Eine Weiche, die nur geradeaus zeigt
Was passiert, wenn ein FH-Student nach dem Bachelor an die Uni wechseln will – und warum viele Hochschulen offenbar Bologna missverstanden haben.

ES WAR eines der großen Versprechen der Bologna-Studienreform: Künftig spielt es keine Rolle mehr, wo jemand seinen Bachelor gemacht hat, ob nun an einer Fachhochschule oder Universität. Solange er die Leistung bringt, stehen ihm für den Master alle Türen offen. Vor Bologna war die Welt feinsäuberlich in Diplom (FH) und in Diplom (Uni) unterteilt. Und heute? Ja, heute, dachte Christian Schäfer, dürfte es doch eigentlich kein Problem mehr sein, wenn man mit einem FH-Bachelor an die Uni will.
Was dann passierte, berichte ich in der ZEIT von heute. Von den Absagen, die Schäfer erhielt trotz seines Einser-Abschlusses an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin, von Uni-Professoren, die ihm schrieben, es reiche nicht, "die Namen der Module zu nehmen und die Punkte zusammenzuzählen". Frei nach dem Motto: Nur weil deine FH behauptet, dass du etwas gemacht hast, muss ich das ja nicht glauben.
Dass Christian Schäfer, der in Wirklichkeit anders heißt, kein Einzelfall ist, bestätigten mir während meiner Recherche viele Gesprächspartner. Das Problem: Es gibt dazu keine Statistiken, ...
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Kommentare
#1 - Lieber Jan-Martin,Dein Beitrag hier und in der heutigen…
Dein Beitrag hier und in der heutigen ZEIT hat unser Frühstückstisch heute dominiert. Ich hatte ihn meiner Freundin zu lesen gegeben; sie arbeitet in der Studienberatung. Sie meinte, Deine Beispiele seien gut gewählt.
Ein BA nach einem Dualen-Studium an einer FH (so genannten "university for applied science) oder Akademie hat nichts mit einem BA an der Uni gemein, und natürlich prüfen - insbesondere die Fakultäten/Fächer - ob der Bewerber die Voraussetzungen für den Master erfüllt - und die werden nunmal von der aufnehmenden Uni/Hochschule festgelegt. Das ist nicht nur von FH zu Uni so und wird so bleiben, ...
#2 - Lieber Herr König,sicher sind viele Hoffnungen und…
sicher sind viele Hoffnungen und Erwartungen, die im Rahmen der BA/MA Reformen existierten nicht realisiert worden. Ich stimme Ihrer Analyse zu, dass die Enttäuschungen viel auf ministeriale Bürokratie und vor allem auf eine mangelnden Bereitschaft zum Wandel vieler Hochschullehrer und -lehrerinnen zurückzuführen ist. Dabei sticht hervor, dass die Hochschulen bzw. deren Protagonisten eben genau keinen Willen und keinen Sinn in einer gesteigerten Diversität sehen und gesehen haben, sondern vielmehr der zunehmende Mangel an Homogenität in den Kohorten bemängelt werden. Dazu bedürfte es einer grundlegenden Neuorientierung der Lehrphilosophie. In einem anderen Kontext würde man diese Situation als einen ...
#3 - Lieber Herr Diepold,meine Ablehnung von ECTS und…
meine Ablehnung von ECTS und studienbegleitenden Prüfungen kann ich gern begründen. ECTS gibt an, wieviel Stunden studiert werden muss, damit man Punkte bekommt (erinnert an Rabattmarken), und stellt damit eine Gleichung von Leistung = Zeit auf, als ob es darauf ankomme. Zugleich zementiert diese Gleichung den Gedanken, wenn diese Zeit erbracht wurde, habe man die Leistung erbracht. Das tötet intrinsische Motivation.
Studienbegleitenden Prüfungen haben den Nachteil, dass die erbrachte Leistung = Note schon im 1. Semester in die Endnote eingeht. Das erzeugt einen Druck, der kontraproduktiv ist zur Freiheit des sich ausprobieren, was ja ein Studium auch ...
#4 - Nachtrag:Wofür brauchen wir mehr als 16.000 verschiedene…
Wofür brauchen wir mehr als 16.000 verschiedene BA/MA-Studiengänge? Geht da nicht die Vergleichbarkeit verloren und erst recht, die Chance, den Hochschulort zu wechseln?
Beste Grüße
Josef König
#5 - Es gibt kein Versprechen, dass alles anerkannt wird. Es…
Wenn nicht die von Herrn König ...
#6 - Sehr geehrter Herr Geisler,aus dem Stil Ihrer Antwort liest…
aus dem Stil Ihrer Antwort liest man nicht nur den Juristen heraus, sondern - verzeihen Sie die Deutlichkeit - auch den politischen Beamten im BMBF, dem der Alltag in den Hochschulen und Unis völlig fremd ist. Es sind leider genau solche gleichsam apodiktischen Antworten, die aus der Politik Versprechungen transportieren und in der Praxis Ratlosigkeit hinterlassen. Mittlerweile sind die Studienberatungen in den Hochschulen so stark ausgebaut, weil nicht zuletzt aufgrund der politischen Träume individualisierter Lebensläufe die jungen Leute von der Wiege bis zur Bahre an die Hand genommen werden müssen.
Zu guter (??) Letzt hat die ...
#7 - Wie andere Streitthemen in der Bologna-Welt, geht auch…
Tatsächlich ...
#8 - Lieber Herr König,ich kann durchaus akzeptieren, dass Sie…
ich kann durchaus akzeptieren, dass Sie ECTS und studienbegleitende Prüfungen ablehnen. Allerdings sind Ihre Gründe persönlicher Natur und nicht notwendigerweise auf Fakten beruhend. Zum einen ist es nur den Studierenden gegenüber fair anzugeben, mit welchem zeitlichen Aufwand Sie als Dozent den Umfang des Lehrstoffes und den erforderlichen Zeitaufwand kalkulieren. Warum soll die Zeiteinheit, die eine Professorin im Hörsaal steht eine Grundlage sein, den studentischen Aufwand zu kalkulieren. Und früher (auch in den 70 Jahren) gab es Obergrenzen für die Anzahl der SWS pro Semester und für ein gesamtes Studium. Nur die zugrunde Aufwandsrechnung war aus Sicht der ...
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