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Weniger als angekündigt, mehr als befürchtet

Bund und Länder haben sich geeinigt: Die Exzellenzstrategie wird ausgeweitet, die Dynamisierung des Zukunftsvertrags kommt. Das Ergebnis kann sich unter den Umständen durchaus sehen lassen. Trotzdem bleiben Fragen offen.

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Artikelbild: Weniger als angekündigt, mehr als befürchtet

Erstmals tagte die GWK in München – und zwar hier: im Amerikahaus. Foto: Rufus46 , CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons.

DAS KAMINGESPRÄCH brachte den Durchbruch. Bis nach Mitternacht saßen die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern am Donnerstagabend in Münchner Amerikahaus zusammen, dann stand fest: Der Bund hält Wort. Größtenteils jedenfalls. Wodurch das mit Spannung erwartete Ergebnis der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) besser ausfällt als zwischenzeitlich befürchtet.

Vor allem beim Zukunftsvertrag sah sich Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) dem überraschend einheitlichem Druck aller Landeskollegen gegenüber, die unabhängig von ihrer parteipolitischen Herkunft auf doppelte Einhaltung pochten: a) der im Ampel-Koalitionsvertrag angekündigten sogenannten Dynamisierung des Zukunftsvertrags Studium und Lehre (ZSL), sprich: einer Erhöhung um drei Prozent pro Jahr künftig jedes Jahr – wenn nicht von 2022 an, dann zumindest ab 2023. Und b) der bereits 2019 in der GWK vereinbarten einmaligen Stufe im ZSL auf 2,05 Milliarden Bundesmittel, und zwar ohne Anrechnung auf die Dynamisierung.

Über den Zukunftsvertrag überweist der Bund zurzeit 1,88 Milliarden Euro pro Jahr für die Hochschullehre, die Länder legen laut Vereinbarung dieselbe Summe dazu. Er ist das Nachfolgeprogramm für den Hochschulpakt 2020, der seit 2007 Hunderttausende zusätzliche Studienplätze finanziert hatte.



Stark-Watzinger wandte im Kamingespräch ein, sie habe das nötige Geld nicht im Haushalt stehen, doch schließlich kam sie den Ländern doch sehr weit entgegen. Die Einigung musste dann bei der offiziellen GWK-Sitzung am Freitagvormittag nur noch amtlich besiegelt werden: Es gibt die drei Prozent plus, allerdings wie erwartet erst im Jahr 2023 (+56,4 Millionen Euro auf 1,9364 Milliarden). 2024 folgt die bereits festgelegte Stufe (+113,6 Millionen auf 2,05 Milliarden). Im Jahr 2025 dann der zweite bedingte Abstrich: Nur +1,5 Prozent gegenüber 2024 auf 2,0875 Milliarden. Bevor es 2026 und 2027 wieder jeweils drei Prozent Aufwuchs gibt: auf 2,1432 bzw. 2,2075 Milliarden Euro.

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Kommentare

#1 -

LeanderK | Fr., 04.11.2022 - 16:27
Schön dass jetzt wirklich jeder exzellent werden kann, endlich kriegt jedes Bundesland mindestens eine exzellente Universität und manche Bundesländern haben dann fast nur exzellente Unis. 70 Exzellenzcluster mit 7,7 Millionen Förderung ist doch ein schlechter Witz. Man sollte sich über andere Formen des Wettbewerbes Gedanken machen als einfach die Anzahl zu erhöhen, es verliert komplett an Wert und ist unterfinanziert. Da hat man dann am ende Ende eine komplett einsturzgefährdete Uni mit offiziellen Exzellenzstempel und ohne Gefahr dass sie diesen los wird. Kann man dann auch noch weiter vor sich hin siechen lassen und unterfinanzierten, Hauptsache irgendwo steht ein modernes ...

#2 -

Edith Riedel | Fr., 04.11.2022 - 21:35
Zur Klarstellung: ich gehe mal davon aus, dass es 7,7 Millionen pro EXC per annum sind. Bis jetzt konnte man pro Jahr bis zu 10 Millionen pro Jahr beantragen. Das hat kaum ein Cluster getan, also keine wirklich tiefgreifenden Änderung. Ansonsten kann ich Leander nur zustimmen. Die Exzellenzstrategie, konzpiert als Spitzenförderung, verkommt zur verkappten Aufstockung der Grundfinanzierung, die die Länder partout nicht auskömmlich leisten wollen. Das System ist krank.

#3 -

Thomas | Sa., 05.11.2022 - 02:46
Und wieder eine Wissenschaftskonferenz vergangen, ohne dass der fundamentale Fehler im System angegangen wird.

Wann steht endlich einmal jemand auf und gesteht sich ein, dass die reine Exzellenzförderung der Hochschulen sinnfrei ist? Es kann nicht jeder Forschung auf Nobelpreisniveau liefern und das sollte man auch nicht erwarten.



Am Ende ist es doch andersrum: wer internationale Spitzenforschung im Land haben will, muss auf ein solides Forschungssystem aufbauen können. Gute Forschungspolitik würde weniger in Exzellenzcluster und dafür mehr in die Breitenforschung investieren. Und vielleicht sollte man sich auch mal überlegen was man bisher für die Ausbildung der erhofften künftigen Spitzenforscher tut. Zu ...

#4 -

Piet | Mo., 07.11.2022 - 15:26
lieber herr wiarda,



ich habe eine frage und - im eigentlichen sinne dieser kommentarfunktion - auch einen kommentar. zunächst die frage:



sie schreiben zur exzellenzstrategie: "Es wird in der nächsten Runde 70 Cluster geben, und jeder dieser Forschungsverbünde wird mit 7,7 Millionen Euro dotiert."

aber ist es nicht vielmehr so, dass die 7,7 mio. € einen durchschnittswert darstellen und es auch weiterhin die möglichkeit geben wird, cluster in einer spanne von 3 - 10 mio. € p.a. zu beantragen?



mein kommentar bezieht sich eigentlich auf Ihren text "Ein relatives Happy End", passt thematisch aber auch hier. sie schreiben zur aufgestockten ...

#5 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 07.11.2022 - 19:06
Lieber Piet,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie haben vollkommen Recht, das war in der Eile des Gefechts am Freitag verkürzt dargestellt. Es sind nicht fixe 7,7 Millionen Euro pro Cluster, sondern im SCHNITT 7,7 Millionen Euro pro Cluster, die konkreten Summen werden unterschiedlich sein.

Beste Grüße
Ihr J-M Wiarda

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