Direkt zum Inhalt

Schule umgekrempelt

Nach der Pandemie ist vor der Bildungsrevolution: Die Vorzeigeschule Louisenlund macht ihre Lehrpläne radikal digital. Ein Vorbild für andere Schulen?

Bild
Artikelbild: Schule umgekrempelt

Haupthaus von Schloss Louisenlund . Foto: Matthias Süßen / CC BY-SA.

AUF LOUISENLUND SAGEN EINIGE, es sei die Zeit ihres Lebens gewesen. Die Wochen, als sie das Gelände nicht verlassen durften. Als draußen die Schulen

geschlossen waren, aber hier drinnen im Internat das Leben weiterlief – fast so, als gäbe es keine Pandemie. Mit vollem Unterricht, mit Sport und Segeln, mit Fußballturnieren am Wochenende. "Wir haben unsere eigene Blase gebildet", sagt Peter Rösner, der Schulleiter des Internats im hohen Norden. "Nach der Ankunft zwei Wochen Quarantäne für jeden, Schüler wie Lehrer, dann das ganz normale Schulleben."

Soweit man das, was das Schulleben auf dem weitläufigen Parkgelände direkt am Ufer der Schlei ausmacht, als normal bezeichnen will. Ein weiß getünchtes Schloss aus dem späten 18. Jahrhundert, davor die Sonnenuhr und der Bootsanleger, drum herum gruppieren sich Sportplätze und die Gebäude zum Wohnen und Lernen. Eine staatlich anerkannte Privatschule in Schleswig-Holstein, die man früher als Landerziehungsheim bezeichnete. Vor allem für die Kinder aus reichen Familien.

Keine Klassen mehr

Doch ist das nur der eine Teil der Geschichte von Louisenlund. Der andere ist, dass die 1949 gegründete Schule von Anfang an als Reformprojekt geplant war, das Unterricht anders denken wollte als in den Nachkriegsjahren üblich. Frei von Drill und kindzentrierter. Als Kombination von Bildung und Erziehung. Unterstützt vom Salem-Gründer Kurt Hahn, der als Vordenker der Erlebnispädagogik gilt.

70 Jahre später schickt sich Louisenlund erneut an, die Schule der Zukunft auszuprobieren. "So sehr wir in der Pandemie gemerkt haben, dass es ohne Präsenzunterricht nicht geht", sagt Schulleiter Rösner, "so sehr sind wir davon überzeugt: Unterricht wie vor der Pandemie, das geht auch nicht mehr."

Darum wird Louisenlund vom kommenden Schuljahr an das Klassenprinzip ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Michael Liebendörfer | Do., 21.04.2022 - 22:45
Ein schöner Beitrag, vielen Dank.



Digitalisierung ist überall, Geld spielt keine Rolle, damit habe ich kein Problem. Etwas ignorant oder auch arrogant klingt mir allerdings, die scheinbar so leicht zu realisierende Voraussetzung für dieses Modell, dass "die Schulleitung es schafft, das Kollegium, die Eltern und die Schüler dafür zu begeistern".

Ich habe in einer Gesamtschule mit Lernbüro-Modell unterrichtet. Da gibt es reichlich Kinder, die nicht ihr Lernen selbst in die Hand nehmen, sondern sich vor dem Lernen bestmöglich verstecken. So ein Hauch Begeisterung ist in eine Elite-Schule einfach leichter zu bringen, als in eine Gesamtschule für eher abgehängte Schichten, wo ...

#2 -

Django | Fr., 22.04.2022 - 17:24
Louisenlund kostet zwischen 15.000 und 21.000 € im Jahr - ohne Internat. Herr Handke meint zwar, dass dies nicht der relevante Faktor sein. Denke aber doch: Eltern, die derartige Beträge aufbringen, haben eine gewisse Motivation, zum Gelingen beizutragen. (Manche jedenfalls, andere sehen sich wahrscheinlich mit Absenden der Überweisung aller Pflichten ledig.)

#3 -

McFischer | Do., 28.04.2022 - 15:14
Schöner Beitrag, der zum Denken anregt.
@Django: Vielleicht ist die Finanzierungsform wirklich gar nicht so relevant. Staatliche Schulen kosten ja auch (viel) Geld, nur zahlen es nicht die Eltern, sondern der Staat. Und ich habe in meinem Leben manchmal gesehen, dass die kindbezogenen Institutionen (Kita, Krippe, Schule...) mit 'schwierigerem Klientel' oftmals didaktisch weit engagierter und besser waren, als diejenigen, wo es (angeblich) nur "Kinder aus gutem Hause" gab.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: 1,8mal so hohe Chancen auf ein Spitzenabitur

1,8mal so hohe Chancen auf ein Spitzenabitur

Mädchen sind besser in der Schule als Jungen, sie machen häufiger Abitur, und sie erzielen im Mittel den weitaus besseren Abischnitt. Was das für die Studienfachwahl bedeutet, hat Christoph Müller untersucht. Ein Interview.


  • Artikelbild: Respekt ist mehr als ein Schulterklopfen

Respekt ist mehr als ein Schulterklopfen

Vergangene Woche habe ich kritisch über die Schüler-Petition "#WirWerdenLaut" geschrieben, die Wechselunterricht und eine Aussetzung der Präsenzpflicht fordert. Ich erntete Entrüstung und Hass. Eine Reaktion.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Wer redet da eigentlich?

Ein Offener Brief von über 100 Schülervertretern macht Furore. Sie fordern stärkere Hygienemaßnahmen in den Schulen und kritisieren, dass die Politik ihnen nicht zuhöre. So öffentlichkeitswirksam die Aktion ist, inhaltlich sind die verbreiteten Narrative zum Teil wenig überzeugend – und kommen einem bekannt vor.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Massiv gegensteuern

Massiv gegensteuern

Der Bildungsforscher Olaf Köller über Lernrückstände nach der Pandemie, Versäumnisse der Kultusminister, das Corona-Nachholprogramm und den gemeinsamen Kampf um die nächste Generation von Bildungsverlierern.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Hamburg führt 3G an Schulen ein, Berlin verlängert Testpflicht bis Juni

Die Bildungsbehörde reagiert damit auf eine Gerichtsentscheidung, will die Testpflicht für Ungeimpfte aber bis auf Weiteres beibehalten. Das tut sonst nur noch Berlin.


  • Teilzeit für Lehrkräfte muss die Ausnahme sein

Teilzeit für Lehrkräfte muss die Ausnahme sein

Mangelfächer an Schulen, Ukraine-Flüchtlinge: Der Lehrkräftemangel ist eklatant und doch arbeiten viele in Teilzeit. Die Politik sollte deren Gewährung stärker von zwingenden dienstlichen Gründen abhängig machen.