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Ohne Finanzierung kein Programm

Warum es jetzt ein Bund-Länder-Programm für den Mittelbau braucht. Ein Gastbeitrag von Laura Kraft.

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Artikelbild: Ohne Finanzierung kein Programm

Laura Kraft (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit 2021 Mitglied des Bundestages und Obfrau im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Bild: Stefan Kaminski.

DIE ARBEITSBEDINGUNGEN in der Wissenschaft stehen seit Jahren im Zentrum intensiver Debatten. Besonders besorgniserregend ist die Lage im wissenschaftlichen Mittelbau, wo befristete Verträge und unsichere Karrierewege die Norm sind. Karrierewege an Hochschulen sind oft intransparent und zu starr auf eine Professur ausgerichtet, die für einen Großteil nicht erreichbar und auch nicht immer das persönliche Ziel ist.

Die Lösung ist klar: Es braucht unbefristete Stellen neben und unterhalb der Professur, die sicher ausfinanziert sind. Dass es hier struktureller Veränderungen bedarf, zeigt nicht zuletzt die aufreibende Diskussion um die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG). Genau deshalb haben die Abgeordneten der Koalitionsfraktionen bereits im vergangenen Herbst mit einem Maßgabebeschluss des Haushaltsausschusses ein Bund-Länder-Programm für den Mittelbau vereinbart.

Ein zentraler Aspekt ist die Verankerung des Bund-Länder-Programms im Haushalt 2025 mit konkreten Mittelzusagen. Bis spätestens September muss ein entsprechendes tragfähiges Konzept seitens des BMBF vorgelegt werden. Der Maßgabebeschluss des Parlaments bietet hierfür eine Grundlage. Jetzt ist es aber auch am BMBF, eine entsprechende Finanzierung ...

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Kommentare

#1 -

Michael Liebendörfer | Mi., 14.08.2024 - 09:48
Der richtige Impuls, nur wird das BMBF diesen Text vermutlich nicht lesen.

Nebenfrage: warum spricht man von "steilen Hierarchien"? Es gibt WiMis und darüber nur eine Ebene, die zählt. Was "oberhalb" der Profs in Dekanaten oder Präsidien passiert, ist mangels Weisungsbefugnis in Regelfall egal. Wir haben extrem flache Hierarchien, weniger als zwei Ebenen kann man kaum machen.

#2 -

Tim | Mi., 14.08.2024 - 17:09
@Michael Liebendörfer

"Steil" ist eventuell tatsächlich nicht der richtige Begriff. "Flach" aber auch nicht. Beides beschreibt Prototypen von Organisationsformen mit unterschiedlicher Tiefe der Hierarchien, die gewisse Formen der Verantwortungsaufteilung und Selbständigkeit der beteiligten Personen nahelegen.

Sie bedingen diese aber nicht zwingend, wofür das ein gutes Beispiel ist.

Die klassische Lehrstuhlstruktur ist zwar hierarchisch nicht tief, aber trotzdem ausgesprochen autoritär und linear.

#3 -

Wolfgang Kühnel | Do., 15.08.2024 - 14:44
Frau Kraft ist selber wiss. Mitarbeiterin im Bereich Literaturwissenschaft und ist vermutlich für ihr Abgeordnetenmandat beurlaubt. Eine Dauerstelle für sie käme einer Absicherung gleich, falls ihre politische Karriere endet. "Unsichere Karrierewege": Politische Karrieren sind noch weniger planbar, alle Ämter sind nur befristet, nicht einmal der Bundestagspräsident hat als solcher eine Dauerstelle. Müssten wir da nicht auch "sichere Beschäftigungsverhältnisse" schaffen?

Was das Institut für Philosophie der HU Berlin betrifft, so ist das KEIN Vorreiter. Der Fachbereich Mathematik der TU Berlin hatte schon in den 1970er Jahren die Bindung der Mitarbeiterstellen an die Professuren aufgehoben und einen Stellenpool geschaffen, Gelder wurden zentral ...

#4 -

Nikolaus Bourdos | Mi., 21.08.2024 - 17:27
Die gesamte Diskussion rund um IchbinHanna findet unter falscher Prämisse statt: Dass Wissenschaftseinrichtungen wegen einer "Planbarkeit" von Karrieren dafür herhalten müssen, mehr

Dauerbeschäftigungen unterhalb der Professur zu schaffen. Warum? Es hat noch keiner geschafft, mir hierauf eine überzeugende Antwort zu geben. Und von den kontinuierlich sinkenden Studentenzahlen, die dies ggf. erforderlich machten, haben wir noch gar nicht gesprochen.



Letztlich spräche im Sinne dieser Logik auch nichts dagegen, allen, die studiert haben, an "ihrer" Universität einen Job zu geben. Zugegeben, etwas extrem, aber dort lande ich gedanklich, wenn ich die IchbinHanna-Logik weiterspinne.



Die Junge Akademie hatte 2013 das sehr kluge Positionspapier ...

#5 -

Tim | Fr., 23.08.2024 - 15:22
@Nikolaus Bourdos

In dem Zusammenhang wäre es sicher sinnvoll, auf den Debattenbeitrag der AG Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie von 2017 hinzuweisen (Departments statt Lehrstühle: Moderne Personalstruktur für eine zukunftsfähige Wissenschaft), in dem viele der Probleme des Papiers von 2013 aufgearbeitet und neu beleuchtet worden sind.

Die logischen Lücken und teilweise schlecht belegten Behauptungen aus 2013 sind hier ausgebügelt und die angedachten neuen Strukturen m.E. nach deutlich robuster aufgestellt und besser argumentiert.

Wie ich finde, steht das Papier von 2017 auch deutlich näher an #IchBinHannah, was aber eventuell daran liegt, dass sich Meinungen und Konzepte um Misstände zu ändern eben auch ...

#6 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 30.08.2024 - 22:02
Die Personalstruktur in "Departments" ist doch nichts neues. Manche neu gegründete Universität (z.B. Bremen, Flensburg) hat das von vornherein so eingeführt, andere haben später ihre Lehrstuhlstruktur partiell (also in einzelnen Fakultäten) abgeschafft. auch die Pädagogischen Hochschulen in BaWü haben offenbar eine solche Struktur.



Aber können die Kommentatoren #4 und #5 Indizien angeben, inwiefern das zu einer effizienteren Forschung geführt hat? Denkbar ist auch eine verstärkte Bürokratisierung mit wissenschaftsfremden Kriterien. Beispiel: Bei der Einstellung eines wiss. Mitarbeiters zur Promotion muss der Personalstelle ein detaillierter Promotionsplan vorgelegt werden, mit Zeitangaben, wann was getan werden wird, und die Personalstelle muss das vom Personalrat ...

#7 -

Nikolaus Bourdos | Mi., 04.09.2024 - 16:51
@Tim: Danke für den Hinweis!



@Wolfgang Kühnel

Eine effizientere Forschung durch Department-Strukturen erzielt man am ehesten in der Hinsicht, dass Ressourcen besser gepoolt werden können, sodass vor allem große Geräte nicht mehrfach beschafft werden (das kriegt man freilich, mit einiger Anstrengung, auch anders hin).



In Bezug auf den Kontext des Beitrags schafft eine Department-Struktur aber eine bessere Voraussetzung dafür, individuelle Abhängigkeiten zu minimieren. Wobei die Struktur für sich genommen kein Garant für ein Gelingen ist.

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