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Der Preis der Ambiguität

Nach der Frankfurter Goethe-Universität stellt auch die Universität Ulm ihr Verfahren gegen die zurückgetretene Kieler Unipräsidentin Simone Fulda ein. Doch anstatt die Hauptbotschaft, kein nachweisbares wissenschaftliches Fehlverhalten, zu betonen, streut die Hochschule öffentlich Zweifel. Warum tut sie das?
Collage aus dem Logo der Universität Ulm und Simone Fulda bei ihrer Amtseinführung in Kiel im Oktober 2020

Logo der Universität Ulm; Simone Fulda bei ihrer Amtseinführung in Kiel im Oktober 2020.

Fotos: pxhere , CCO/CAU, Flickr. CC BY-NC-SA 2.0.

NACH DER Goethe-Universität Frankfurt hat nun auch die Universität Ulm das Verfahren gegen die frühere Kieler Unipräsidentin Simone Fulda eingestellt. Weder der Medizinerin noch ihrem früheren Mentor Klaus-Michael Debatin, gegen den in Ulm ebenfalls ein Verfahren lief, habe grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden können, teilte die Universität in einer Pressemitteilung mit. Allerdings sehe die Untersuchungskommission in beiden Fällen einen Verstoß gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis als erwiesen an.

Was wie ein Freispruch zweiter Klasse klingt, ist tatsächlich ein weiteres fragwürdiges Kapitel im Umgang mit einer Frau, die bereits den denkbar höchsten Karrierepreis für eine Vorverurteilung zahlen musste.

Fuldas Rücktritt kam

nach drei Tagen

15 Monate sind vergangen, seit Fuldas Rücktritt für Schlagzeilen sorgte . Nur drei Tage, nachdem die Kieler Lokalpresse erstmals über Vorwürfe der Datenmanipulation und gefälschter Abbildungen in Publikationen von Fulda und weiteren Wissenschaftlern, darunter Debatin, berichtet hatte. "In Verantwortung für die Universität und schweren Herzens gehe ich diesen Schritt", erklärte die damals 56-Jährige am 10. Februar 2024, nachdem sich in Rekordzeit die Dekane aller acht Fakultäten und die übrigen Präsidiumsmitglieder öffentlich von ihr abgewandt hatten. Jegliche Datenmanipulation bestritt Fulda hingegen weiter vehement.

Seitdem hatten Kommissionen an den Universitäten Ulm und Frankfurt am Main, wo Fulda zum Zeitpunkt der verschiedenen Veröffentlichungen forschte, die zuerst im Blog "For Better Science" von Leonid Schneider sowie  auf der Plattform PubPeer erhobenen Anschuldigungen untersucht, ebenso ein Gremium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

An der Universität Ulm hatte sich Fulda 2001 habilitiert und anschließend bis 2007 als Heisenberg-Stipendiatin der DFG geforscht. Von 2007 bis 2010 bekleidete sie in Ulm eine DFG-Forschungsprofessur, bevor sie nach Frankfurt wechselte.

Die dortige Goethe-Universität vermeldete bereits im Januar 2025 die Schlussfolgerungen ihrer Kommission: Die Vorwürfe der Datenmanipulation seien "unbegründet", man habe kein relevantes wissenschaftliches Fehlverhalten Fuldas festgestellt ...

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Kommentare

#1 -

Carola Jungwirth | Mo., 05.05.2025 - 13:51
Jan-Martin Wiarda hat Recht: Ein geregeltes Verfahren nach hohen wissenschaftlichen Standards muss nicht nur Fehlverhalten kompromisslos aufdecken, sondern unbedingt auch vor ungerechtfertigter Rufschädigung schützen. Um wissenschaftliche Integrität zu stärken, ist es unerlässlich, beide Aspekte mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit zu behandeln, auch im Rahmen der Kommunikation.

#2 -

McFischer | Mo., 05.05.2025 - 14:31
Danke für die differenzierte Aufarbeitung des Falles. Ich stimme zu: wissenschaftliche Integrität ist ein hohes Gut - aber es muss mit Sorgfalt, Augenmaß und Respekt behandelt werden. Es gibt zunehmend Fälle, wo es weniger um die Wahrung der Integrität geht, als vielmehr um öffentliche Kampagnen auf Basis von Mutmaßungen oder überzogenen Anforderungen.

#3 -

Nora Nordlicht | Di., 13.05.2025 - 12:13
"Der Prophet gilt nichts im eigenen Land". Bedauerlich und sehr bedenklich empfand ich persönlich, wie man hier mit Simone Fulda umgegangen ist. Es wirft ein schlechtes Bild auf Vieles, auf die Rolle der Medien, die Medienberichterstattung und natürlich auch auf die Universität an der Frau Prof. Fulda Rektorin war. Auch auf den Wissenschaftsstandortort Deutschland, wie man hier mit ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umgeht, auf die Hochschulpolitik, auf die Universitäten. Das vielleicht einzig Gute an der Sache, der Wissenschaft kommt es zu Gute, dass Simone Fulda zurückgetreten ist. Und dies ist von viel größerer Bedeutung als Hochschulpolitik und Medienberichterstattung.

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