Große Wissenschaftsorganisationen protestieren gegen BILD-Berichterstattung
Einzelne Forschende öffentlich an den Pranger zu stellen, sei "diffamierend", "in keiner Weise akzeptabel" und "gegen die Grundprinzipien unserer Demokratie", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat.
ES IST EIN ZWISCHENRUF, den es so noch nicht gegeben hat. Inhaltlich nicht, und auch nicht in solch einer Geschwindigkeit. Alle großen deutschen Wissenschaftsorganisationen haben heute Mittag in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Berichterstattung der BILD in Zusammenhang mit der Corona-Krise protestiert.
"Dass und auf welche Weise hier einzelne Forscherinnen und Forscher zur Schau gestellt und persönlich für dringend erforderliche, aber unpopuläre Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung verantwortlich gemacht werden, ist... diffamierend", schreiben die in der sogenannten "Allianz" zusammengeschlossenen Wissenschaftsorganisationen. Zudem, fügen sie hinzu, könne eine solche Form der Berichterstattung zu einem Meinungsklima beitragen, das an anderer Stelle bereits zu Gewalt oder Gewaltdrohungen gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geführt habe.

Konkret richtet sich der Protest gegen den Beitrag "Die Lockdown-Macher", den Deutschlands größte Boulevard-Zeitung am Sonnabend veröffentlicht hatte. Unter der anklagenden Überschrift wurden drei Forschende präsentiert, dieses "Experten-Trio", formulierten die BILD-Redakteure darunter, "schenkt uns Frust zum Fest."
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