Wir sind von Beginn an ein Pilotprojekt fürs deutsche Wissenschaftssystem gewesen
Die Geschichte des Karlsruher Instituts für Technologie war in seinen ersten 15 Jahren ein Auf und Ab. Jetzt gönnt die Politik dem KIT ein neues Gesetz – und Präsident Holger Hanselka verspricht, dass es jetzt erst richtig losgeht. Ein Interview.

Holger Hanselka. Foto: KIT.
Herr Hanselka, heute haben Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer das neue KIT-Gesetz vorgestellt – gerade noch auf den letzten Drücker vor der Landtagswahl im März. Hat ganz schön gedauert, oder?
Erstmal bin ich einfach froh und begeistert, dass das Gesetz jetzt kommt. Ich halte das für eine ganz große Nummer.
Ihre Begeisterung in allen Ehren. Vor allem war es ja doch eine zähe Angelegenheit: Das Kürzel KIT gibt es seit 15 Jahren. Das "Gesetz zur Zusammenführung der Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe im Karlsruher Institut für Technologie", kurz "KIT-Gesetz", ist von 2009. Schon als Ende 2014 das Grundgesetz geändert wurde, mit neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Bund und Ländern, hatte man Ihnen eine baldige Gesetzesnovelle in Aussicht gestellt. 2018, als Sie für Ihre zweite Amtszeit wiedergewählt worden waren, haben Sie dann gesagt, Sie hätten mit mehr Euphorie auf Seiten von Bund und Land gerechnet. Und Sie fügten hinzu: Es habe sehr lange gedauert, die Ministerinnen überhaupt mal gemeinsam nach Karlsruhe zu holen.
Wissen Sie, als Wissenschaftler und als KIT-Chef steht ein hohes Maß an Geduld und Zähigkeit in meiner Dienstbeschreibung, auch wenn es meine Hauptaufgabe ist, Dinge voranzutreiben. Das entspricht auch meinem Naturell. Aber ja, es war ein ganz schöner Weg und im Sinne Ihrer Eingangsfrage eine Punktlandung. 2006 war der Name "KIT" nicht mehr als der Projekttitel der gemeinsamen Bewerbung von Forschungszentrum und Universität bei der Exzellenzinitiative. Unseren Geburtstag als "ein KIT", wie wir uns seit der Fusion gern nennen, hatten wir mit dem Gesetz von 2009. Aber es gab weiterhin rechtliche Hürden, woran auch eine Gesetzesänderung von 2012 nichts signifikant ändern konnte .
HOLGER HANSELKA, 59, ist Maschinenbauingenieur und seit 2013 Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Gleichzeitig ist er Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft, zu der das ...
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