Direkt zum Inhalt

Die Politik generiert keine Ziele, sondern Unsicherheit

Am Mittwochnachmittag überreichen die EFI-Wissenschaftsweisen ihr Jahresgutachten an Bundeskanzler Scholz. Der EFI-Vorsitzende Uwe Cantner spricht im Interview über den transformationspolitischen "Schlingerkurs" der Ampel, Deutschlands Bildungskrise und den Rückstand bei der KI-Entwicklung, die Öffnung zur Militärforschung – und was die Regierung trotz allem richtig macht.

Bild
Artikelbild: Die Politik generiert keine Ziele, sondern Unsicherheit

Uwe Cantner, 63, ist seit Mai 2019 Vorsitzenderder Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) . An der Universität Jena hat er eine Professur für VWL/Mikroökonomie, seit 2014 ist er Vizepräsident seiner Universität. Foto: David Ausserhofer.

Herr Cantner, wenn Sie nach der Überreichung des neuen EFI-Jahresgutachtens eine Minute allein hätten mit Olaf Scholz, was würden Sie ihm raten?

Meine wichtigste Botschaft an den Bundeskanzler wäre: Trotz aller Riesenaufgaben von der Verteidigungs- über die Sicherheits- bis hin zur Klimapolitik dürfen Forschung und Innovation auf keinen Fall unter die Räder der immer schärferen Budgetkonkurrenz geraten. Und dann würde ich ihm ein paar Vorschläge machen, wie sich die Bearbeitung der unterschiedlichen Herausforderungen geschickt mit einer gut ausfinanzierten F&E-Politik kombinieren ließe.

Alle wissen doch, dass sich die großen Probleme von heute und morgen nur mithilfe der Wissenschaft lösen lassen. Warum glauben Sie trotzdem, dass so eine Warnung nötig ist?

Weil wir die Transformation unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft hin zur Klimaneutralität und damit auch die nötige Forschung und Entwicklung jetzt durchführen und finanzieren müssen, die Erträge aber erst weit nach den nächsten Wahlen sichtbar werden. Da ist es politisch opportuner, große Investitionsprogramme für die Bundeswehr zu beschließen oder Konjunkturstimuli, die schnell wirken. Wir dürfen über dem kurzfristig Drängendem nicht das langfristig Erforderliche aus den Augen verlieren.

Sie sagen es selbst: Politiker wollen Wahlen gewinnen, anstatt sie jetzt zu verlieren und in 15 Jahren Recht gehabt zu haben.

Dieser Gegensatz ist nicht zwangsläufig. Es ist durchaus möglich, Verantwortung für heute und für die Zukunft zu übernehmen. Also Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, die schnell helfen, mit ihren Auswirkungen aber der nächste Generation zu Gute kommen. Natürlich muss ich so einen langfristigen Plan den Wählerinnen und Wählern unbedingt erklären, sie dafür gewinnen. Die Grünen versuchen das meiner Meinung nach zurzeit am ehesten.

Und bekommen entsprechend Gegenwind. ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Hans Bernert | Do., 29.02.2024 - 16:04
Nach kursorischer Lektüre des Reports: Ob das noch was wird, mit Deutschland, wenn das die Grenzen der Vorstellungskraft sind?



DARPA, 8200? Hatte ich auch schon mal in einem Airport-Bookstore-Buch gelesen. Und muss man hier einer noch kaputtere Gesellschaft nacheifern, so à la USA? Spin-offs aus Militärforschung? Klingt wie Franz Josef Strauß 1965. (Bestimmt haben sich die vielen Bedenken und Gegenargumente nicht einfach in Luft aufgelöst?) "Katalytische, marktorientierte Missionsorientierung"? Wird das nicht seit 40 Jahren betrieben? (Und wo hat's hingeführt?, nicht bekanntlich hin zu "Transformation"). Und wieso, so aus einem feeling heraus, eine ganze Generation an Forscher:innen an "KI" verheizen? (Wir ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Die Bezeichnung halte ich für missverständlich

Die Bezeichnung halte ich für missverständlich

Lambert T. Koch reagiert auf die Vorwürfe einer zu großen Nähe des Hochschulverbands zum "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit". Im Interview sagt der DHV-Präsident, wo er die Berufsvertretung wissenschaftspolitisch verortet sieht, wie er um nichtprofessorale Mitglieder wirbt – und welche Rolle für ihn Gender Studies und die Postkoloniale Theorie spielen.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Antisemitismus-Streit in Halle: Unterstützung für Ghassan Hage

Fachgesellschaften und Wissenschaftler aus aller Welt schreiben Protestbriefe an die Max-Planck-Gesellschaft, nachdem diese sich von dem australischen Ethnologen getrennt hatte.


  • Der Praxistest, der hoffentlich nie kommt

Der Praxistest, der hoffentlich nie kommt

Deutschlands Wissenschaftsfinanzierung ist eine föderale Erfolgsgeschichte – und beruht auf einem Wertekonsens, der politisch bislang nie in Frage gestellt wurde. Was wäre, wenn sich das änderte? Ein Gastbeitrag von Hans-Gerhard Husung. Hans-Gerhard Husung(SPD) war Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung...


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Eigene Ministerkonferenz für die Wissenschaft in der KMK kommt

Eigene Ministerkonferenz für die Wissenschaft in der KMK kommt

Im Juli soll es losgehen: Jetzt haben sich die zuständigen Ressortchefs geeinigt, wie genau sie sich künftig organisieren wollen.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Novelle des Tierschutzgesetzes verunsichert Wissenschaftler

Das Landwirtschaftsministerium will das Tierschutzgesetz verschärfen – mit Folgen für die Wissenschaft. Die Forschungsministerin muss ein "Stopp"-Zeichen setzen.


  • Artikelbild: Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut. Unsere Sicherheit aber auch

Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut. Unsere Sicherheit aber auch

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume kritisiert die BAföG-Reform von BMBF-Chefin Stark-Watzinger, fordert eine Zeitenwende auch in der Wissenschaftspolitik – und sagt, warum die Hochschulen im Krisenfall zur Kooperation mit der Bundeswehr verpflichtet werden sollen.