Luft nach oben
Mit ihrem "Gute-Kita-Gesetz" spült Familienministerin Franziska Giffey Milliarden in die Kinderbetreuung. Das macht diese nicht zwingend besser.

Im "Arbolitos" in Berlin-Baumschulenweg scheint die Kita-Krise weit weg zu sein. Foto: JMW
LIONEL MESSI IST sauer. Man sieht es ihm an, wie er durch das Zimmer stapft, vorbei an dem Spielzelt aus Holz, am Tisch mit den malenden Mädchen, hinüber zu der Pinnwand mit den Fotos. Er spuckt dem schmächtigen Jungen, der dort auf dem Teppich sitzt, ins Gesicht, dann beugt er sich kurz runter, greift ein paar Bauklötze und wirft sie quer durch den Raum. Er geht noch ein paar Schritte, bis plötzlich ein Mädchen zu schreien anfängt. Er ist ihr auf die Hand getreten.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte manche Erzieherin genug. Sie würde aufspringen, zu dem Vierjährigen im argentinischen Nationaltrikot hasten und schon unterwegs mit dem Schimpfen anfangen. Nicht so Sabrina Ruß, 32, Leiterin der Kita "Arbolitos". Zuerst geht sie zu Madelina*, fünf Jahre, tröstet sie. Dann bittet sie Bela* mit der Messi-10 auf dem Rücken, ein Kühlpad aus der Küche zu besorgen. Und schließlich, als Madelina sich beruhigt hat, hockt sie sich hin in den Schneidersitz vor Bela, blickt ihm in die Augen und fragt: "Was war los?"
An diesem Sommernachmittag in der umgebauten Altbauwohnung in Berlin-Baumschulenweg ist die Kitakrise, die viele Bildungsexperten beklagen, weit weg. "Wir haben Glück hier", sagt Sabrina Ruß. "Wir finden fast immer die Mitarbeiterinnen, die wir brauchen." Ein Glück, von dem andere nur träumen können: ...
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