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Thüringer Scharmützel

Das Bildungsministerium in Erfurt twitterte zehn Gründe für die Offenhaltung von Schulen. In Folge dessen feuert der Minister von der Linkspartei seine zuständige Staatssekretärin. Gegner der Präsenzpflicht dürfen sich bestätigt sehen.

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Artikelbild: Thüringer Scharmützel

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Foto: Kay Herschelmann

AM ENDE gab es noch einmal lobende Worte. Helmut Holter habe "die hervorragende Arbeit von Staatssekretärin Dr. Julia Heesen im Krisenmanagement während der Pandemie gewürdigt", teilte der Pressesprecher des thüringischen Bildungsministers mit. Kurz vorher hatte Holter (Linke) Heesens Entlassung beantragt . Der Grund: Seine Staatssekretärin habe am vergangenen Wochenende eine Reihe von Ministeriums-Tweets verantwortet, von denen einer "falsch" und "mindestens ein weiterer... missverständlich" gewesen sei.

So wichtig ihm die Kommunikation in den sozialen Netzwerken sei, erklärte der Minister, so wichtig sei ihm, "dass öffentliche Kommunikation von Seiten meines Ministeriums in Botschaft und Stil mit der erforderlichen inhaltlichen Klarheit und auch notwendigen Zurückhaltung geführt wird." Das sei "in der öffentlich kritisierten Kommunikation am Wochenende "nicht in dem von mir erwarteten und gewünschten Maße" der Fall gewesen.

"Öffentlich kritisiert" ist gut. Die Nachrichtenagentur dpa nannte es einen "Shitstorm", den es das Bildungsministerium erlebt hatte. Was, um Himmels willen, hatte Holters Behörde denn da, "verantwortet" durch Heesen, getwittert?

Erwachsene in die Verantwortung nehmen

Es gebe derzeit wieder viele Debatten um Schulen in der Pandemie, so beginnt der inkriminierte Thread . "In Thüringen wollen wir die Schulen mit hoher Priorität offenhalten und die Ferien nicht verschieben, denn es sprechen viele Gründe dafür." Die zehn wichtigsten wolle ...

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Kommentare

#1 -

Schönes Beispiel | Fr., 17.12.2021 - 09:28
Ein trauriges Beispiel dafür, was passiert, wenn ein*e Politiker*in sich mal traut, das zu tun, was immer von ihnen gefordert wird: klare Ansagen machen. Mein voller Respekt gilt Dr. Julia Heesen, die ohne Zweifel in Kürze eine andere Anstellung finden wir, in der ihre klaren Worte die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen.

#2 -

Holter-die-Polter | Fr., 17.12.2021 - 11:32
Man wundert sich, über welche personellen Reserven die
Thüringer Regierung zu verfügen glaubt. Gab es nicht vor
vielen Jahren schon in der damaligen Regierung von MV ein gewisses Problem mit einem Minister Holter (und seinem Staatssekretär) ? Er müßte doch langsam in Rente
gehen können.
Frau Hessen wird gewiß ihren Weg weitergehen.

#3 -

Working Mum | Fr., 17.12.2021 - 13:48
Man ist immer wieder erstaunt, in welche kommunikativen Schwierigkeiten Institutionen mit doch eigentlich professionell aufgestellter Außenkommunikation schlittern. Und wie unprofessionell sie dann damit umgehen. Es ist wirklich zu hoffen, dass es andere und bessere als die öffentlich genannten Gründe für die Entlassung gab. Ansonsten wäre es einfach nur ein unwürdiges Schauspiel.

#4 -

Geh Deinen Weg… | Fr., 17.12.2021 - 15:53
@2: In der Tat hatte Herr Holter schon Übung in der Entlassung von Staatssekretären. In Mecklenburg-Vorpommern verlor er 2001 seinen Staatssekretär (und
Duz-Freund) Dr. Joachim Wegrad nach der sogenannten Hausfrauen-Affäre.
Frau Dr. Heesen verdient das Schicksal m.E: nicht.

#5 -

René Krempkow | Fr., 17.12.2021 - 19:24
Was auch immer ausschlaggebend war, Dr. Julia Heesen als Staatssekretärin zu entlassen: Ich denke auch, sie wird ihren Weg machen. Sie hat letztlich nur getan, was auch die Aufgabe anderer sein sollte; nämlich die Interessen der Schulkinder vertreten, die dies nicht selbst können und ein Recht auf gute schulische Bildung haben.

Andere Politiker werden dafür gelobt, dass sie auch auf Twitter unterwegs sind und dort prägnant formulieren, daher vermute ich hier auch eine Art Bauernopfer bzw. vielleicht noch besser passend: Damenopfer, um bei der Schachmetapher zu bleiben. ;-)

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