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Was heißt eigentlich Exzellenz?

Die vergangenen Tage habe ich in Algerien verbracht, genauer gesagt an der Universität von Tlemcen. Dort baut die Afrikanische Union (AU) gerade ein Institut für Wasser- und Energieforschung auf , als Teil der 2011 gegründeten Panafrikanischen Universität und mit kräftiger Unterstützung der Bundesregierung. Bei dem Workshop, den ich moderiert habe, ging es darum, eine Forschungsagenda für das Institut zu entwickeln. Drei Dutzend Experten aus aller Welt, vor allem aber von deutschen und von afrikanischen Universitäten, waren angereist, um miteinander zu brainstormen und unterschiedliche Ansätze und Ideen durchzudiskutieren. Das war schon spannend zu beobachten: Wie kann man einem Institut Leben einhauchen, das zwar schon Studenten ausbildet, aber außer dem Gründungsdekan noch keine einzige Dauerprofessur besetzt hat? Wie kann ein solches Institut all den Erwartungen gerecht werden, die vor allem von afrikanischer Seite formuliert werden: Weltklasse soll es sein, die akademische Elite von morgen hervorbringen, in Freiheit forschen und doch zugleich Fragen behandeln, die von Relevanz für möglichst viele AU-Mitgliedsstaaten sind. Kurzum: ein Hub der internationalen Wasser- und Energieforschung (mit starken Bezügen zu Klimathemen) soll das Institut werden. Bei im Endausbau 12 Professuren wohlgemerkt.



Was mich gewundert hat, war die inflationäre Verwendung des Begriffs „Exzellenz“. Man kennt das ...

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Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | So., 25.10.2015 - 14:50
Die ewige Frage nach der Exzellenz in Universitäten - ich habe auch keine Antwort auf die Frage, welche Maße dafür geeignet sind. Ich denke nur hin und wieder, dass diese Diskussion in die falsche Richtung führt, wenn Zitationen, H-Faktoren, Impact-Faktoren, DFG-Förderatlas etc. als Maße für Exzellenz dienen und damit der Bezug zur Gesellschaft, zur Realität verloren geht. Welche bahnbrechenden Innovationen und Problemlösungen sind von exzellenten Universitäten produziert worden und was ist der Return-of-Investment ? Das erscheint mir wie ein Fußballspiel bei dem die Eckstöße gezählt werden ...



Universitäten in Afrika könnten eine echte Chance bieten etwas Neues zu versuchen und ...

#2 -

Josef König | So., 25.10.2015 - 22:53
Lieber Herr Wiarda,



meines Erachtens ist "Exzellenz" zu einem Modewort geronnen, hinter dem die Jagd nach dem Gelde steht. Erfunden von einer SPD-Wissenschaftministerin aus dem Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu gewinnen, indem sie die deutschen Universitäten zu Reformen zwingt (was ihren Nachfolgern zum Teil auch gelungen ist), spricht jede Uni heute sich Exzellenz zu, weil sie nach dem Gelde schielt.

Dabei sind Rankings, H-Wert, Zitationstabellen hauptsächlich in den Naturwissenschaften, wo die Messung leidlich "funktioniert" von Wert, nicht aber in den "weichen Wissenschaften", die nun künstlich jene nachahmen.

Da Geld und aus diesem die Aufmerksamkeit gewonnen wird, werden wir das Modewort "Exzellenz" so ...

#3 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 26.10.2015 - 10:22
Lieber Herr Diepold,

vielen Dank für Ihr Weiterdenken an dieser Stelle. Ich würde mir wünschen, dass Sie und ich Recht haben und Afrika hier tatsächlich etwas Neues hervorbringen kann. Mein Eindruck auf dem Workshop war aber doch so, dass die Exzellenzsprech in Europa und Amerika ihre Verlockungen hat...

Lieber Herr König,

das ist ja spannend, dass es den Begriff "Exzellenz" (Wissenschaft) bei Wikipedia noch nicht gibt. Und irgendwie auch verräterisch angesichts der Sprachgewalt, mit der das Wort bei wissenschaftspolitischen Debatten jeder Art herausgehauen wird, oder? Frau Bulmahn hat aber auch nicht viel mehr gemacht, als sich dem internationalen Diskurs anzuschließen ...

#4 -

Josef König | Di., 27.10.2015 - 10:45
Lieber Herr Wiarda,

ich habe auch nichts gegen die ExIni, wünschte mir sowohl bei Politikern als auch bei Journalisten eine "Abrüstung", wenn es um Begriffe und insbesondere Superlative geht. Wenn Sie sich erinnern, so nannte sich über Jahrzehnte das Hochschulgesetz NRW so "Gesetz über die Hochschulen in NRW" oder ähnlich, und es wurde nur "novelliert". Pinkwart hat dann daraus ein "Hochschulfreiheitsgesetz" daraus gemacht (Was denn nun? Ist das Gesetz frei von Hochschulen? Übrigens, das beste seit langem) und Svenja Schulze hat es in "Hochschulzukunftsgesetz" umbenannt (wie lang dauet die Zukunft? Bis zu ihrer Abwahl nach vier Jahren?) Und wofür? Um ...

#5 -

Josef König | Do., 29.10.2015 - 10:44
Lieber Herr Wiarda,

zur ExIni muss ich doch noch was nachtragen: Gestern Abend (28.10.15) habe ich einen Vortrag von Prof. Peter Strohmeier, inzwischen Seniorprofessor für Stadt- und Regionalsoziologie an der Ruhr-Universität Bochum, moderiert. Er sprach über "Wer schafft es an die Uni", ein sehr hörenswerter Vortrag mit interessanten statistischen Daten. In der Diskussion wurde er gefragt, wie sich die Unis durch der ExIni verändert hätten und warum viele Studierende dort "fremdeln". Seine Antwort war ganz eindeutig: Er habe im Fakultätsrat vorgeschlagen, Mentoren für Studierende und mehr Zeit für die Lehre zu finden, und seine jüngeren, engagierten Kollegen haben das zurückgewiesen ...

#6 -

Tim Flink | Do., 03.11.2016 - 10:45
Lieber Herr Wiarda,



die von Ihnen aufgeworfene Frage lässt sich wissenssoziologisch bzw. genealogisch beantworten. Nein, Exzellenz ist nicht ausschließlich auf Qualitätsunterschiede (Wissenschaftler-Jargon: vertikale Differenzierung) aus, sondern in ihr schlummert die Idee US-amerikanischer Kybernetik. Exzellenz ist unmittelbar nach dem Sputnik-Schock (1957) in den USA als Forderung nach individueller Selbstverbesserung und -optimierung (v.a. in der Bildungspolitik) aufgekommen und war paradoxerweise egalitär gemeint; kurzum: Wer das Potenzial zur Selbstoptimierung hat, steht - für die Gemeinschaft - auch in der verdammten Pflicht, das beste aus sich 'rauszuholen. In den 1980er Jahren ist die Idee der Selbstoptimierung zuvorderst in den Business Schools und in Unternehmen ...

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