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Die Lösung, die keine ist

Der Lehrermangel an Grundschulen ist dramatisch. Wer deshalb auf Quereinsteiger setzt, sollte mal zu umgeschulten Förstern gehen, wenn er krank wird – um zu sehen, wie gut das klappt. Ein Gastbeitrag mit Beispielen aus der Mathematik von Benjamin Rott.

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Artikelbild: Die Lösung, die keine ist

EINE AKTUELLE STUDIE der Bertelsmann Stiftung , über die viel berichtet wurde, sagt für die kommenden Jahre 35.000 fehlende Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen voraus. Die zukünftigen Lehrkräfte, die derzeit studieren oder sich im Referendariat befinden, sind schon eingerechnet, der Mangel ist also dramatisch. In diesem Zusammenhang wird —wieder einmal – darüber gesprochen, Quereinsteiger einzustellen: Die Inhalte, die in Grundschulen vermittelt werden, beherrsche doch so gut wie jeder, heißt es.

Dass Unterricht nicht so einfach ist, wie es diese platte Argumentation vermuten lässt, und dass wir gut ausgebildete Lehrkräfte benötigen, sollte eigentlich jedem klar sein. Ist es aber offenbar nicht. Deshalb möchte ich hier ein paar Argumente vortragen, warum gut ausgebildete Lehrkräfte so wichtig sind. Ich beziehe mich im Folgenden insbesondere auf das Unterrichtsfach Mathematik, da dieses Fach für alle Schulformen, alle angestrebten Schulabschlüsse und viele Studiengänge eine große Relevanz besitzt. Spätestens in der Grundschule (wenn nicht schon im vorschulischen Bereich) werden viele Grundlagen für ...

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Kommentare

#1 -

Benjamin Rott | Fr., 09.02.2018 - 11:50
Auf Twitter (https://twitter.com/JMWiarda/status/961510318110380032) wird dieser Beitrag diskutiert. Da ich selbst dort nicht aktiv bin, möchte ich hier kurz Stellung beziehen:



Die Frage steht im Raum, warum mein Diskussionsbeitrag in der Reihenfolge erst das Fachliche und anschließend das Didaktische anspricht, schließlich seien Seiteneinsteiger fachlich oft besser ausgebildet als Lehramtsstudierende. Dies hat zwei Gründe:

(1) Studien (z. B. COACTIV) haben nachgewiesen, das fundiertes Fachwissen notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Voraussetzung für fachdidaktische Kompetenz ist. Ohne Fachwissen brauchen wir über Lehrer also gar nicht zu sprechen.

(2) An der Universität habe ich weniger mit den Seiteneinsteigern, sondern viel mehr mit Lehramtsstudierenden zu tun. ...

#2 -

Markus Pössel | Fr., 09.02.2018 - 12:05
Danke für die Antwort, anhand derer sich mir aber immer noch nicht recht erschließt, was das Ganze mit den Quereinsteigern zu tun hat. Wenn die fundiertes Fachwissen bereits hätten (meine persönliche Erfahrung, die aber durchaus selektiv sein kann und explizit nicht den Grundschulbereich betrifft), müsste man das ja nicht thematisieren. Und wenn Grundschul-Lehramtsstudierende das falsch sehen, folgt ja noch nicht daraus, dass Quereinsteiger das auch so sehen.



Aber wie gesagt, vielleicht fehlt mir da der Hintergrund, daher konkret die Frage: Sind die Grundschullehrer-Quereinsteiger denn typischerweise *ganz* fachfremd? Keine Ingenieure, Physiker, Mathematiker? (Kann ja gut sein; ich wäre nicht überrascht, zöge ...

#3 -

Benjamin Rott | Fr., 09.02.2018 - 12:18
Soweit ich die Lage überblicken kann (wie gesagt, ich habe weniger mit Ministerien und Seiteneinsteigern als mit Studierenden zu tun), sind Seiteneinsteiger an Grundschulen noch sehr selten.



In einer aktuellen Informationsbroschüre zum Seiteneinstieg ins Lehramt (https://www.schulministerium.nrw.de/docs/LehrkraftNRW/Anerkennungsverfahren/SeiteneinstiegBeruf/Informationsbroschuere_zum_Seiteneinstieg.pdf) heißt es zum Beispiel:

"Aus Gründen dringenden fachspezifischen Personalbedarfs können derzeit Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen (Schulversuch), Gymnasien, Berufskollegs und Weiterbildungskollegs Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger einstellen."

Von Grundschulen ist hier (noch?) gar nicht die Rede. Der Lehrermangel an Grundschulen ist aber akut.

Dass in Niedersachsen jetzt Gymnasiallehrer an Grundschulen abgeordnet werden, ist (zumindest für mich) neu. (In Niedersachsen wurden früher allerdings auch schon Gymnasiallehrer an ...

#5 -

Thomas Dahnke | Fr., 09.02.2018 - 15:53
Eins hat sich mir noch nie erschlossen, warum muss man das römische Zahlensystem kennen, wenn man Mathematik betreiben will. Muss ich, um lesen und schreiben zu können, auch die sumerische Keilschrift beherrschen? Genau solche Überziehungen sind der Tod von jedem Argument für wissenschaftliche Grundbefähigung!

Aber das größte Problem dieses Artikels ist, dass es gerade bei uns in Deutschland keinen (etwas übertrieben) mehr gibt, der in den MINT-Bereichen studieren will. Es geht also nicht um Stellen und Studienplätze. Auch die Attraktivitätssteigerung wird es nicht bringen. Und im Übrigen haben studierte Mathematiklehrer (anderes gab's vorher ja nicht) zu diesem Matheaffinitätsproblem in unserer ...

#6 -

Benjamin Rott | Fr., 09.02.2018 - 16:17
Nur kurz zu den römischen Zahlen:

Man kann nach meiner Erfahrung unser Stellenwertsystem in seinen Eigenheiten, Besonderheiten und Vorzügen nur dann wirklich verstehen, wenn man weiß, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, Zahlen darzustellen -- in diesem Fall das additive System der Römer.



Mit den römischen Zahlen kann man kaum rechnen. Wer mal versucht hat, mit römischen Zahlen schriftlich zu multiplizieren, weiß sofort, was gemeint ist. Man kann ja nicht mal an der Länge einer römischen Zahl ihre Größe abschätzen (man vergleiche M mit CCXXIV).



Rückblickend betrachtet verwundert es nicht, dass die "alten Römer" keine großen Mathematiker (Physiker, Astronomen etc.) ...

#7 -

Thomas Dahnke | Fr., 09.02.2018 - 18:44
Danke für die Antwort. Das ist eine interessante Betrachtungsweise und eine nachvollziebare Begründung für einen historischen Aspekt.

Wie aber geht man gegen das mittlerweile besorgniserregend umfassende Problem der fehlenden MINT-Affinität unserer Jugend an, was natürlich zu einer typischen Spirale nach unten führt: keine gute Lehrsituation in diesen Fächern - keine guten Schüler, die ähnliches machen wollen und es sich auch zutrauen - weniger Lehrerstudenten in dieser Ausrichtung - noch schlechtere Lehrsituation und und und!

Wir haben schon nicht genug Lehramtsstudenten, wie alle Studien tönen, aber die fachbezogenen Verschrobenheiten, hat die schon mal eine Studie erfasst. Ich habe davon noch nichts ...

#8 -

Benjamin Rott | Mo., 12.02.2018 - 16:28
Ich habe nicht den Eindruck, dass unserer Jungend die MINT-Affinität fehlt. Zumindest bei Kinder- und Junior-Unis und anderen Enrichmentprogrammen erlebe ich im MINT-Bereich immer einen hohen Andrang.
Die Frage ist allerdings, ob entsprechend interessierte (und begabte) Schülerinnen und Schüler später Lehrerinnen und Lehrer werden wollen. In der Informatik, im Ingenieurwesen, in Versicherungen etc. finden sie oft viel besser bezahlte Alternativen...

#9 -

Benjamin Rott | Mo., 12.02.2018 - 18:30
Kommentar via Twitter: "Ich halte den Artikel für zu pauschal. Ich kenne Grundschule-Quereinsteiger, die dies ausgezeichnet machen (und neben Mathe auch Chemie, Physik, BIo mitbringen und reiche Erfahrung mit Schulprojekten haben) und halt auch andere, die weniger gut geeignet sind."

Antwort (BR): Ich kenne auch geeignete und weniger geeignete Quereinsteiger, Seiteneinsteiger und ausgebildete Lehrer. Auf anekdotische Evidenz, also persönliche Erfahrungen, die notwendigerweise limitiert sind, sollte man sich nicht immer verlassen. Genau dafür gibt es Studien, und die zeigen insgesamt ein recht eindeutiges Bild...

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