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Leichter Beruf mit hohem Gehalt gefällig?

Auf einem Online-Job-Portal wird der Beruf des Hochschullehrers als stressfrei dargestellt. Sich darüber aufzuregen, wäre fast schon zu viel Beachtung – steckte in solchen Beiträgen nicht ein gefährliches Anti-Akademikertum.

KENNEN SIE Kununu? Arbeitnehmer und Bewerber können dort Arbeitgeber bewerten – qualitätsgesichert und transparent, wird versprochen. "Mit über acht Millionen authentischen Erfahrungsberichten zu Arbeitgebern" greift Kununu nach eigener Darstellung "Zahlen, Fakten und Themen" auf.

Neulich brachte das Portal zum Beispiel eine Top-Zehn-Liste , Überschrift: "Leichte Berufe mit hohem Gehalt: Das sind Jobs ohne Stress". Darunter Personal Trainer:in, Museumswärter:in, Verwaltungsfachangestellte:r, Bibliothekar:in und: "Hochschullehrer:in/Dozentin".

Lesen wir mal rein. "Wenn du ein wissenschaftliches Interesse hast, aber einen stressigen Job in der Wirtschaft scheust, bietet sich ein Job als Hochschullehrer:in beziehungsweise Dozent:in an. Du hast die Möglichkeit, dich auf deine Forschung zu konzentrieren und unterrichtest Student:innen in deinem Fachbereich. Wobei sich die Zahl der Stunden, die du unterrichten musst, in Grenzen hält." An Universitäten seien planmäßig lediglich acht Stunden pro Woche vorgesehen – "und das nur während der Semester, also zirka sieben Monate pro Jahr". Vor- und Nachbereitung, Prüfungen, Sprechstunden kämen natürlich noch dazu – "aber dennoch ist Hochschullehrer:in ein leichter Beruf mit hohem Gehalt."

Alles nur Clickbait?

Man ...

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Kommentare

#1 -

Florain | Mo., 11.12.2023 - 19:34
Sehr geehrter Herr Wiadra,

Vielen Dank, dass Sie heute im Tagesspiegel so für den Hochschullehrerberuf in die Bresche springen, aber: Obwohl ich "nur" an einer staatlichen FH (bzw. jetzt HaW) Prof bin, kann ich die Vorurteile eigentlich bestätigen. Zwar müssen wir immerhin 18 statt 8 oder 9 SWS an einer Uni leisten, dennoch ist das Gehalt von in meinem Fall über 6000 EUR/netto pro Monat (Familienzuschlag, einige Leistungszuschläge) ehrlicherweise leicht verdient.

Wie erwähnt, passiert in der vorlesungsfreien Zeit außer ein paar E-Mails tatsächlich nichts. Ich gehe üblicherweise einmal pro Woche in die Hochschule, um mein Fach zu leeren oder eine ...

#3 -

Lehrbeauftragter | Mi., 13.12.2023 - 10:42
Eine Amerkung zum Beitrag von Florain: Tja, das gibt es auch. Ich kenne allerdings FH-Profs, die ihren Beruf und die damit einhergehende Verantwortung ernst nehmen, und da sieht es mit der Arbeitsbelastung etwas anders aus, insbesondere in Prüfungsphasen. An den Unis und zum Teil auch an Fachhochschulen wird ein sehr großer Teil der Lehre nicht von Professor:innen, sondern von prekär beschäftigten, befristet angestellten WiMis geleistet, die dafür oftmals gar kein Geld erhalten (weil sie in Drittmittelprojekten angestellt oder Stipendiat:innen sind) oder von grotesk unterbezahlten, freiberuflichen Lehrbauftragten.

#4 -

Außeruniversitär | Mi., 13.12.2023 - 11:50
Das ist ein wichtiges Thema, das ernst genommen werden sollte. An der Kununu-Darstellung ist meines Erachtens schon etwas dran, wenn man auf die Arbeitsbedingungen für Dauerbeschäftigte im Wissenschaftsbereich schaut (Unis mal weggelassen). Da kann ich dem Kommentar von Florain nur zustimmen, im Bereich der Ressortfoschungseinrichtungen zeichnet sich ein ähnliches Bild wie an den FHs. Viele Wissenschaftler*innen entscheiden sich auch bewusst für FHs oder Ressortforschung, weil die Work/lifebalance deutlich besser als in vielen Firmen ist und oft das eigene Arbeitsportfolio zu einem hohen Ausmaß selbst gestaltbar ist. Dafür werden auch Abstriche im Gehalt in Kauf genommen.

Beachtet werden sollte aber auch, ...

#5 -

Penny Woeful | Do., 14.12.2023 - 10:30
Es gibt sicherlich auch solche Profs, die eine große intrinsische Motivation haben, ihre Zeit sinnvoll zu füllen und zu forschen. Der Beitrag von Florain zeigt jedenfalls, dass Bewertungen der Lehrangebote, an die die Entlohnung gekoppelt sind, sinnvoll wären.

Traurig finde ich, dass neue Berufungsverfahren in diesem oben beschriebenen Kontext trotzdem Jahre dauern. Bitte mehr Departmentsysteme mit Profs, die nicht automatisch genügend Personalausstattung erhalten, um alle Arbeit abzugeben.

#6 -

Freigeist | Di., 23.01.2024 - 06:30
@ Florain: Wenn es in der Hochschullehre so leicht ist, mit minimalem Aufwand ein gutes Geld zu verdienen - und das mit einem Maximum an persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten - dann wundere ich mich, warum es an unserer Hochschule für angewandte Wissenschaften inzwischen drei bis fünf Ausschreibungsrunden braucht, um Nachfolger:innen für die ausscheidenden Kolleg:innen zu finden.



Oft scheitern die Berufungsverfahren bereits an mangelnden Bewerbungen von gut qualifizierten und motivierten Kandidat:innen. Wenn es tatsächlich gelingt eine Liste zu verabschieden, scheitern viele Verfahren an den Berufungsverhandlungen, wenn es zur (finanziellen) Sache geht.



Obwohl die Gehälter in Baden-Württemberg im Vergleich zu den anderen Bundesländern hoch ...

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