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Darauf reagiere ich zunehmend allergisch

Der Wissenschaftsratsvorsitzende Wolfgang Wick zu überdrehten Transfererwartungen der Politik, verlorengegangenen Differenzierungen im deutschen Wissenschaftssystem, drohendem Kontrolldruck nach der Fraunhofer-Affäre  – und neuen Aufgaben für den Wissenschaftsrat.

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Wolfgang Wick , Professor für Neurologie und als Neuroonkologe am Heidelberger Universitäts­klinikum, ist seit Februar 2023 Vorsitzender der Wissenschaftsrats (WR). Foto: Svea Pietschmann.

Herr Wick, die Ampel-Parteien haben sich in der Haushaltskrise geeinigt, der BMBF-Haushalt soll glimpflich davonkommen . Ein Zeichen, dass die Bundesregierung Bildung und Wissenschaft auch in schwierigen Zeiten die Treue hält?

Das wünsche ich mir sehr. Die BAföG-Strukturreform muss kommen, die Investitionen in Innovation und Hochtechnologie müssen aufrechterhalten werden, der Sanierungsstau im Hochschulbau muss endlich aufgelöst werden – um nur einige Beispiele zu nennen. Sparen bei Forschung und Innovation würde die Zukunftschancen, die uns die Wissenschaft eröffnet und die wir gerade jetzt so dringend brauchen, verspielen.

Das scheint seit der Pandemie zum Geschäftsmodell der Wissenschaft geworden zu sein: die immensen Heilserwartungen, die Gesellschaft und Politik ihr entgegenbringen, auch noch bestärken, weil sie nur dann noch auf das nötige Geld hoffen kann?

Das Wecken solcher Erwartungen ist immer ein zweischneidiges Schwert. In der Pandemie hat die Wissenschaft einen großen Zuwachs an Bedeutung und Vertrauen erlebt. Das führte dazu, dass der Anspruch nach kurzfristigen Antworten und Problemlösungen immer größer wurde. Wenn dann aber an Kochrezepte erinnernde Handlungsvorschläge gefordert werden, geraten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Verlegenheit, weil sie diese aus der Logik der Wissenschaft heraus nicht liefern können. Das sehen wir als Wissenschaftsrat kritisch. Wir glauben, dass Wissenschaftler dann am effektivsten und am wirksamsten sind, wenn sie als Wissenschaftler argumentieren, und es deutlich sagen, sobald sie sich als Staatsbürger äußern.

Die Versuchungen, die Rollen nicht deutlich zu trennen, sind groß, wenn die Politik doch genau die schnellen Lösungen will.

Wir müssen der Politik gegenüber klar kommunizieren, dass sie zum Beispiel bei der Bewältigung der Klimakrise kaum schnelle Antworten erwarten kann, wenn sie die dafür zuständigen wissenschaftlichen Disziplinen über Jahre hinweg nur unzureichend gefördert hat. Legt sie jetzt im Zusammenhang mit ...

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Kommentare

#1 -

Franka Listersen | Mi., 27.12.2023 - 10:55
Der Wissenschaftsrat ist ein Beratungsgremium, keine Kontroll- oder Controllinginstanz. Auch wären die Begriffe "wissenschafsgeleitet" und "wissenschaftlich fundiert" bei einer Interessenvertretung etwas überdehnt angewandt.

#2 -

Edith Riedel | Do., 28.12.2023 - 21:26
Das fördert die Wissenschaftsverdrossenheit. Wick plädiert ganz offen für Narrenfreiheit für Wissenschaftler*innen. Die sind aber keine besseren Menschen als anderen, deshalb muss Kontrolle sein! Auch die Allergie gegen Transfer ist bezeichnend: man halt sich für besser als alle anderen und breitet auch über die entlegendsten Themen das Mäntelchen der Wissenschaftsfreiheit, um die Kolleg*innen nicht zu düpieren. So kommen wir nicht wirklich weiter.

#3 -

Ulrich Marsch | Mi., 10.01.2024 - 10:41
Vielleicht wäre es angebracht, die Senate der Wissenschaftseinrichtungen zu entflechten. Denn dort spiegelt sich die alte Deutschland-AG im Wissenschaftsbereich. Präsidenten der MPG, DFG, FhG, Helmholtz, Leibniz sind alle jeweils im anderen Senat vertreten. Und natürlich kritisieren sie sich nicht gegenseitig. Diversität sieht anders aus. Die Senate verkommen damit zu reinen Abnick-Veranstaltungen. Der Fall Fraunhofer hat das nur zu deutlich aufgezeigt.

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