestehende "Erprobungsklausel" in eine "Innovationsklausel" abschwächt. Praktisch bedeutet das, dass die Hochschulleitungen an weniger Stellen als bislang eigene Governance-Strukturen schaffen können – und ...

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Kommentare

#1 -

Robert Beltzig | So., 05.09.2021 - 15:42
Wäre ja schön, wenn die Junior-Professur (in Berlin und hoffentlich nicht nur dort) endlich zu dem wird, wofür sie einmal gedacht war. Gibt es dazu nach so vielen Jahren eigentlich seriöse Evaluationen?
Bei dem Thema Promotion an HAW darf und sollte man skeptisch bleiben. Die Promotion darf nicht inhaltlich versanden.

#2 -

Jule Specht | Mo., 06.09.2021 - 11:19
@Robert Beltzig: Eine Studie zu Juniorprofessuren haben wir mal in der Jungen Akademie gemacht, ist allerdings schon 6 Jahre her und Tenure Track war damals noch eine Seltenheit. Das ist heute zum Glück anders, aber vielleicht ist unser Text für Sie trotzdem lesenswert: https://www.diejungeakademie.de/fileadmin/Dokumente/JA_Juniorprofessurstudie_2015.pdf

#3 -

Edith Riedel | Mo., 06.09.2021 - 11:23
"Doch, das zeigt der Blick etwa in die USA, funktioniert ein Tenure-Track-System nur dann, wenn negative Evaluationen häufig durchgezogen werden und auch Akzeptanz bei den Betroffenen finden."

Geau das ist die Krux mit dem aktuellen deutschen Tenure-Track-System. Ganz offensichtlich traut sich keine Universität zu, hier ein rechtssicheres Verfahren aufzuziehen. De facto ist eine Tenure-Track-Stelle eine feste Stelle. So funktioniert das nicht mit der Bestenauslese.

#4 -

Robert Beltzig | Mo., 06.09.2021 - 02:00
@3: Vielen Dank für den Hinweis auf die Analyse der Jungen Akademie. Wäre noch schöner, etwas Aktuelleres zu haben. Aber leider kommt dazu vom BMBF oder ähnlichen Stellen nichts. Die gute Rolle der GAUG ist mir seit 2001 bestens bekannt. Vielleicht gelingt mit dem neuen Präsidenten und der für Berufungen eingesetzten Vizepräsidentin ja auch ein Sprung in Richtung "tenure-track";

#5 -

Sigrun Nickel | Mo., 06.09.2021 - 17:37
Lieber Herr Beltzig,
ja, es gibt eine umfassende Untersuchung mit dem Titel "Die Juniorpofessur - Alte und neue Quzalifizierungswege im Vergleich", erschienen im NOMOS Verlag. Die wesentlichen Ergebnisse sind auch in einem online abrufbaren Artikel nachlesbar: https://www.bzh.bayern.de/archiv/artikelarchiv/artikeldetail/die-juniorprofessur-vergleichende-analyse-neuer-und-traditioneller-karrierewege-im-deutschen-wissenschaftssystem

#6 -

René Krempkow | Di., 07.09.2021 - 00:52
Eine Leistungsselektion wäre in der Tat wichtig für das Funktionieren der TT-Professur. Sie kann aber nur gelingen, wenn es hier besser wird als nach einer weiteren, vor drei Jahren veröffentlichten und z.B. im wissenschaftspolitischen Gesprächskeis Hannover intensiv diskutierten Studie zu Juniorprofessuren von Zimmer (2018).[1] Anderenfalls könnte es auch ein sehr ernüchterndes Signal sein. Denn eines der Ergebnisse dieser Studie zu Juniorprofessuren ist, dass zwar rund drei Viertel der Juniorprofessuren den Sprung in eine unbefristete Professur schaffen.[2] Dabei ist aber in Anlehnung an Bourdieu (1992) für den Berufungserfolg v.a. soziales Kapital ein starker Einflussfaktor, und nicht etwa wissenschaftliches Kapital: Wichtige Einflussfaktoren ...

#7 -

Lothar Mätzig | Mi., 08.09.2021 - 11:14
@6: Es geht wohl vor allem um eine geeignete Förderung und dann auch Selektion in beiden (!) Kategorien "Junior-Professur" und "Tenure-Track-Professur". Erstere haben bereits eine 15 Jahre längere Geschichte, letztere sind

doch wohl Ergebnis einer jüngeren Bundes-Initiative.

Wenn mit beiden Kategorien richtig gearbeitet wird (oder würde), kommt man doch gut klar mit der Einschätzung von Reinhard Jahn zur #Ich-bin-Hanna Problematik. Der

Kern ist einfach die Wahrung des Leistungsprinzips.

#8 -

David J. Green | Do., 09.09.2021 - 01:09
Eine recht interessante Gesetzesänderung. Es wird auf jedem Fall spannend sein, zu beobachten, wie verschiedene Vorschriften in der Praxis umgesetzt werden. Vielleicht wird es dazu eine „Arbeitshilfe“ vom Wissenschaftsministerium geben, nur für den internen Gebrauch.



Der empfindlichste Punkt ist vielleicht die Anschlusszusage, die bei jeder postdoktoralen Qualifikationsstelle zu vereinbaren ist (§110 Abs. 6). Da die finanziellen Anreize für die Hochschulen unverändert bleiben, bin ich eher skeptisch, ob diese Vorschrift die beabsichtigte Wirkung entfalten wird. Wie Kurt Reumann in der FAZ vom 19.09.1984 schrieb: „Die Universitäten und Wissenschaftsorganisationen übten immer stärker Zurückhaltung bei der Einstellung von Mitarbeitern auf Zeit. Wo man ...

#9 -

Robert Schmidt | Di., 14.09.2021 - 17:04
Zur Abschaffung von postdoc Stellen aus Haushaltsmitteln (denn das ist es de facto):



Profitieren werden diejenigen Glücklichen die in den nächsten diese Stellen ergattern und dann die nächsten drei bis vier Jahrzehnte besetzten. Wer danach kommt schaut in die Röhre.



Nachhaltiger wäre generell die Zahl der Doktoranden zu reduzieren (es gibt eh in praktisch keinen Staat der Erde so viele Doktoranden wie in Deutschland) und die so freigewordenen Mittel für Mittelbaustellen umzuwidmen.

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