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Was geht jetzt noch?

Nach dem Bruch der Ampelkoalition könnte der Stillstand für Bildung und Wissenschaft bis nächsten Sommer andauern. Doch es muss nicht zwangsläufig so kommen. Ein erster Überblick.

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Artikelbild: Was geht jetzt noch?

Symbolbild von Willfried Wende / Pixabay.

DAS SCHICKSAL DER DATI fasste am Tag des Koalitionsbruchs die unmittelbaren Folgen für Wissenschaft und Bildung fast schon idealtypisch zusammen. Nach der Kabinettssitzung am Mittwochmorgen hatte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger noch Vollzug vermeldet . Nach dem jahrelangen Hin und Her um das Gründungskonzept war dieses endlich beschlossen worden, das BMBF beantragte umgehend beim Haushaltsausschuss, 30 gesperrte Agenturmillionen noch für dieses Jahr freizugeben. Stark-Watzinger fabulierte vom "Lösen der Bremsklötze".

Am späten Abend, um 23.55 Uhr, verkündete die FDP-Politikerin dann, was bereits erwartet worden war: "Das Ultimatum des Kanzlers, mit der Schuldenbremse zu brechen, war der kalkulierte Bruch mit unseren Überzeugungen. Die Entlassung von Christian Lindner ist gleichbedeutend mit dem Ende unserer Regierungsbeteiligung. Ich werde den Bundeskanzler morgen um meine Entlassung bitten." So schnell geht es mit dem Rücktritt einer Ministerin, den sie eben noch in der Fördermittelaffäre so vehement abgelehnt hatte. War es das dann auch mit der DATI für diese Legislaturperiode? So lange aufgeschoben und verzögert wie viele andere wichtige BMBF-Projekte, dass sie nach dem vorzeitigen Ende der Koalition nun womöglich gar nicht mehr ins Ziel kommt?



Dieselben Fragen stellen sich für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Für das Forschungsdatengesetz. Für die Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes. Und – aus Sicht der Schulen besonders bitter – für die Fortsetzung des Digitalpakts, die nach dem unwürdigen Gezerre zwischen Bund und Ländern nun endlich ebenfalls auf der Verhandlungs-Zielgeraden einzutreffen schien.

Alles zu Ende, alles vorbei? Stillstand der Rechtspflege in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik, bis Scholz im Januar die Vertrauensfrage stellt, voraussichtlich im März die Bundestagswahl stattfindet und sich nach voraussehbar langwierigen Koalitionsverhandlungen irgendwann im Frühsommer die neue Bundesregierung konstituiert? Ein Schreckensszenario, das nur noch davon getoppt wird, dass alle, die jetzt sagen, "Gut, dass es mit der Ampel vorbei ist", böse überrascht werden könnten von Zusammensetzung ...

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Kommentare

#1 -

Leif Johannsen | Do., 07.11.2024 - 12:48
Ich muss gestehen, ich bin sprachlos ueber das was wir gerade geboten bekommen. Gestern aufgewacht mit der Erkenntnis, dass die USA mit ansehnlicher Mehrheit einen wirren Autokraten als Praesidenten wiedergewaehlt haben, und heute mit dem Gefuehl, dass unsere Regierung aus lauter Hasenfuessen besteht, die Reissaus nehmen, weil sie den naechsten Wendepunkt in der Dauerkrise am Horizont erahnen. Einerseits hoeren wir ueberall blurps von "Produktivitaet, Innovation, Fortschritt, Zukunftsfaehigkeit, bladiblup etc pp" und andererseits bekommen wir ein Trauerspiel des Vertagens notwendiger Reformen und der allgemeinen Handlungsunfaehigkeit geboten. Das heisst, von (disruptiven) Innovationen in der Bildungs- und Forschungspolitik keine Spur. Wo zeigt sich ...

#2 -

Th. Klein | Fr., 08.11.2024 - 10:12
Auch wenn Oliver Kaczmarek Optimismus verbreiten möchte, das WissZeitVG wird mindestens ein Jahr erneut auf Eis liegen, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben.



Eigentlich böte sich gerade das WissZeitVG an, über die Parteien bzw. die Koalition hinweg die Sachverhalte zu klären und abzustimmen. So lief ja teilweise der bisherige Diskurs. Da im Zentrum der generellen Debatte um Neuwahlen und Gesetzesabstimmungen aber genau diese Zusammenarbeit steht, wird man sich hier keinen Präzendenzfall leisten. Zunächst wird weiter gepokert, wer in Vorleistung geht, die politische Zusammenarbeit (durch die Opposition) oder die Vertrauensfrage (durch den Kanzler).

#3 -

Larissa Klinzing | So., 10.11.2024 - 19:15
Solange die WissZeitVG-Verhandlung im BT nicht gecancelt ist, schauen wir lieber auf noch üblich gebliebene Optionen.
In den Zeiten der multiplen Krisen wird es länger als ein Jahr dauern, bis ein solches Gesetz verabschiedet wird, und es wird vermutlich nicht deutlich besser sein als jetzt. Deswegen halte ich eine kleine Novelle mit Länderöffnungsklausel jetzt für die Betroffenen und die Universitäten hilfreicher als frühestens in 2026.

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