Das war keine Flüchtlingskrise
Rebecca Moeti ist WHO-Direktorin für Afrika, Elhadj As Sy Chef des Internationalen Roten Kreuzes. In Berlin haben sie mit der Regierungsberaterin Ilona Kickbusch über weltweite Fluchtbewegungen diskutiert. Und sie formulieren Erwartungen an eine neue Bundesregierung.



Rebecca Moeti, Elhadj As Sy und Ilona Kickbusch (von links) trafen sich beim World Health Summit in Berlin. Fotos: Jelka von Langen
Herr Sy, wann waren Sie zuletzt in einem Flüchtlingscamp?
Elhadj As Sy: In den vergangenen drei Monaten war ich im Flüchtlingscamp Gaziantep in der Türkei, ich war in einem griechischen Lager, und ich war im größten Flüchtlingslager der Welt, in Dadaab im Norden Kenias.
Wie sieht das typische Flüchtlingslager aus?
Sy: Das gibt es nicht. Die Türkei zum Beispiel hat eine Menge investiert in Gaziantep. So schwierig die Umstände dort sein mögen, sie sind nichts im Vergleich zu Dadaab, das seit fast 30 Jahren unkontrolliert wächst und in dem das Elend unvorstellbare Ausmaße angenommen hat. Doch selbst in Dadaab ist die Situation noch besser als in vielen Dörfern und Städten, wo all jene die Flüchtlinge stranden, die es nie in ein Lager schaffen.
Die im Lager sind also die Starken, die Privilegierten?
Rebecca Moeti: Ohne Zweifel sind sie das. Wobei selbst das luxeriöste Lager nichts ändert an dem schlimmsten Verlust, den sie als Flüchtling erleiden. Sie mögen ein Dach über dem Kopf haben mit ordentlichen sanitären Anlagen und sogar einer funktionierenden ärztlichen Versorgung. Doch in den Augen der Flüchtlinge können Sie sehen, wie die Dankbarkeit sich mit der Scham vermischt, über Nacht zum Objekt geworden zu sein. Eben waren Sie noch der stolze Vater oder die Mutter, die für ihre Kinder sorgen konnten, und jetzt können Sie nicht mal mehr sich selbst versorgen. Ein Flüchtlingslager kann daher niemals die Lösung sein.
Trotzdem bleiben manche Menschen über Jahrzehnte.
Ilona Kickbusch: Aus zwei simplen Gründen. Erstens: Ihr Zuhause ist nicht mehr sicher. Zweitens: Sie haben keinen Ort, wo sie sonst hingehen könnten. Sie sind gefangen im Dazwischen.
Moeti: Und genau diese Menschen, die sich nicht mehr selbst helfen können, sind diejenigen, denen dann von ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen