Es ist nichts verloren, und nichts ist hoffnungslos
Warum Fatalismus angesichts der tiefgreifenden Bildungskrise wenig bringt, tiefgreifende Reformen aber umso mehr: Ein Interview mit der scheidenden KMK-Präsidentin Karin Prien über eine Neugestaltung des Bildungsföderalismus, den Giftschrank der Bildungspolitik – und die Bundesbildungsministerin.

Karin Prien ist Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur in Schleswig-Holstein und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende . Foto: Ministerium.
Frau Prien, Ihr Jahr als Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) geht zu Ende, Ihre Nachfolgerin Astrid-Sabine Busse aus Berlin ist schon gewählt. Froh, dass es vorbei ist?
Wieso?
Zumindest viele Ihrer Vorgänger haben nach ihrer KMK-Präsidentschaft keinen Hehl aus ihrer Erleichterung gemacht, dass sich jetzt wieder andere um die Wirrungen des Bildungsföderalismus und der KMK kümmern müssen.
Natürlich bin ich froh, wenn ich mich jetzt wieder stärker auf meine Aufgaben als Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende konzentrieren kann – und nebenbei hoffentlich auch wieder mehr Zeit für Privates bleibt. Denn ja: Es war ein forderndes Jahr. Aber dafür ist es gelungen, bildungspolitische Impulse zu setzen und parallel die KMK in ihrer Arbeitsweise zu verändern.
Wieso hat dann die Öffentlichkeit so oft den Eindruck, dass sich alles auf der Welt weiterentwickelt, nur die KMK nicht?
Weil viele, auch viele Journalisten, gar nicht mitbekommen, was die KMK alles tut.
Ist das die Schuld der Leute oder die Schuld der KMK?
Das hat natürlich mit der KMK zu tun, mit ihrer Struktur und Rolle. Sie koordiniert, sie stimmt die Bildungspolitik der 16 Länder über ihre zahlreichen Gremien ab, bis zur Erschöpfung. So wichtig das ist, hat es doch wenig Bezug zu dem, was die Menschen in ihrem Alltag von Schule mitbekommen. Was zum Beispiel interessiert die Öffentlichkeit, welche Beschlüsse wir zu den neuen Bildungsstandards in der Grundschule gefasst haben?
Sollte es sie nicht interessieren?
Klar sollte es das, aber es ist auch ein Thema für bildungspolitische Spezialisten. Während die meisten überregional berichtenden Journalisten in Berlin leben, so dass das Bild von Schule, das sie öffentlich transportieren, sehr stark und einseitig von ihren Erfahrungen in Berlin geprägt ist.
"Umso ärgerlicher ist es, wenn sich eine Bundesbildungsministerin zu Themen äußert, für ...
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Kommentare
#1 - "Wenn jedes Land sich bei jedem Problem erstmal allein auf…
Nein, das Gegenteil ist richtig in einem guten Föderalismus. Es mangelt eher an der Bereitschaft der Länder, voneinander zu lernen.
Es braucht Mindeststandards in Daten und Inhalten, aber sicherlich nicht immer eine Lösung für alle. Denn dann könnte man die Aufgabe auch gleich dem Bund geben.
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