Direkt zum Inhalt

Strukturreform mit kleinem und mit großem Aber

Die Kultusministerkonferenz beschließt eine weitreichende Reform ihrer selbst. Was sie sich vorgenommen hat – und an welche Stellen sie sich noch einen Ruck geben sollte.

Bild
Artikelbild: Strukturreform mit kleinem und mit großem Aber

Bild: Arek Socha / Pixabay.

MAN SOLLTE vorsichtig sein mit Superlativen, aber in jedem Fall ist es eine der größten Strukturreformen im Bildungsföderalismus seit Jahrzehnten. Die Kultusministerkonferenz (KMK) stellt sich neu auf. Wie vorab bereits berichtet gibt es sie künftig im Dreierpack: jeweils eigenständige Konferenzen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die nur noch an den Stellen ihre Unabhängigkeit beschränken, an denen ihre Zuständigkeiten sich überschneiden. Die Kultusministerkonferenz selbst ist insofern künftig vor allem ein Dach: ein organisatorisches, verkörpert durch die gemeinsame Verwaltung, das Sekretariat, und einmal im Jahr bei der Jahrestagung, bei der die drei Konferenzen zusammenkommen (und darüber hinaus nur anlassbezogen).

Selten seien die Kontroversen in einer Sitzung der KMK so offen ausgetragen worden wie am Donnerstag im Vorfeld dieser Grundsatzentscheidung, berichten Sitzungsteilnehmer. Am Ende aber stand ein Reformbeschluss, mit dem die Minister die ambitionierten Vorschläge ihrer eigens eingerichteten Strukturkommission II umsetzen. Größtenteils zumindest.

Ein hoffentlich nur kleines Aber: An einer neuralgischen Stelle spielen die Minister noch ein wenig auf Zeit. Die Strukturkommission will in der Logik der drei Konferenzen die bisherige KMK-Präsidentschaft abschaffen, entsprechend hat die KMK beschlossen, dass die drei gleichberechtigten Konferenzvorsitzenden eine neue "Spitzenstruktur" bilden sollen. Von einem "Vorstand" anstelle des bisherigen Präsidiums war im Vorfeld der KMK-Sitzung im Hintergrund die Rede.

Wer ist künftig das öffentliche Gesicht des Bildungsföderalismus?

Was bedeutet, dass die Bildungsseite ihren bisherigen Anspruch auf das Spitzenamt aufgeben muss. Für die meisten Wissenschaftsminister das Ende des gefühlten Untergebuttertseins – und wohl auch von den Bildungsministern als unvermeidlich akzeptiert, weil sonst ein Auseinanderbrechen der KMK drohte. Aber was genau heißt das praktisch? Zumal sich die – berechtigte – Frage stellt, wie drei gleichberechtigte Vorsitzende der KMK in der Öffentlichkeit ein Gesicht geben sollen, wenn doch zur Kernkritik am Bildungsföderalismus stets dessen Vielstimmigkeit zählt. >>>


Weiter unten:

Digitalpakt, Internationalisierung, Lehrerbildung, Israel: Was sonst noch bei der KMK wichtig war


>>> "Die Vorsitzenden der drei eigenständigen Ministerkonferenzen sind in enger Abstimmung mit ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Wie mutig ist die KMK?

Wie mutig ist die KMK?

Vor ihrer Sommertagung in Völklingen diskutieren die Bildungs- und Wissenschaftsminister über die Reform ihres Clubs – und die weitreichenden Reformvorschläge, die jetzt auf dem Tisch liegen.


  • Artikelbild: Jetzt oder nie

Jetzt oder nie

Vorstand statt Präsidentschaft, drei eigenständige Konferenzen, andere Abstimmungsmodalitäten: Die Kultusministerkonferenz steht vor einem grundsätzlichen Neuanfang. Scheitert die Reform, droht dem Ministerclub das Aus.


  • Wünsche für die Bildungsrepublik

Wünsche für die Bildungsrepublik

Die rechtsextreme AfD wird bei den Europawahlen stärkste Kraft in Ostdeutschland, das populistische BSW schafft aus dem Stand sechs Prozent, und bis auf die Union geht es für alle demokratischen Parteien teilweise dramatisch abwärts. Höchste Zeit für ein bisschen Optimismus? Wie wäre es mit ein paar Ideen für bessere Bildung, die noch dazu nichts kosten, aber viel verändern könnten? Gute Bildung als bester Schutz für die Demokratie: Das Best-of der Serie aus dem Wiarda-Newsletter.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • StarS für die Grundschule

StarS für die Grundschule

Die Kultusminister wollen künftig einheitlich testen, was Schulanfänger können. Das ist gut. Noch besser wäre es, Bildungsstandards und deren Monitoring endlich auf die Kitas auszuweiten.


  • Gut funktionierendes System zerstört?

Gut funktionierendes System zerstört?

In München schätzen sich Familien glücklich, einen Kitaplatz zu ergattern. Die Nachfrage ist riesig – trotzdem schließt jetzt ein Träger und klagt gegen die Stadt: Sie mache den Weiterbetrieb wirtschaftlich unmöglich. Eine Geschichte über den Umgang mit dem Mangel.


  • Soziale Ungleichheit bleibt ein riesiges Dauerproblem

Soziale Ungleichheit bleibt ein riesiges Dauerproblem

Was im neuen Nationalen Bildungsbericht steht und warum Autorensprecher Kai Maaz davor warnt, Einwanderer für die schlechte Performance des Bildungssystems verantwortlich zu machen.