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Was die Leseschwäche der Viertklässler mit Deutschlands Modernisierungsproblem zu tun hat

Die neue IGLU-Studie zeigt, dass Grundschüler in der Bundesrepublik erneut schlechter lesen können. Was bedeutet das?

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Artikelbild: Was die Leseschwäche der Viertklässler mit Deutschlands Modernisierungsproblem zu tun hat

Foto: Sabrina Eickhoff / Pixabay.

NEIN, DRAMATISCH sind sie nicht, die Ergebnisse der fünften IGLU-Studie, an der Deutschlands Schulen teilgenommen haben. Dramatisch nicht, dafür aber beschämend. Und ein weiterer Beleg für Deutschlands gesellschaftliche Modernisierungskrise.

IGLU steht für "Internationale Grundschul-Leseuntersuchung", sie findet alle fünf Jahre statt, rund 400.000 Kinder aus 65 Staaten und Regionen waren dabei, darunter 4.611 Viertklässler aus ganz Deutschland. Auch ihre Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen wurden befragt. Das wichtigste Ergebnis der am Dienstagmorgen veröffentlichten Studie: Wie schon 2016 liegen die deutschen Schüler mit ihrer durchschnittlichen Lesekompetenz im Mittelfeld des weltweiten Vergleichs. Allerdings mit einem statistisch signifikanten Negativtrend: Der deutsche Mittelwert von 524 liegt dieses Mal 13 Punkte unter dem Niveau von vor fünf Jahren. Und 15 unter der Ausgangserhebung von 2001. 30 Punkte entsprechen in etwa dem Lernzuwachs eines Schuljahres.

Auch anderswo ging es nach unten

Das ist nicht wenig, das ist wie gesagt auch nicht dramatisch, zumal im Vergleich zu 2016 der internationale Mittelwert ebenfalls um zwölf Punkte abgerutscht ist. Grundschulkinder konnten also im Jahr zwei der Coronakrise weltweit ...

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Kommentare

#1 -

Lehramts-Hanna | Di., 16.05.2023 - 15:14
Um die Qualität im Deutschunterricht zu verbessern muss auch die Qualität der Deutschlehrkräfteausbildung verbessert werden. - Wann ist an den Universitäten endlich Schluss mit den befristeten Stellen in der Lehramtsausbildung? Es braucht hier gut ausgebildete, promovierte Kolleg:innen mit Schulerfahrung, die sich schwerpunktmäßig guter Lehre und Forschung widmen können. Wenn aber bis zu 90% der Wiss. Mitarbeitenden befristet beschäftigt sind, und sich vor allem um den Forschungsoutput kümmern müssen, um es innerhalb der WissZVG-Zeit im Wissenschaftssystem auf eine Professur zu schaffen, bleibt gute Lehre auch im Lehramt Mangelware. Fakt ist: Die Lehrer:innen unserer Kinder werden allzu oft von unerfahrenen Masterabsolvent:innen ausgebildet, ...

#2 -

Lehramtsausbildung | Di., 16.05.2023 - 17:50
Die Lehramtsausbildung krankt nicht (nur) am fehlenden Mittelbau auf stabilen Stellen. Sie krankt sehr oft daran, dass Professor*innen ihre Lehre in keinster Weise auf die Bedarfe von Lehramtskandidat*innen ausrichten. Da wird das aktuellste eigene Spezialforschungsgebiet gelehrt, die Grundlagen fallen oft unter den Tisch. Auch daran sollte sich etwas ändern.

#3 -

Lesefaul | Mi., 17.05.2023 - 10:27
Meine Tochter ist lesefaul und liest etwas langsamer als der Durchschnitt, so dass ihr von der Grundschule die Teilnahme an einem Förderunterricht nahegelegt wurde. Dort wird weder nennenswert gelesen noch geschrieben. Der Unterricht mit 3-4 teilnehmenden Kindern beschränkt sich auf das Ausfüllen und Anmalen von Arbeitsblättern - ohne Zusammenhang mit dem, was sonst im Deutschunterricht gemacht wird. Vielleicht ein Einzelfall, wahrscheinlich aber nicht.

#4 -

Ruth Himmelreich | Mi., 17.05.2023 - 11:22
Bevor man das "Startchancen"-Programm als geeignetes Mittel bejubelt, den in der Iglu-Studie benannten Problemen abzuhelfen, sollte man vielleicht doch einen genauen Blick darauf werfen.



Ich sehe folgendes: die erste Säule, nämlich bauliche Investitionen, nützen der Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in den Brennpunktschulen nur bedingt und auch erst dann, wenn die Baumaßnahmen mal fertig sind, also in etwa fünf bis acht Jahren, wenn man das übliche Tempo öffentlichen Bauens zugrundelegt. Die Schulsozialarbeiter sind sicher allgemein gut, aber unterstützen eine Verbesserung der Lesekompetenz ebenfalls nur mittelbar. Das "Chancenbudget" ist das, was am ehesten hilft. Aber man muss zielgerichteter werden, denn es ...

#6 -

A. Köhler | Mi., 17.05.2023 - 21:08
In Deutschland wird Politik an den Bedürfnissen der Mittelschicht ausgerichtet. Eine Mittelschicht, die für ihre Kinder den sozialen Aufstieg ermöglichen will oder das erreichte soziale Niveau halten will, hat gar kein Interesse daran, die Bildungschancen sozial Benachteiligter zu verbessern. Denn das heißt größere Konkurrenz in der Schule, in der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt. Das Akademikerkind, das es nur mit viel Unterstützung von Mama und Papa und mäßig erfolgreich durchs Gymnasium schafft, sähe dann alt aus, wenn ein hochmotiviertes Migrantenkind optimale Startchancen hat. Wenn sich 20 Jahre nichts ändert und die Ungleichheit noch wächst, ist eine Ursache in den gesellschaftlichen ...

#7 -

Lehramts-Hanna | Mi., 17.05.2023 - 21:37
@Lehramtsausbildung: "Die Lehramtsausbildung krankt nicht (nur) am fehlenden Mittelbau auf stabilen Stellen. Sie krankt sehr oft daran, dass Professor*innen ihre Lehre in keinster Weise auf die Bedarfe von Lehramtskandidat*innen ausrichten."

--> Der Anteil der Lehre durch Professor:innen im Lehramt ist gering und spielt kaum eine Rolle. Bei uns am Institut z. B.: 1 Prof. (4 Lehrveranstaltungen pro Semester) und 10 WiMis - davon sind 8 befristet - (jeweils 4 bis 7 Lehrveranstaltungen pro Semester). Der Löwenanteil der Lehre im Lehramt wird vom Mittelbau geleistet, und den beschäftigt man prekär. Hier mehr und besser bezahlte Dauerstellen zu schaffen, auch um die ...

#8 -

Bibliothekarin | Do., 18.05.2023 - 09:51
Bibliotheken verschreiben sich der Leseförderung und wecken Spaß an Geschichten schon im Kindergarten. Vielleicht können Bibliotheken da noch …. Ach halt, die sind ja auch an der Leistungsgrenze und werden als freiwillige Aufgabe gern krank gespart.

#9 -

Frau Klabauter | Mo., 22.05.2023 - 11:18
Ich frage mich seit 30 Jahren, warum wir so wenig in Bildung investieren. Damals war ja der heutige Lehrermangel schon absehbar... Eine zynische Antwort wäre, dass Politiker, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, egal ist, was an den öffentlichen passiert. Ich kann es mir kaum noch anders erklären.

In den Kitas Berlins gibt es Fachkräftemangel, seit wir die Gebührenfreiheit eingeführt haben. Ein Wahlgeschenk ohne Sinn und Verstand. Es ist ein Trauerspiel...

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