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Hanna etwas weitergedacht

Was es für diesen Sommer wissenschaftspolitisch zu besprechen gibt. Ein Gastbeitrag von Carsten von Wissel.

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Artikelbild: Hanna etwas weitergedacht

Das ist Hanna. Screenshot aus dem umstrittenen Erklärvideo von 2018, mit dem die ganze Debatte ihren Anfang nahm.

IMMER WIEDER PRÄGT eine falsche Entgegensetzung die Debatte um die Folgen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Man könne nicht alle entfristen, schallt denen, die auf die Probleme flächendeckender Befristung hinweisen, entgegen.

Bis vor kurzem hatten sich BMBF, Hochschulrektorenkonferenz und Universitätskanzler*innen in einer bis dahin nicht einmal wirklich erfolglosen Gesprächsverweigerungskultur eingerichtet. Zu Anfang der Empörungs- und Testimonialwelle, die unter dem Hashtag #IchbinHanna durch die sozialen und allmählich auch nichtsozialen Medien schwappte, sah es auch so aus, als ließe sich auch dem wieder mit den gewohnten floskelhaften Topoi begegnen. Befristung habe einen Sinn, verkündete das BMBF mit einem dürren Text auf seiner Homepage, und bebilderte diesen Text irritierenderweise mit einem Mikrophon und einem leeren Redepult. Etwas später, nach einem weiteren Staatssekretärsvideo und einer Bundestagsdebatte, gab eine HRK-Vizepräsidentin zu Protokoll, dass es halt keinen Platz für alle gebe. Und ein anderer Vizepräsident erläuterte in einem Streitgespräch auf diesem Blog, dass es die Drittmittelgeber seien, die auf Befristung bestünden, weil sie schließlich nicht akzeptieren würden, dass ihr Geld für Haushaltsstellen ...

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Kommentare

#1 -

Anonym | Do., 01.07.2021 - 17:09
Das System wuerde sofort zusammenbrechen, wenn niemand mehr Interesse haette, eine Doktorarbeit zu schreiben. Denn wen will man dann auf Dauer befristet ausnutzen? Die meisten Professoren (oder ausseruniversitaeren Forschungseinrichtungen) wollen nur Ergebnisse von ihren Sklaven und tauschen diese dann regelmaessig aus, wenn ausgebrannt.



Aber dieser Ansatz hat System in Deutschland. Man zahlt z.B. den Leuten in der Pflege wenig, verlangt viel. Statt das System zu reformieren, wirbt Deutschland günstige Hilfskraefte aus dem Ausland an fuer die Pflege. Die kennen das System noch nicht und denken, in Deutschland ist es toll.



Deutschland setzt immer auf Ausbeutung. Warum steht Deutschland in der ...

#2 -

Hanna mit Daue… | Fr., 02.07.2021 - 16:24
Hervorragende und treffende Analyse. Auch, aber bei weitem nicht nur, an meiner Universität exakt so zu beobachten: Dauerstellen gibt es wenn, dann fast ausschließlich mit (regelmäßig mehreren) "Funktion(en)" im immer größer werdenden zentralen Verwaltungsapparat oder einem Lehrdeputat, dass einem schwindelig wird (zw. 8 und 16 (!) SWS). Die Stellen in der zunehmend ausufernden Zentralverwaltung werden sehr gerne durch Kürzungen und Streichungen an den ohnehin schon weitgehend kaputtgesparten Fb und Instituten finanziert, die nur noch vom Engagement und der unbezahlten Mehrarbeit der Promovierenden, Postdocs und Professuren aufrecht erhalten werden - Umverteilung von unten nach oben in der Universitätsfassung.



Interessant jedoch, dass ...

#3 -

Dr. Corinna M… | Fr., 02.07.2021 - 23:00
Innovationsfähigkeit bleibt das Paradeargument für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das Sonderarbeitsgesetz zur Befristung der Arbeitsverträge der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen in den Hochschulen. Wenn es denn um „Innovationsperformanz“ (was für ein Wort!) gehen soll, so müsste aber endlich auffallen, dass das Werben für neue Ideen über das Werben von neuen Köpfen gar nicht funktioniert. Woher kommt bloß diese dominante Idee, dass nur neue (und junge!) Wissenschaftler*innen auf befristeten Stellen innovativ arbeiten könnten?

Bei fast allen für die Hochschulen relevanten Politiker*innen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschlossen, liegt ein ganz entscheidendes Missverständnis vor, wenn argumentiert wird, dass wissenschaftliche Innovationen (strenggenommen: Inventionen) nur durch neue Gesichter an ...

#4 -

Ex-Hanna | Mo., 05.07.2021 - 14:37
"Bei fast allen für die Hochschulen relevanten Politiker*innen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschlossen, liegt ein ganz entscheidendes Missverständnis vor, wenn argumentiert wird, dass wissenschaftliche Innovationen (strenggenommen: Inventionen) nur durch neue Gesichter an den Hochschulen gesichert würden."



Da möchte ich doch glatt mal die Gelegenheit nutzen, um auf die akademische Laufbahn von zwei der größten Befürworterinnen des WissZeitVG hinzuweisen: Frau ____ .__ . Annette Schavan und Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, die an einer Technischen Hochschule berufen wurde, nachdem sie - an der gleichen Hochschule, an der sie auch promoviert wurde - schon 13 Jahre als Post-Doc beschäftigt gewesen ist. Das ...

#5 -

Anonymous | Mi., 07.07.2021 - 12:33
@Hanna mit Daueraufgaben

Der Kommentar zu prekären Arbeitssituationen in der Univerwaltung stimmt so nicht ganz. Inzwischen haben sich mehrere Projektkordinatoren in unbefristete Verträge geklagt. Es besteht eine gewisse Rechtsunsicherheit, so daß nun zumindest an manchen Unis keine befristeten Projektkoordinationsstelle ausgeschrieben werden. Anstelledessen bilden Unis jetzt Pools von Projektkoordinatoren, wo schnell mal jemand von der Germanistik zur Biologie rübergeschoben werden kann... das wird sicher supi!

Insgesamt ist die Zahl der befristeten Stellen in der Verwaltung um ein Vielfaches niedriger als bei den Wissenschaftlern.

#6 -

Ex Hannes | Sa., 10.07.2021 - 13:33
Also wenn ich den Einwand zu "Dauerstellen und Daueraufgaben" richtig lese, dann weiß ich nun, warum viele Anpassung, Digitalisierung, Management-Methoden etc. an der Beamtenschaft vorbei gehen, an den Formularen des Finanzamts (und Online-Services) keine Änderungen erfolgen oder auch die Verschwendung von Mrd.-Beträgen weiter läuft und das öffentliche Projektmanagement (Bundewehr, Straßenbau, BER) nicht funktionieren: Es gibt einfach seit Jahren und Jahrzenten keine "Innovation". Aber Regelbeförderung! Die Feststellungen zum gesellschaftlichen Schaden dürfte unstreitig sein und läßt sich z.B. aus Berichten des Bundesrechnungshofs bis hin zu zahlreichen Kabarett-Sendungen belegen.



ABER die hier "präsentierte" Begründung ist weder kausal noch hinreichend. Die Herleitung hanebüchend. Der ...

#7 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 31.07.2024 - 21:19
@ Ex-Hanna

Sie liegen mit ihrem Kommentar zu Frau Wanka falsch. Frau Wanka ist in dem DDR-System aufgewachsen und hatte nach ihrer Promotion ab 1985 eine Stelle als "wiss. Oberassistentin", das ist etwas völlig anderes als "Post-Doc" moderner Prägung. In der DDR waren nach der Promotion schon wiss. Assistentenstellen oft unbefristet (genau das, was heute gefordert wird), Oberassistentenstellen dann erst recht. Und das war eine (heutige) Fachhochschule. Wenn Sie aber dieses DDR-System näher anschauen, dann bin ich nicht sicher, ob Sie uns das wirklich empfehlen können. Ich meine aber nicht die Einflussnahme durch die SED. Fragen Sie einfach, was vor ...

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