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Die Geschichte von Marie und Noah

Bildungsbiographien in Deutschland: eine ganz reale Fiktion. In einer Kurzgeschichte als Gastbeitrag von Thomas Müller.

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Artikelbild: Die Geschichte von Marie und Noah



Illustration: Andres Romero / Pixabay.

Marie und Noah besuchen denselben Kindergarten. Im Vorschuljahr lernen sie über mehrere Wochen hinweg die Zahlen von "1" bis "9" kennen und malen jede Zahl auf einem großen vorgedruckten Blatt bunt aus. Sie zählen von eins bis neun, was den Kindern in der Gruppe unterschiedlich gut gelingt. Manche Kinder können schon bis zwanzig zählen, wenige sogar bis fünfzig oder hundert. "Malen nach Zahlen"-Vorlagen gibt es sehr oft. Manchmal sollen sie aus einer Menge ähnlich aussehender Figuren die gleichen heraussuchen. Aber die meiste Zeit im Kindergarten ist zur freien Verfügung. Eines Morgens fragt Maries Freundin ihre Erzieherin: "Müssen wir heute schon wieder machen, was wir wollen?".

 

Als Marie eingeschult wird, freut sie sich darauf, endlich richtig rechnen zu lernen. Sie weiß von ihren Eltern und ihrer älteren Schwester, dass Rechnen Spaß macht und im Leben der "Großen" wichtig ist. Maries Eltern haben eine Grundschule mit jahrgangsübergreifendem Unterricht ausgesucht, in der eine Klasse jeweils zu gleichen Teilen aus allen vier Jahrgängen besteht. Wenn Marie in der Freiarbeit eine Mathematikaufgabe nicht versteht, kann sie sich an ihre Patin aus der dritten Jahrgangsstufe wenden, die ihr hilft. Marie bearbeitet Aufgaben in der Regel selbstständig und in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Ihre Klassenlehrerin schafft es meistens, jeden Tag alle Aufgaben durchzusehen, den Kindern individuelles Feedback zu geben und verschiedene Lösungswege zu thematisieren. Wenn Marie bei ihren Hausaufgaben nicht weiterweiß, fragt sie ihre Schwester oder die Eltern und findet zu Hause immer Unterstützung beim Üben.

"Ich wollte die Lehrerbildung nicht nur rein systemisch betrachten"

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Artikelbild: Die Geschichte von Marie und Noah

Herr Müller, Sie haben für den Wissenschaftsrat als federführender Referent die Arbeitsgruppe betreut, in der die im Juli 2023 beschlossenen " Empfehlungen zur Lehramtsausbildung im Fach Mathematik " vorbereitet wurden. Nebenher haben Sie privat diese fiktive Kurzgeschichte über Marie und Noah verfasst, warum?

 

Ich wollte die Lehramtsausbildung nicht nur rein systemisch betrachten, sondern ganz bewusst zugleich auch aus der Perspektive der Lernenden. Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht: vor allem zu (potenziellen) ...

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Kommentare

#2 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 25.09.2024 - 19:35
Das ist zwar eine nette Geschichte, aber der Autor macht in einem Punkt doch einen (gespielt?) naiven Eindruck:

"Als Lehramtsanwärterin im Referendariat amüsiert sich Marie oft: Fachleiterinnen und Fachleiter stellen in ihren Unterrichtsbesuchen dieselben praxisfernen Ansprüche und erzeugen dieselben unrealistischen Vorführstunden, wie sie sie noch aus ihrer eigenen Schulzeit erinnert."

Nach allem, was man hört, könnten die Aussagen über die Referendarausbilder durchaus stimmen, aber Referendare, die es irgendwie anders machen wollen, die haben NICHTS ZU LACHEN, das ist überhaupt nicht "amüsant". Es gibt Berichte über die "schrecklichste Zeit des Lebens" (die Referendarzeit), über autoritäre Referendarausbilder, über didaktische Modeströmungen (alle 5 ...

#3 -

Christiane | Mi., 25.09.2024 - 20:14
Vielen Dank für dieses schöne neue Format! Ich gehe zwar davon aus, dass es nicht so gemeint ist, aber schade finde ich nur, dass eine Berufsausbildung als eine Art Versagen der Schule bzw. in Schule erscheint. Das Phänomen fällt mir oft bei der Diskussion um Studium auf. Ich habe einige Freunde, für die wäre eine Ausbildung viel erfüllender gewesen, einige haben sich sogar mit über 40 noch dafür bzw. für die "Erwachsenenvarianten" entschieden. Eine Berufsausbildung sollte nicht auf eine unvermeidbare Alternative zu dem eigentlich erstrebenswerten Studium reduziert werden. Sie ist ein Bildungsweg, der genau den Interessen, Kompetenzen und Wünschen der ...

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