Wir dürfen hier nichts bröckeln lassen
Heute trifft sich die Bundesforschungsministerin mit ihren Länderkollegen, um über Bundesmittel für Künstliche Intelligenz zu verhandeln. Im Interview spricht Anja Karliczek über das Standing der Wissenschaft in der Krise, die Priorität offener Schulen, persönliche Lerneffekte – und warum sie nach der nächsten Wahl Ministerin bleiben möchte.

Anja Karliczek (CDU). Foto: BMBF/Laurence Chaperon.
Frau Karliczek, noch ein Jahr bis zur Bundestagswahl. Lassen Sie uns eine vorläufige Bilanz Ihrer Zeit als Ministerin ziehen. Fangen wir an mit Ihrem holprigen Start.
Wir haben in dieser Legislaturperiode insgesamt sehr viel geschafft, um Bildung, Forschung und Innovation in Deutschland zu stärken. Auch im ersten Jahr meiner Amtszeit habe ich Initiativen gestartet – denken Sie an die Hightech Strategie oder den Start der Nationalen Dekade gegen Krebs. Der DigitalPakt Schule wurde verabschiedet. In viele andere Themen wollte ich aber zunächst noch tiefer durchdringen. Die Öffentlichkeit ist leider ungeduldig. Ich glaube aber, dass mein Weg dennoch grundsätzlich richtig war. Diese Zeit muss sich ein Spitzenpolitiker oder eine Spitzenpolitikerin auch nehmen, wenn er oder sie in ein neues Amt kommt.
Sie sind erstmal gegen eine Mauer gelaufen?
Ich schaue nach vorn, auch wenn ich mir gerade am Anfang dann und wann ein bisschen mehr Offenheit gewünscht hätte. Denn es kann ja durchaus ein Vorteil sein kann, wenn jemand eine Aufgabe übernimmt, mit der er in der Vergangenheit wenig Berührungspunkte hatte. Der Blick von außen kann manchmal neue Perspektiven eröffnen und damit neue Lösungen überhaupt erst ermöglichen. Wir sollten uns grundsätzlich mit weniger Vorbehalten und Vorurteilen begegnen und einander stattdessen gut zuhören.
Denken Sie dabei an etwas Bestimmtes?
Das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft ist enorm. Aber um dieses Vertrauen zu erhalten, sollte die Wissenschaft in einen noch intensiveren Austausch mit den Menschen treten, auf allen Ebenen. Es gehört zu ihren Aufgaben, der breiteren Gesellschaft zu erklären, wie Wissenschaft funktioniert, und sie, wo möglich, ein Stückweit daran teilhaben lassen. Vertrauen in Wissenschaft ist ein hohes Gut, gerade in diesen Zeiten. Wir dürfen hier nichts bröckeln lassen, sondern müssen das Vertrauen erhalten und am besten noch ausbauen.
Haben Sie denn das Gefühl, ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen