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Die Bezeichnung halte ich für missverständlich

Lambert T. Koch reagiert auf die Vorwürfe einer zu großen Nähe des Hochschulverbands zum "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit". Im Interview sagt der DHV-Präsident, wo er die Berufsvertretung wissenschaftspolitisch verortet sieht, wie er um nichtprofessorale Mitglieder wirbt – und welche Rolle für ihn Gender Studies und die Postkoloniale Theorie spielen.

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Lambert T. Koch , 58, ist Wirtschaftswissenschaftler und war von 2008 bis 2022 Rektor der Bergischen Universität Wuppertal. Viermal wurde er von DHV-Mitgliedern zum "Rektor des Jahres" gekürt. 2023 trat Koch die Nachfolge von Bernhard Kempen als Präsident des Deutschen Hochschulverbandes an. Foto: Deutscher Hochschulverband/BeAStarProductions.

Herr Koch, der Deutsche Hochschulverband (DHV) bezeichnet sich selbst als "Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland". Wäre es nicht fairer zu sagen, dass er lange vor allem eine Vertretung arrivierter Professoren und ihre Interessen war? Und ist er es immer noch?

Wie es der Begriff "Berufsvertretung" nahelegt, versteht sich der DHV schwerpunktmäßig als ein Interessenverbund von Menschen, die hauptberuflich und dauerhaft in der Wissenschaft tätig sind oder sich für eine solche Tätigkeit qualifizieren. Natürlich passt er sich dabei an veränderte Karrierewege an. So hat er sich schon vor Jahren nicht nur für Habilitierende und Juniorprofessorinnen und -professoren, sondern generell auch für Postdocs geöffnet. Die Serviceangebote des DHV wollen Mitglieder in jedem beruflichen Stadium ansprechen – von der Phase der Qualifizierung bis in die Zeit nach der Emeritierung. Was Studierende und Promovierende anbetrifft, strebt rein statistisch am Ende nur ein geringer Prozentsatz eine wissenschaftliche Karriere an. Dennoch sind uns auch berechtigte Interessen dieser Gruppen nicht gleichgültig.

Rund 70 Prozent der DHV-Mitglieder sind unbefristet beschäftigte Professorinnen und Professoren. Was tun Sie, um den Anteil von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhöhen, die keine Professur, aber eine Dauerstelle haben? Und wie wollen Sie mehr junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Karrierephase als Mitglieder gewinnen? Zuletzt gab es in zwei Protestwellen sogar zahlreiche Austritte.

Zu den zentralen wissenschaftspolitischen Zielen des DHV gehört es, über alle Personalkategorien ...

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Kommentare

#1 -

Monica Mera | Mi., 28.02.2024 - 17:03
Hm, ich habe den Eindruck, dass beim DHV (und beim Netzwerk allemal) eine sehr konservative und letztlich leider auch verkürzte und triviale Auffassung von Wissenschaftsfreiheit besteht. Oder der DHV und das Netzwerk verwechseln Wissenschaftsfreiheit mit den eigenen berufsständischen Interessen. Ist die Freiheit der Wissenschaft nur dann bedroht, wenn Professor:innen von ihren Studierenden Widerworte hören? Aber nicht durch einen völlig bizarren Publikationskomplex, die katastrophal geringe soziale Durchlässigkeit, die Benachteiligung von Wissenschaftler:innen, die nicht weiß, männlich und gesund sind, das Befristungsunswesen, die Gefahr, als WiMi sexuellen Übergriffen und anderem Machtmissbruach ausgesetzt zu sein, während die Täter unbehelligt bleiben, und all die Probleme, ...

#3 -

Jan Barkmann | Do., 29.02.2024 - 12:53
Eine sehr ausgewogene Stellungnahme des DHV-Vorsitzenden.



DHV und - als monothematischer Berufsverband besonders akzentuiert - das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit verteidigen im Kern den grundgesetzlichen Schutz von Forschung und Lehre. Das würde ich weder als "konservativ" noch als "trivial" bezeichnen. Erst recht nicht verwechseln das Netzwerk oder der DHV Wissenschaftsfreiheit mit den eigenen berufsständischen Interessen. Freilich (und legitimerweise) ist die Freiheit von Forschung uns Lehre aber ein sehr wichtiges berufsständisches Interesse.



"Ist die Freiheit der Wissenschaft nur dann bedroht, wenn Professor:innen von ihren Studierenden Widerworte hören?" Diese Frage ist leider - sehr freundlich ausgedrückt - unscharf formuliert. Im inhaltlichen Widerspruch und in ...

#4 -

Monika Mera | Do., 29.02.2024 - 17:40
Naja, dass sich das "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" anlässlich studentischer Renitenz gebildet hat und den Kampf dagegen als vorrangiges Ziel seiner Bemühungen anvisiert, ist ja bekannt und wird glaub ich auch von niemandem ernsthaft bestritten. Dass sich erst zu dem Zeitpunkt, als diese Renitenz erneute mediale Aufmerksamkeit erhielt, das Netzwerk bildete, ist ein Indiz dafür, dass man vorher anscheinend wenig Handlungsbedarf sah. Daher erscheint das Netzwerk prinzipiell konservativ, denn es will offensichtlich, dass alles so bleibt, wie es ist, nur ohne das Störfeuer durch Studierende. Kein Wunder, besteht es doch zu 80% aus Professor:innen (und zu 90% aus Männern). Unbestritten ist, dass ...

#5 -

Ruth Himmelreich | Fr., 01.03.2024 - 11:15
Der DHV ist ein Interessenverband, keine staatliche Einrichtung. Daher darf und muss er die Interessen seiner Mitglieder vertreten, sonst hat er keine Existenzberechtigung (und keine Mitgliedsbeiträge). Die Interessen der Mitglieder vertritt Herr Koch in durchaus ausgewogeneren Weise als, sagen wir mal, Herr Weselsky (dessen Gewerkschaft im übrigen vom Beamtenbund unterstützt wird), auch wenn man das als zu konservativ empfinden mag.



Für die Gleichstellung all derer, die sich auf eine Professur bewerben und sich hinsichtlich der sozialen oder nationalen Herkunft, Geschlecht, der sexuellen Orientierung etc. vom Mainstream unterscheiden, tut der DHV im übrigen weit mehr, als Papier bunt mit Aktionsplänen zu ...

#6 -

Tanja Bhuiyan | Mi., 06.03.2024 - 14:36
Ich finde es auch sehr gut, dass der DHV Coachings für Berufungsverhandlungen anbietet und so auch Menschen, die sich vom momentanen akademischen Mainstream unterscheiden, unterstützt. Aber das greift meiner Meinung nach leider viel zu spät im Selektionsprozess derjenigen, die eine akademische Karriere anstreben können.



Wenn der DHV sich auch als Vertretung von Postdocs versteht, dann sollte schon in dieser Phase, vor allem mit Hinblick auf Vielfalt, Unterstützung kommen. Die Postdoc Phase hat auf den weiteren Karriereverlauf entscheidenden Einfluss. Zumindest in den Life Sciences gibt es zwei harte Währungen: Publikationen und Drittmittel. Wer diese zwei Währungen während der Postdoc Phase nicht ...

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