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"Sie haben die Wendung zum Guten vergessen"

Eine volldigitale, nutzerfreundliche und selbst bei Extrembelastung stabile Hochschulzulassung made in Germany – geht das? Ja, sagt Holger Burckhart, der seit vielen Jahren die Reform der früheren ZVS vorantreibt. Ein Gespräch über bürokratisches Beharrungsvermögen, das Schrauben an der neuen Software – und das nötige Commitment der Politik.
Porträtfoto Holger Burckhart

Holger Burckhart, 68, war Professor für Anthropologie und Ethik in den Rehabilitationswissenschaften in Köln und zwischen 2009 und 2023 Rektor der Universität Siegen, zwischen 2012 und 2018 zusätzlich Vizepräsident für Lehre und Studium der Hochschulrektorenkonferenz. 2019 übernahm er den Vorsitz des Stiftungsrats der Stiftung für Hochschulzulassung. Foto: privat.

Herr Burckhart, die Geschichte der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) – besser bekannt unter ihrem Markennamen "Hochschulstart", noch besser unter ihrem vor 15 Jahren abgelegten Kürzel "ZVS" – ist eine Geschichte der Krisen, Pannen und bürokratischer Selbstblockaden. Eine zutreffende Beschreibung?

Stark verkürzt und einseitig, in Teilen aber trotzdem zutreffend. Sie haben nur die Wendung zum Guten vergessen.

Ist die denn schon passiert? Wenn ich es richtig sehe, hat der Stiftungsrat, in dem Vertreter von Hochschulen und Landeswissenschaftsministerien sitzen, schon 2020 beschlossen, die Software des Hochschulstart-Portals von Grund auf zu erneuern. Weil das bisherige System der Online-Studienplatzvorgabe, das DOSV 1.0, nach Aussage von IT-Experten nicht mehr zu retten war. Fünf Jahre später ist die Softwareentwicklung mit dem Arbeitstitel DOSV 2.0 immer noch nicht abgeschlossen, nach diversen Verzögerungen heißt es jetzt: 2027 soll es losgehen.

Sie wissen, dass die ehrliche Bestandsaufnahme 2019 überhaupt nur zustandekam, weil die damalige Brandenburger Wissenschaftsstaatssekretärin Ulrike Gutheil und ich als Stiftungsratsvorsitzende darauf gedrängt haben, dass wir technisch endlich reinen Tisch machen. Gleichzeitig haben wir einen Wechsel in der SfH-Geschäftsführung eingeleitet…

"Eine wirkliche Digitalisierung der Hochschulzulassung kann nicht funktionieren, 

wenn dahinter immer noch eine frühere Behörde sitzt, 

in der die Leute die Akten hin und herschieben."

…Geschäftsführer war damals immer noch der frühere ZVS-Direktor Ulf Bade…

…weil für uns offensichtlich war, dass wir den technischen Neuanfang nur zusammen mit einem Neuanfang in der Governance hinbekommen. Eine wirkliche Digitalisierung der Hochschulzulassung kann nicht funktionieren, wenn dahinter immer noch eine frühere Behörde sitzt, in der die Leute die Akten hin und herschieben. Wir mussten also ...

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Kommentare

#2 -

Wolfgang Kühnel | Di., 22.04.2025 - 19:47
Ich vermisse den Hinweis auf dieses hier: https://www.jmwiarda.de/2020/09/28/wieder-Ärger-um-hochschulstart-de/ Dort wird diskutiert, was die Schattenseite dieser Art von Digitalisierung ist, nämlich Fehlermöglichkeiten und das Ausgeliefertsein gegenüber der Software. Wenn etwas schiefgeht, erklärt die Behörde, der Bewerber sei selbst schuld. Wir haben auch bei der kürzlichen elektronischen Grundsteuererklärung Erfahrungen gesammelt. Nach einem Hackerangriff auf die TU Berlin war diese Uni monatelang nicht imstande, Bachelor-Zeugnisse auszustellen, anderes ging vermutlich auch nicht. Wenn das bei der ZVS passiert, gibt es ein irreparables Chaos. Ich kann auch die Lobreden auf die Einführung einer weiteren ID nicht mehr hören. Bereits die jetzige Version des Bewerbungsportals von ...

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