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Zehn Jahre danach

Was aus der Willkommenskultur wurde. Eine Serie in fünf Teilen. Teil 1.
Schattenriss von Fluechtlingen vor gelbem Hintergrund.

Der Migrationsforscher Rainer Bauböck sagte 2015, in zehn Jahren würden die Menschen Angela Merkel danken, weil die Aufnahme der Flüchtlinge nicht nur humanitär richtig, sondern auch zum Vorteil des Wirtschaftsstandorts Deutschland gewesen sei. Zehn Jahre danach, das ist jetzt. Und wenn man die politische Debatte verfolgt, hat man nicht dem Eindruck großer Dankbarkeit. Was ist passiert? Als Journalist habe ich die "Flüchtlingskrise" von Anfang an begleitet, war aber mit diesem Begriff nie einverstanden. Weil er für mich zu sehr nach Bedrohung klang, nach Überforderung – und nicht nach einer großen demografischen Chance für eine alternde Gesellschaft. Haben die Pessimisten Recht behalten, lagen Optimisten wie ich falsch? In einem fünfteiligen Rückblick dokumentiere ich ausgewählte Interviews, Berichte und Kommentare. Und steige ein mit einem Gespräch, das ich im Herbst 2015 mit dem Bildungsökonomen Ludger Wößmann in der ZEIT geführt habe. Darin zitiere ich auch Rainer Bauböck und finde Wößmanns Einschätzung sehr weitsichtig. "Zu meinen, dass die erwachsenen Flüchtlinge bei uns den Fachkräftemangel lösen werden, halte ich nicht für realistisch", sagte er.  Und doch könnte Bauböck am Ende recht haben: "Wenn wir den Zeithorizont erweitern. Wenn wir es jetzt richtig machen bei den Kindern der Flüchtlinge, wenn wir zugleich ihren Eltern eine Chance auf Arbeit und Integration geben, dann werden die Kinder es ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Do., 14.08.2025 - 16:31

Eine 4-köpfige Normalfamilie mit einem Alleinverdiener zum Mindestlohn hat netto jeden Monat 3414 €, berechnet von einem Wirtschaftsinstitut:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/mindestlohn-buergergeld-100.html

Dabei beträgt der Bruttolohn nur ca. 2120 €, also erhält diese Familie über die üblichen Abzüge (Steuern, Sozialbeiträge) hinaus ca. 1300 € aus den Sozialkassen dazu. Mir ist schleierhaft, wie man zu der Behauptung kommen kann, Flüchtlinge, die zum Mindestlohn arbeiten, würden unsere Sozialkassen füllen und die Rente sichern. Das Kindergeld wird zwar maximal nur bis zum 25. Geburtstag gezahlt, aber nach diesem Tag wird es für viele der Eltern bis zur Rente nicht mehr allzu weit sein (mein Vater war ...

#2 -

Christiane | Sa., 16.08.2025 - 10:19

Eine Aussage, dass "zwei Drittel der Asylbewerber aus den Kriegsländern keine berufsqualifizierende Ausbildung haben", macht mich ohne entsprechende Einbettung wütend. Natürlich haben viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland kommen, nach deutschem Verständnis keine, da das deutsche System beruflicher Ausbildung speziell ist. Heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass die Erwachsenen nicht gearbeitet haben, dass in anderen Ländern nicht auch Häuser gebaut, Backwerk hergestellt, Menschen gepflegt etc. werden. Das heißt, sie verfügen entweder über Berufserfahrungen oder schulische/hochschulische Erfahrungen, die sie nicht schriftlich nachweisen, aber auf denen sie aufbauen könnten, wenn man entsprechende Formate, wie berufliche Nachqualifizierung, tatsächlich und ernsthaft fördern ...

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