Direkt zum Inhalt

Die Höchstausgaben für Wissenschaft täuschen

Nie hat Deutschland so viel Geld in Forschung und Entwicklung investiert wie zuletzt. Das bedeutet aber nicht, dass die Ampel ihre selbstgesteckten Ziele erreicht. Wie viel ist es Deutschland wert, wettbewerbsfähig zu bleiben?

Bild
Artikelbild: Die Höchstausgaben für Wissenschaft täuschen

Bild: Mohamed Hassan / Pixabay.

JA, ES IST EIN HÖCHSTSTAND. Noch nie hat Deutschland so viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgegeben wie im Jahr 2022. 121,4 Milliarden Euro, berichtete neulich das Statistische Bundesamt. Sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Natürlich wüsste man im Jahr 2024 noch lieber, wie es 2023 ausgesehen hat, aber wir sind in Deutschland das Warten auf Daten gewöhnt.

Wer aus der Vokabel "Höchststand" schließt, die viel diskutierte mangelnde Innovationsdynamik in Deutschland sei zumindest nicht finanzieller Natur, der sollte sich nicht vorschnell blenden lassen. Die 121 Milliarden, finanziert zu gut zwei Dritteln von den Unternehmen und knapp einem Drittel vom Staat, entsprachen 3,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Genau wie 2021. Und wie 2020. 2019 waren es schon mal knapp 3,2. Erstmals wurden die drei Prozent 2017 offiziell übersprungen. Der Höchststand ist also in Wirklichkeit, in Relation gesetzt zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), eine Fortsetzung der Stagnation.

Macht nichts, schließlich sind die 3,0 schon ziemlich gut und waren noch dazu die ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Hans Bernert | Mo., 18.03.2024 - 13:18
Wenn sich an der Zahl nichts entscheidet, noch dazu an einer, deren Korrelation mit im Zusammenhang relevanten Parametern bestenfalls fraglich ist seitdem sie erhoben wird, wieso dann der dramatische Ton? Nicht ganz verständlich auch, wieso hier vor allem die "Politik" oder die "Ampel" gefordert sein soll, gegeben daß › 2/3 der Ausgaben von der Privatwirtschaft bzw. vorwiegend von ein paar Großunternehmen aufgebracht werden. Nachdem daß auch schon ein paar Jahrzehnte so läuft: könnte sich auch die Vermutung einschleichen, daß, ceteris paribus, auch ein paar Milliarden mehr nicht viel ändern werden.

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 18.03.2024 - 14:24
Lieber Herr Bernert, es macht, siehe meine Argumentation oben, einen Unterschied, weil es Commitment zeigt und weil es eine gute Korrelation gibt zwischen den F&E-Ausgaben und dem Zustand des Innovationssystems. Die private Wirtschaft, die zwei Drittel der Ausgaben trägt, hat nicht das 3,5-Prozent-Ziel ausgegeben, das war die Politik. Insofern muss sich diese, wenn sie sich selbst ernstnimmt, auch zumindest für ihren Anteil daran messen lassen.



Beste Grüße

Ihr Jan-Martin Wiarda

#3 -

Hans Bernert | Mo., 18.03.2024 - 16:47
Lieber Herr Wiarda,



danke für die Antwort: ob es von Commitment zeugt, eine aus der Luft gegriffene Ziffer als Policy-Ziel auszugeben, mal dahingestellt, aber d'accord, auch die Politik sollte sich an ihrem Anteil messen lassen. Was die gute Korrelation betrifft, kann man das vermutlich so oder so sehen; ich neige zur Ansicht, daß der eventuell bessere Zustand anderer nationaler Innovationssysteme sich nicht unbedingt in wünschenswertere gesellschaftliche Outcomes übersetzt, entsprechende Diskussion lassen sich durch Zahlenspiele aber bekanntlich gut vermeiden.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Alle an Bord?

Die Verwirrung um die WissZeitVG-Novelle setzt sich fort, noch bevor der Entwurf das Kabinett passiert hat. Ein Vorgeschmack auf das, was als nächstes im Parlament bevorsteht?


  • Artikelbild: Loslassen fällt schwer

Loslassen fällt schwer

Die schier unendliche Geschichte der DATI-Gründung hat ihr nächstes Kapitel erreicht. Inzwischen ist auch die Besetzung der Agenturspitze um Monate verzögert. Was dahintersteckt, warum es aber im April endlich vorangehen könnte: ein aktueller Überblick.


  • Artikelbild: Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut. Unsere Sicherheit aber auch

Die Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut. Unsere Sicherheit aber auch

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume kritisiert die BAföG-Reform von BMBF-Chefin Stark-Watzinger, fordert eine Zeitenwende auch in der Wissenschaftspolitik – und sagt, warum die Hochschulen im Krisenfall zur Kooperation mit der Bundeswehr verpflichtet werden sollen.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Tierschutzgesetz: Verweigert BMBF-Chefin Stark-Watzinger die Zustimmung?

Das Landwirtschaftsministerium will das Tierschutzgesetz verschärfen – mit Folgen auch für die Wissenschaft. Jetzt deutet die Bundesforschungsministerin Widerstand an.


  • Artikelbild: Wissenschaftskommunikation: Bekenntnisse sind gut, Taten sind besser

Wissenschaftskommunikation: Bekenntnisse sind gut, Taten sind besser

Die Ampelfraktionen wollen die Wissenschaftskommunikation stärken. Einige ihrer Bekenntnisse erscheinen wie ein Déjà-vu.


  • Artikelbild: Ich schätze die Bundesbildungsministerin sehr

Ich schätze die Bundesbildungsministerin sehr

Jakob von Weizsäcker wird im Juli der erste Vorsitzende der neuen Wissenschaftsministerkonferenz. Außerdem ist er der einzige Wissenschaftsminister, der auch Finanzminister ist. Eine glückliche Kombination aus Sicht der Hochschulen? Ein Interview über die Machbarkeit der nötigen Zukunftsinvestitionen, den Umbau des wissenschaftlichen Karrieresystems und einen Besuch in Israel.