Direkt zum Inhalt

Wir brauchen die Deutsche Lehrgemeinschaft!

Die Hochschulen sollen "Lehrverfassungen" formulieren, fordert der Wissenschaftsrat. Damit gute Lehre sich für die Wissenschaftler lohnt, muss die Politik aber erstmal eine vorschnell verworfene Idee wiederbeleben.

Bild
Artikelbild: Wir brauchen die Deutsche Lehrgemeinschaft!
Vorbild für die Lehre? Die DFG-Zentrale in Bonn. Foto: DFG

GERADE TRIFFT SICH der Wissenschaftsrat zu seiner Frühjahrssitzung, und zu den Unterlagen, über die sich die Experten aus Wissenschaft und Politik beugen, gehört ein Positionspapier „Strategien für die Lehre“. Anfang nächster Woche soll es offiziell veröffentlicht werden, eine seiner Kernforderungen hat das Gremium aber schon 2015 in einer anderen Empfehlung formuliert: "Lehrverfassungen" sollen sie richten, die Unwucht zwischen Forschung und Lehre.

Die Hochschulen, so die Idee, sollen endlich mal genau sagen, was sie unter „guter Lehre“ verstehen – und wie sie sie konzeptionell zu fördern gedenken. Und es dann verbindlich aufschreiben. Und zwar jede einzelne Hochschule für sich.

Moment, gibt es nicht schon die Leitbilder, mögen jetzt manche fragen, und wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist, dass die Leitbilder, die sich viele Hochschulen pflichtschuldig und oft auf Wunsch der Politik gegeben haben, fast alle gleich klingen – und nicht nur zufällig so, als hätten da die einen von den anderen abgeschrieben. Mit dem Ergebnis, dass selbst Rektoren ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

ST | Do., 27.04.2017 - 11:00
Sie übersehen, dass es um Lehre UND Forschung geht. Die Stelle an der Uni bekommen Sie nur, wenn sie 'gut' Forschen. Die DLG, die Sie meinen, hat nur Sinn für Leute, die schon via Forschung im System drin sind. Mit einer guten, innovativen Lehridee können Sie karriere-technisch nichts erreichen. Den Einstieg schaffen Sie nur über die Forschung.



Wenn Sie Zweiklassen-Hochschullehrer vermeiden wollen - also die einen, die nur Lehren (müssen), und auf der anderen Seite die, die heißbegehrt forschen dürfen -, dann müssen Sie sich was einfallen lassen. Der Vorschlag mit der DLG krankt genau daran, dass beides nicht zusammengedacht ...

#2 -

Ein DLR)G-Fan | Do., 27.04.2017 - 16:54
Eine Deutsche Lehr(-Rettungs-)Gemeinschaft wäre - wenn die hierfür in Deutschland vorhandenen Kompetenzen genutzt würden, keine schlechte Idee.

Es ist ja keineswegs so, dass es hierzu keine Erfahrungen und Analysen gäbe, allerdings wurden sie bisher nur vergleichsweise wenig genutzt (vermutlich aus den beschriebenen Gründen wie dem Reputationsgefälle zwischen Forschung und Lehre).

So befasst sich ein Team um den Leiter des ZHB der Uni Dortmund seit längerem mit den Effekten von Anreizsystemen in der Lehre, was für deren (Weiter-)Entwicklung sicher hilfreich wäre (siehe z.B. Artikel in www.researchgate.net/publication/301608280). Darüber hinaus gibt es an der Uni Kassel ein Forschungsprojekt, was sich mit den Wirkungen ...

#3 -

Bettina Jorzik | Do., 27.04.2017 - 18:37
Mag sein, dass die Förderung von Lehrinnovationen auch den Weg zu "Lehrverfassungen" ebnen kann. Dass Drittmittel eine harte Währung für Reputation im Wissenschaftssystem sind, dürfte kaum zu bestreiten sein - und insoweit könnten sie auch geeignet sein, immer noch bestehende Asymmetrien von Forschung und Lehre auszubalancieren. Bei der Förderung von Lehrinnovationen geht es aber zunächst und vor allem darum, die akademische Hochschullehre zu erneuern: Neue Lehr-/Lernformate und neue Prüfungsmethoden zu entwickeln, um mehr Studierenden mit vielfältigen individuellen Bildungsbiografien Studienerfolg zu ermöglichen - ohne das Niveau abzusenken - und die Absolventen auf veränderte und sich weiter verändernde Anforderungen (Stichwort: Digitalisierung) besser ...

#4 -

Klaus Diepold | Do., 27.04.2017 - 21:04
Die spontane Ablehnung der Idee einer DLG basierte vor allem wohl auf einer reflexartigen Reaktion, die durch die Diskussion um die Text von Herrn Wiarda angesprochenen "Akademie" hervorgerufen wird. Dabei waren wohl ganz andere Gedanken und Ideen unterwegs. Während die Forschungslandschaft in vielfältiger Weise durch das Wirken der DFG geprägt wird fehlt eine vergleichbare Instanz für die Lehre. Dabei geht es nicht nur um das Verteilen von Geld, sondern auch um die Etablierung von Standards und von einer gelebten Diskussionskultur über das Thema der Lehre. Die DFG wird nicht als eine staatliche Gängelungsmaschine wahrgenommen, weil die Wissenschaftler selbst das Rückgrat ...

#5 -

Daniel Lambach | Fr., 28.04.2017 - 09:52
Über viele Aspekte des Problems kann man getrost geteilter Meinung sein - siehe die Reaktionen der Hochschulleitungen. Über einen Punkt lässt sich aber nicht streiten: Es gibt zurzeit nahezu keine Infrastruktur zur Förderung von lehrbezogenen Projekten, insbesondere sobald diese mehr als eine einzige Hochschule einbeziehen. Dies umfasst nicht nur das Ausprobieren neuer Lehrformate, sondern auch die Vernetzung der Lehrenden untereinander, den Austausch und die Entwicklung einer Publikationskultur über die Lehre. Alleine für dieses Ziel wäre die Schaffung einer DLG schon ein sinnvoller erster Schritt.

#6 -

Florian Bernstorff | Fr., 28.04.2017 - 11:35
Noch ein Aspekt: Die rechtlichen Vorgaben (Lehrverpflichtungsverordnungen, Kapazitätsrecht) setzen Innovationen in der Lehre derzeit Grenzen, weil sie für Aspekte wie Digitalisierung, berufsbegleitendes und Teilzeit-Studium, didaktische Innovationen aller Art usw. oft keine ausreichende Grundlage bieten.
Auch die Regelungsdichte ist ein Unterschied zur Forschung, die bedacht werden muss, wenn es um die Stärkung der Lehre geht.

#7 -

Gabi Reinmann | Sa., 29.04.2017 - 09:24
Ich glaube nicht, dass speziell der Wettbewerb alles richten wird - im Gegenteil, denn: Wenn wir Studiengänge, Module, Lehrveranstaltungen "besser" machen wollen, kann das nur eine gemeinsame Anstrengung sein, eine, die Kultur und Selbstverständnis von lehrenden und forschenden Wissenschaftler(gemeinschaften) verändert. Und in der Tat - da stimme ich Florian Bernstorff zu - braucht didaktische Fantasie auch einen Spielraum, und der ist enger geworden in den letzten Jahren: durch administrative und rechtliche, mitunter leider auch technische Vorgaben, und ich fürchte, mit den immer mehr werdenden Strategien (Digitalisierungsstrategien, Lehrstrategien) wird das nicht besser werden. Reicht uns denn die Wissenschaft als Leitbild und ...

#8 -

tutnichtszursache | Sa., 29.04.2017 - 20:19
Mein Ausgangspunkt: Lehre zu fördern, ist besser, als Lehre nicht zu fördern. (Klingt trivial, ist es aber nicht.)

Daher sind alle Initiativen zur Stärkung der Lehre zunächst einmal positiv. Wie immer und so auch hier, kommt es auf die Ausgestaltung an, die wiederum dann gelingen kann, wenn man von einer hinreichend zutreffenden Situationsanalyse ausgeht. M.E. sind für die Lehre zwei Aspekte zentral:

1) Lehre ist eine Daueraufgabe und viel weniger als die Forschung projektförmig und projektgeeignet. (Dies lässt sich am besten über lehrorientierte Dauerstellen erreichen, die es an den Fachhochschulen in Gestalt der Professuren gibt, an den Universitäten ist die ...

#9 -

Klaus Diepold | So., 30.04.2017 - 17:21
@tutnichtszursache (Schade dass der Kommentar anonym ist)



Sicher weist Lehre andere Charakteristika auf, als Forschung. Die von Ihnen angeregten Bereiche, d.h.

* die Schnittstellen zu Verwaltungen, Prüfungsämtern etc. wohldefiniert sind und laufend gepflegt werden,

* ein Campusmanagementsystem reibungsarm und nutzerfreundlich funktioniert etc.



ließen sich mit entsprechenden Umstellungsprojekten realisieren, die meist von zusätzlichen Mitteln und Ressourcen profitieren.

#10 -

Jörg Härterich | Di., 02.05.2017 - 20:09
Gerade jetzt wäre ein sehr guter Zeitpunkt, um der Entwicklung der Hochschullehre in Deutschland durch eine Organisation à la "Deutsche Lehrgemeinschaft" eine dauerhafte Plattform zu geben. Durch die Anstrengung verschiedener Stiftungen (Bündnis Lehre^n, Stifterverband,...) und durch den Qualitätspakt Lehre wurden in den letzten Jahren viele neue, spannende Projekte entwickelt und evaluiert. Dadurch hat auch die Vernetzung unter den an der Lehre interessierten Kolleg/inn/en stark zugenommen.

Es hat sich dabei gezeigt, dass der Austausch von Expert/innen aus der Hochschulentwicklung, der Hochschuldidaktik und den Fachwissenschaften sehr inspirierend für alle Seiten sein kann. Ich habe selbst erlebt, dass auch die damit verbundene Wertschätzung ...

#11 -

IchMagdie Lehre | Sa., 13.05.2017 - 18:10
Ich würde tutnichtszursache gerne zustimmen und seinen Gedanken erweitern.

Selbst gehöre ich zu denen, die es "ins System" geschafft hat. Sicher mit Leistung in der Forschung, aber die Lehre war mir immer ein Anliegen. Auch lehre ich unter paradiesischen Bedingungen: Baden-Württemberg mit vielen Mitteln "gute Lehre" zu fördern und einer Institution mit Didaktikzentrum und einem Stolz auf gute Lehre. Nichtsdestotrotz sehe ich die Idee, gute Lehre wie gute Forschung positiv, aber ich glaube nicht, dass dieses das Problem löst.



Lehren tun (fast) alle. Eine Ausbildung wie man lehrt hat (fast) keiner. Angebote seine Lehre zu verbessern gibt es oft. Aber ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Ach, der Brexit

Ach, der Brexit

Die TU Dresden und ihre Partner eröffnen eine Wissenschaftsschau in der Londoner Innenstadt. Rektor Hans Müller-Steinhagen über Dresdens Imageprobleme, eine besondere Partnerschaft und die Frage, wie Wissenschaft  an die normalen Leute herankommt.


  • Wir müssen das konfrontative Denken hinter uns lassen

Wir müssen das konfrontative Denken hinter uns lassen

Thüringens neues Hochschulgesetz ebnet den Weg zur Viertelparität. Wissenschaftsminister Tiefensee widerspricht Vorwürfen, das sei Symbolpolitik, und sagt, warum er nur dieses Modell für demokratisch hält.


  • Wann kommt der Masterplan Lehramtsstudium?

Wann kommt der Masterplan Lehramtsstudium?

Jedes Bundesland geht seinen eigenen Weg, die Hochschulen stricken munter Studienmodelle – und wo bleibt die Koordination? Was für Ärzte möglich ist, sollte auch bei künftigen Lehrern funktionieren.