Betriebliche Mitbestimmung als Forschungsgegenstand
IG Metall und DGB haben die "University of Labour" gegründet. Wie frei können Lehre und Forschung an der neuen Hochschule sein, wer wird überhaupt studieren, und wie ist das, wenn eine gewerkschaftsnahe Hochschule Studiengebühren nehmen muss? Ein Interview mit Gründungspräsident Martin Allespach.

Martin Allespach. Foto: privat.
Herr Allespach, Sie sind erster Präsident der gerade gegründeten University of Labour. Was genau ist das für eine Hochschule?
Vor allem ist es eine Hochschule, wie es sie bislang noch nicht gibt. Wir fokussieren uns auf Arbeitsbeziehungen, auf die betriebliche Mitbestimmung, auf die Berufspraxis und auf die Rolle der Beschäftigten im Betrieb. Damit schließen wir eine Lücke in der Hochschullandschaft. In einer Studie der Europäischen Akademie der Arbeit in der Goethe-Universität Frankfurt wollten wir untersuchen, welche Rolle Fragen der Mitbestimmung und der Arbeitsbeziehungen in bestehenden betriebswirtschaftlichen Studiengängen spielen. Das Ergebnis war: so gut wie gar keine. Das ist weitgehend ein blinder Fleck.
Hinter der Hochschule stehen die IG Metall, die 90 Prozent der Anteile hält, und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Sind da überhaupt ergebnisoffene Lehre und Forschung möglich?
Sie sind es, und sie müssen es sein. Die Arbeitnehmer und die Arbeitsbeziehungen sind Gegenstand unserer wissenschaftlichen Arbeit, und zwar aus einem pluralen ...
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