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Wenn der Sonntag des Lebens in den Montag übergeht

Die Universität als Ort der ergebnisoffenen Reflexion muss sich den Imperativen der Gesellschaft in entschiedener Weise entziehen. Kann sie dann trotzdem aufs Berufsleben vorbereiten? Ein Gastbeitrag von Vinzenz Hediger.

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Artikelbild: Wenn der Sonntag des Lebens in den Montag übergeht
Foto: pxhere

IM FOLGENDEN MÖCHTE ich zwei auf Anhieb gänzlich unvereinbare Positionen vertreten. Die erste lautet, dass die Universität mit der Praxis gefälligst überhaupt nichts zu tun haben sollte. Die zweite lautet, dass kleine geisteswissenschaftliche Fächer, die nicht für den Schuldienst ausbilden, wie das meine – ich vertrete in Frankfurt die Filmwissenschaft – durchaus in der Pflicht stehen ihren Absolventinnen und Absolventen den Übertritt ins Berufsleben vor zu bahnen. Ich werde zudem behaupten, dass wir hier in Frankfurt dieses Problem gelöst haben, mit praxisorientierten Masterstudiengängen in den Bereichen Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Diese Lösung, das "Frankfurter Modell" anzupreisen, wird mein Hauptanliegen sein. Zunächst aber will ich die Gelegenheit nutzen, auch die erste Position zu vertreten: Eben die, dass es auch ein Zuviel der Praxis an der Universität geben kann.

Warum die Universität mit der Praxis nichts zu tun haben sollte

Gegen die aktuellen Forderungen der Praxisorientierung des Studiums kann man durchaus die These vertreten, dass die Universität mit der Praxis nichts zu tun haben sollte. Formuliert hat diese These unter anderem der konservative britische Philosoph Michael Oakeshott. In seinen Überlegungen zur Philosophie der Geschichte, publiziert in "On History" im Jahr 1983, kritisiert Oakeshott den Begriff der historischen Erfahrung. Erfahrung, so Oaketshott, habe etwas mit Präsenz, mit Gegenwart zu tun. Geschichte aber könne nur seriös geschrieben werden, wenn der Historiker die Anliegen der Gegenwart ausklammere. Der genuine Ort der Historiographie aber sei die Universität, die sich entsprechend von den Anliegen der Gegenwart auch entkoppeln müsse.

Die ...

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Kommentare

#1 -

McFischer | Di., 30.01.2018 - 09:59
Ein sehr treffender, guter Gastbeitrag!
Auch wenn hier das Eigenlob nicht versteckt wird - es ist eine gute Reflexion, wie Theorie und Praxis in geeigneter, universitärer Weise zusammenfinden können. Denn Prof. Hediger hat recht: Es ist zu kurz gedacht, wenn sich die Universitäten (weniger die FHs) nur auf den Sonntag fokussieren und den Montag bewusst ignorieren - gleichzeitig aber heute mehr sein wollen und müssen als eine reine akademische Nachwuchsschmiede.

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