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Was tun, damit Mathe kein Hassfach wird?

Der Versuch, die Schüler mit Pseudo-Anwendungsbezügen zu motivieren, muss schiefgehen, meint ROLAND SCHRÖDER. In seinem Gastbeitrag plädiert der frühere Gymnasiallehrer für die Vermittlung der Mathematik als "grandioses Spiel des Geistes".

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Artikelbild: Was tun, damit Mathe kein Hassfach wird?
Grafik: MB nach Roland Schröder.

WENN MAN EINE repräsentative Umfrage unter Schülerinnen und Schülern in Deutschland starten würde über die Beliebtheit des Schulfachs Mathematik, käme in der Tendenz das heraus, was die nebenstehende Grafik zeigt. Verhasst, sehr verhasst und unbeliebt wären, so lautet meine Vermutung, die am häufigsten genannten Antworten. Über das Ausmaß der Unbeliebtheit der Mathematik kann man streiten, über die Unbeliebtheit an sich wohl kaum.

Der Didaktiker Wolfgang Schlöglmann hat Gründe gesucht, warum so viele Schülerinnen und Schüler das Fach Mathematik hassen, und sie darum ausführlich befragt. Aus den von Schlöglmann gesammelten Antworten möchte ich diejenige eines Oberstufenschülers herausgreifen, weil sie für mich ein Grundmissverständnis verdeutlicht. Seine Antwort zeigt, dass viele Schülerinnen und Schüler offenbar gar nicht genau wissen, warum sie Mathe nicht mögen. Oder anders gesagt: Sie glauben den Grund ihrer Aversion zu kennen, aber sie irren sich. Der Schüler sagt, dass das Fach unbeliebt sei, liege daran, "dass man mit der höheren Mathematik im Alltag nicht sehr viel anfangen kann und eigentlich ...

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Kommentare

#1 -

Thomas Höhmann | Di., 12.11.2019 - 11:25
Beispiel, schlecht:

"Dann wird eben der Verlauf eines Flusses oder einer Straße, um die Anwendungsnähe zu erzwingen, zu einer kubischen Parabel, was in beiden Fällen zwar nicht der Realität entspricht, aber den klassischen Schulstoff thematisiert."



Beispiel, gut:

"Die Steigung eines nicht gradlinigen Graphen in einem Punkte kann über die Darstellung eines Wanderweges im Geländequerschnitt eingeführt werden, ... womit ... sogar eine anwendungsnahe Aufgabe gefunden ist. "



Wirklich?

#2 -

Mannheimer Studi | Di., 12.11.2019 - 11:57
@Höhmann: Das habe ich auch gedacht. Abgesehen von den Beispielen mit dem kleinen und großen Einmaleins habe ich die Beispiele übrigens genau so in der Schule präsentiert bekommen. Natürlich ist das eine rein anekdotische Argumention von meiner Seite. Allerdings argumentiert der Artikel auch rein anekdotisch. Nett zu lesen und sich dabei auf die Schulter zu klopfen wie toll die Mathematik doch ist. Allerdings erschließt sich mir der Mehrwert nicht ganz.

#3 -

Jörn Loviscach | Di., 12.11.2019 - 15:56
Mich treibt dieses Thema schon lange um. Jüngst:

https://j3L7h.de/blog/2019-06-02_11_40_Die%20Zerst%C3%B6rung%20der%20Mathematik

https://j3L7h.de/blog/2019-03-30_21_06_Zehn%20Jahre%20Mathe%20%26%20Co.%20auf%20YouTube

https://j3L7h.de/blog/2018-12-02_16_09_Wie%20viel%20Mathematik%20man%20im%20Job%20ben%C3%B6tigt

https://j3L7h.de/blog/2019-05-10_13_12_Zu%20den%20bayerischen%20Mathe-Abituraufgaben

https://j3L7h.de/blog/2019-06-25_17_52_Griechisch-lateinisches%20Handicap%20in%20der%20Mathematik

https://j3L7h.de/blog/2019-06-08_19_00_Singapur-Mathematik%20%22unlikely%20to%20offer%20a%20quick%20fix%22

https://j3L7h.de/blog/2018-11-24_18_39_%C3%9Cberraschendes%20%28%3F%29%20zum%20Mathematik-Lernen

#4 -

Roland Schröder | Di., 12.11.2019 - 17:06
Lieber Jörn,
ich gebe zu, bisher nur einen Deiner Links geöffnet und gelesen zu haben. Was ich da las, war sehr interessant. Nun interessiert mich Deine Stellung zu meiner These: "Schulischer Mathematikunterricht sollte erlebbar machen, wie mathematische Wissensbildung geschieht."

#5 -

Jörn Loviscach | Di., 12.11.2019 - 18:00
Nicht nur erlebbar machen, sondern Freude daran verschaffen, insbesondere das Erleben von Erfolg erlauben. Aus dem Erleben von Erfolg ensteht Motivation. Dagegen ist es ein Irrweg, zu versuchen, Motivation über geheuchelte* Praxisrelevanz herzustellen. Wo ist die Praxisrelevanz beim Fußball oder bei Pokémon? Motivation scheint also auch wunderbar ohne Praxisrelevanz zu klappen.



Deshalb mein Vorschlag, Mathematik gelassener zu sehen und gedanklich zu Kunst und Musik zu packen. Nur die Grundrechenarten (auch überschlägig), Dreisatz, Prozente und grundlegende Geometrie müssen Pflicht sein. Vielleicht sollte man Rechnen deutlicher von Mathematik abgrenzen, so wie Schreiben und Lesen nicht ein Schulfach Germanistik ist. Zumindest _noch_ nicht; ...

#6 -

Roland Schröder | Di., 12.11.2019 - 18:22
Sehr geehrter Herr Professor Loviscach,
entschuldigen Sie bitte meine Anrede in der Mail zuvor. Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Nur eines sollte aus meiner Sicht bedacht werden: Das 'Rechnenlernen' ist 'Mathematiklernen en miniature' (in meinem Aufsatz habe ich ein bißchen dazu gesagt).

#7 -

Jörn Loviscach | Di., 12.11.2019 - 18:36
Kein Problem, die unprätentiöse Anrede bin ich von YouTube gewohnt ("Jörn quatsch die leute nich voll.").
;-)
Die Unterscheidung zwischen Rechnen und Mathematik wäre vielleicht vor allem wichtig wegen Pflicht vs. Kür. Inhaltlich d'accord.

#8 -

Roland Schröder | Mi., 13.11.2019 - 16:34
@Prof Loviscach
In der Schulmathematik tritt dem Schüler das Rechnen in zwei Ausprägungen entgegen.
1. Im Rahmen einer Problemlösung. Hier ist dea Rechnen deitlich von der Marthematik zu trennen. Außerden kann es an einen Automaten delegiert werden.
2. Das Lernen des Rechnens ist im Prinzip von den gleichen Wesenszügen geprägt, wie das Lernen von Mathematik überhaupt.

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