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Exzellente Krise

Die Berlin University Alliance stoppt Dutzende Stellenbesetzungen und macht dafür das umstrittene Hochschulgesetz verantwortlich. Der Konflikt um den Exzellenzverbund trifft die Wissenschaftsszene der Hauptstadt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

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Artikelbild: Exzellente Krise

Hochfliegende Pläne: Screenshot der Website der Berlin University Alliance .

DIE AUSSICHTEN WAREN HERVORRAGEND. Die Fachgutachter hatten schon ihre positiven Empfehlung ausgesprochen, das Bewilligungsverfahren stand für mehrere junge Wissenschaftler kurz vor dem Abschluss. Gespannt warteten sie auf die finale Förderentscheidung: Würden sie ihre Forschungsprojekte starten und sogenannte Nachwuchsgruppen gründen können? Finanziert von der Berliner University Alliance (BUA), dem Exzellenzverbund, der sich laut Selbstbeschreibung das Ziel gesetzt hat, "als treibende Kraft einen gemeinsamen integrierten Forschungsraum zu gestalten und damit Berlin als einen Wissenschaftsstandort weiter zu entwickeln, der zur internationalen Spitze zählt".

Doch dann bekamen sie alle Post aus der BUA-Verwaltung: Die sie betreffenden Ausschreibungen müssten abgebrochen werden. Grund sei der Paragraph 110 des reformierten Hochschulgesetzes, der die Einrichtung von Dauerstellen für Postdocs verlange. "Deshalb hat das Board of Directors entschieden, dass sowohl Postdoc-Stellen als auch Nachwuchsgruppen nicht über BUA-Mittel finanziert werden können, weil diese nur für eine befristete Zeit zur Verfügung stehen und insofern nicht geeignet sind, dauerhafte Positionen von Postdocs zu finanzieren."

Sabine Kunst sagt, ihr täten "die jungen Leute furchtbar Leid. Da sind persönliche Härtefälle dabei." Kunst, die bis Ende des Jahres Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität (HU) und noch ebenso lange Sprecherin der Berlin University Alliance ist, bestätigt: "Die BUA stellt zurzeit keine Postdocs und Nachwuchsgruppen mehr ein. Alle entsprechenden Ausschreibungen und Stellenbesetzungen wurden gestoppt."

Kunst: "Gravierende Auswirkungen auf die Berliner Exzellenz-Chancen"

Insgesamt gab es bei der BUA zuletzt zwölf laufende oder angekündigte Ausschreibungsverfahren mit einem Umfang von mehreren Dutzend Wissenschaftler-Stellen.

Aus Protest gegen das neue Hochschulgesetz hatte Kunst im Oktober ihren Rücktritt angekündigt , jetzt sagt sie: "Da war mir bereits bewusst, welche gravierenden Auswirkungen das Gesetz auf die BUA und die Berliner Exzellenz-Chancen haben wird."

Kunst beschreibt den Sachverhalt so: Die Vorgabe des neuen Hochschulgesetzes, Postdocs nur noch auf Dauerstellen einzustellen, gelte für alle Haushaltsmittel. Gleichzeitig habe die Bundesregierung "auf ausdrücklichen Wunsch der Länder" die Mittel für die zweite ExStra-Förderlinie, über die der BUA-Verbund gefördert wird, ...

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Kommentare

#1 -

David J. Green | Mo., 20.12.2021 - 17:29
Bisher hatte ich viel Verständnis für die Berliner Unis und Frau Kunsts Rücktritt: aber der pauschale Abbruch der Besetzungsverfahren zur Nachwuchsgrupppenleitung (NWG) beunruhigt mich sehr. NWGs stehen mit ganz oben in der Postdoc-Hierarchie, in Thüringen darf man sie ohne Ausschreibung auf eine Professur berufen. Gerade bei den NWGs müsste eine strategisch denkende Uni-Leitung bereit sein, nötige Risiken einzugehen. Diese Verfahren einzustellen, wirft die Frage auf, was wichtiger ist: das Konflikt mit einem unverantwortlichen Abgeordnetenhaus, oder die Zukunft der Universität.



Herrn MdA Schulzes Äußerung „prinzipiell ganz klar Drittmittel“ weckt den Eindruck, dass R2G/RGR die Trennung von Legislative und Judikative nicht begreift: ...

#2 -

Gerhart Niemöller | Mo., 20.12.2021 - 17:40
Man findet eine sehr lehrreiche Geschichte der Humboldt-
Uni Berlin über die Jahre 1945-1990 aus dem Jahre 2010.
Um eine derartige Institution ernsthaft zu beschädigen, da
benötigt man schon den ganzen "Tiefgang" Gesamt-Berliner Politik. So dilettantisch kann man doch gar keine Exzellenz
betreiben. Da hilft auch keine "Kunst".

#3 -

Django | Di., 21.12.2021 - 13:44
Einerseits ist die BUA eine Beutegemeinschaft. Andererseits aber, so hört man immer wieder, ein Versuch, die feuchten Träume mancher Sozialdemokraten zur Bildung der einen "Berliner Universität" zu unterlaufen. Solche Bestrebungen gab es in der Lehrerbildung ("Berlin School of Education"), und solche Fusionsbestrebungen werden auch für die Universitäten als Ganzes so manchem SPD-Menschen nachgesagt.
Insofern ist die BUA eine "Flucht nach vorn" gewesen.

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