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Warum ich Christian Lindner dankbar bin

Der FDP-Chef stößt die Ampelkoalition mit Schwung in eine Priorisierungsdebatte hinein, die Deutschland schon vor Jahren hätte führen müssen. Es muss jetzt um die nötigen Zukunftsinvestitionen gestritten werden – aber nicht auf Kosten der nächsten Generation. Ein Essay.

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Artikelbild: Warum ich Christian Lindner dankbar bin

Foto: World Economic Forum , CC BY-SA 2.0 .

NEIN, ICH BIN NICHT mit allem einverstanden, mit allen Befunden und Vorschlägen, die Christian Lindner in seinem wirtschaftspolitischen Grundsatzpapier aufgelistet hat. Obwohl ich Volkswirtschaft studiert habe, fehlt es mir zudem an ökonomischem Sachverstand, um die Wirkung etlicher Maßnahmen seriös einschätzen zu können.

Ich nehme aber zur Kenntnis, das etwa seine Forderung nach einer Kehrtwende in der nationalen Klima- und Energiepolitik selbst unter Wirtschaftswissenschaftlern ein geteiltes Echo verursacht, während ihm aus Umweltpolitik und Verbänden teilweise lautstarke Proteste entgegenhallen.

Und wenn der FDP-Chef und Bundesfinanzminister "Effizienzpotentiale" bei Integrationskursen für Einwanderer erschließen will, frage ich mich ernsthaft, wie das zu den Warnungen passt, angesichts der ohnehin schon für 2025 geplanten Förderkürzungen um mehr als die Hälfte könnten 180.000 Menschen ohne Kursplatz bleiben.

Insgesamt aber verdient Lindner Anerkennung für sein Papier und die überfällige Diskussion, die er damit befördert. Kurz gesagt lautet seine Botschaft: Der Staat hat nicht zu wenig ...

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Kommentare

#2 -

Lilly Berlin | Mi., 06.11.2024 - 23:19
Tatsächlich ist es ja Tradition in Deutschland, bei sich abzeichnendem Unmut Wohltaten am die wählenden Bevölkerung auszuschütten, statt an Morgen zu denken. Im Umkehrschluss ist auch klar, wo bei Bedarf problemlos gespart werden kann: bei den Nicht-Wählern. Jüngstes Beispiel in schwarz-rot regierten Berlin: keine Klassenfahrten mehr. Oder in Dresden: es stürzt eine Brücke ein - der Wiederaufbau soll über die Anhebung der Kita-Gebühren finanziert werden. Deutschland 2024.

#3 -

Wolfgang Kühnel | Do., 07.11.2024 - 11:42
Halten wir fest: Für das, was der obige Artikel an Gedanken enthält, wurde Lindner gestern vom Kanzler gefeuert, weil man doch eine "sozialere Politik" machen möchte mit mehr Schulden, während Lindner als der unsoziale Buhmann hingestellt wird. Die SPD profiliert sich ja gerne als die Partei des "sozialen Gewissens".
Das Gespenst an der Wand: Das Soziale frisst den regulären Etat auf, Investitionen werden dann auf Pump getätigt.

#4 -

Django | Do., 07.11.2024 - 13:01
Ich würde mir dann auch eine Übersicht wünschen, an welchen Stellen der tapfere Finanzminister *nicht* angesetzt hat. Auch wenn es im Gesamthaushalt eher ein kleiner Betrag ist, fällt mir z.B. das Dienstwagenprivileg ein. Oder das Ehegattensplitting. Beides Wohltaten, die mit steigendem Einkommen eine größere Wirkung entfalten. Oder das Nebeneinander von Kindergeld und Kinderfreibetrag (auch hier wächst die Wirkung mit dem Einkommen). Oder oder oder.

#5 -

Wolfgang Kühnel | Do., 07.11.2024 - 23:24
"... wächst die Wirkung mit dem Einkommen."

Aber nur geringfügig. Kindergeld und Kinder-freibetrag laufen bei mittleren Einkommen auf dasselbe hinaus. Bei einem Grenzsteuersatz von 40 % erspart der Freibetrag i.H. von rund 9000 € nur 3600 € , das Kindergeld i.H. von 3000 € fällt aber weg, bleiben 600 € übrig. Mit diesem Kleinklein kann man die Haushaltslücke nicht schließen. Eher schon bei Cum-Ex ...

Und die Wirkung des geschmähten Ehegatten-splittings ist auch gedeckelt und nützt viel mehr den mittleren als den hohen Einkommen. Wenn ein gut verdienender Mann eine arme Frau heiratet, ist der Splitting-Vorteil geringer als das Bürgergeld, ...

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