Direkt zum Inhalt

Schluss mit dem Marktgeschrei!

Wenn führende Universitäten in Pressemitteilungen ihre Platzierung

in methodisch fragwürdigen Rankings verkünden, dann vergessen sie

dabei ihre eigenen wissenschaftlichen Standards. Ein Gastbeitrag von Gero Federkeil.

Bild
Artikelbild: Schluss mit dem Marktgeschrei!

Illustration: Mohamed Hassan / Pixabay.

HOCHSCHULEN SIND ORTE, an denen wissenschaftliche Standards und Methoden entwickelt und gelehrt werden. Die nach diesen Standards Forschung betreiben und Forschungsergebnisse auf deren Einhaltung überprüfen.

Doch sobald es gute Rankingergebnisse zu verkünden gibt, scheint wissenschaftliche Qualität für viele Hochschulen, für deren Pressestellen und Rektorate, plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Hauptsache, man kann stolz verkünden, dass man in einem Ranking 57. in der Welt und damit national der beste oder zweitbeste ist – egal, ob dieses Ranking einer kritisch-wissenschaftlichen Überprüfung standhält – oder eben nicht.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür lieferten jüngst die Reaktionen auf neue Publikationen des kommerziellen QS World University Rankings . Vor einigen Wochen publizierte QS eine Serie von Ranglisten für 51 Fächer von Physik bis zu Kunst und Design, sogar "Theology, Divinity and Religious Studies" wurden präsentiert. Reihenweise verkündeten Universitäten (Fachhochschulen kommen in dem Ranking prinzipiell nicht vor) im In- und Ausland ihre exzellenten Ergebnisse. Zwei Beispiele unter vielen: "Im Bereich Geschichte sind wir deutschlandweit auf Platz 1, weltweit auf Platz ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

na ja | Do., 12.05.2022 - 10:44
Da ist man platt. Das CHE gehoert doch selbst zu den Einrichtungen, die das ranking von Universitaeten massiv vorwaerts treiben. Sicherlich mit anderer "Methodik", aber insgesamt mit genauso zweifelhaften Ergebnissen wie diejenigen von THE oder QS. Auch bei CHE kann man die Ergebnisse sortieren lassen nach einzelnen Scores, auch dort gibt es Rangordnungen, die von den Universitaeten in der peinlichsten, marktschreierischen Art und Weise auf ihren Webseiten verkuendet werden. Unter Kollegen schickt man sich das gegenseitig zu und lacht sich tot.



Am Rande:

Ein besonders netter Trick der Ergebnisinterpretation seitens der Marketingabteilungen deutscher Universitaeten besteht uebrigens darin, einen permanenten Abstieg ...

#2 -

St. L. | Do., 12.05.2022 - 17:27
Auch hier gilt das Winston Churchill zugesprochene Bonmot: "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe."

Nach meiner Ansicht werden an deutschen Hochschulen, insb. an deutschen Universität, zwei Sachen fundamental überschätzt: der eigene Internetauftritt und (damit verbunden) der eigene Platz in den diversen Rankings. Überhaupt finde ich, dass die Selbstüberschätzung der deutschen Hochschulen derzeit ein Höchstmass erreicht hat. Da wird tagein tagaus wissenschaftliche Durchschnittsleistung als bahnbrechende Forschung verkauft, und das quer durch alle Disziplinen.

Den tatsächlichen wissenschaftlichen Spitzenleistungen kommt dadurch leider nicht die Bedeutung und Anerkennung zu, die sie eigentlich verdient haben.

#3 -

na ja | Fr., 13.05.2022 - 02:14
@St. L.: ja, genau so ist es. Jeder kleine Publikationspups wird als Pressemitteilung herausgebracht, in peinlicher Zusammenarbeit von ausser Kontrolle geratenen Kommunikationsabteilungen und nach Aufmerksamkeit geiernden Durchschnittswissenschaftlern. Dieser Zustand wird noch schlimmer werden, weil ja Wissenschaftkommunikation allerorten als unbedingt notwendig gehypt wird. Otto Normalverbraucher muss und will angeblich unbedingt "verstehen", was an den Universitaeten in der Forschung passiert.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Und, geht das mit der Maskenpflicht?

Und, geht das mit der Maskenpflicht?

Zwei Gerichtsverfahren, zwei unterschiedliche Entscheidungen: Warum in Marburg ein Student jetzt ohne Mund-Nasen-Schutz in die Uni darf und ein anderer in Mainz weiter nur mit Maske Zutritt hat. Ein Gastbeitrag von Sibylle Schwarz.


  • Inkonsequent und wirkungsschwach

Inkonsequent und wirkungsschwach

Wie die alte Bundesregierung den Aufbruch bei Open Access verschlafen hat und warum die Ampel jetzt dringend aufwachen muss. Ein Gastbeitrag von Petra Sitte und Simon Weiß. Illustration: Sumik Kumar / Pixabay. DIE ERGEBNISSE öffentlich finanzierter Forschung sollten allen zugänglich sein, wissenschaftliche Veröffentlichungen daher nicht hinter Bezahlschranken verschwinden.


  • Wann, wenn nicht jetzt?

Wann, wenn nicht jetzt?

Deutschlands Bildungspolitik steht angesichts hunderttausender aus der Ukraine geflüchteter Kinder und Jugendlicher vor gewaltigen Integrationsaufgaben. Wir müssen sie annehmen, den Föderalismus weiterentwickeln und einen ständigen Bildungsgipfel einrichten. Ein Gastbeitrag von Holger Mann. DER UKRAINE-KRIEG wird vermutlich nicht schnell vorbei sein.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • IHS goes DATI

IHS goes DATI

Warum das Programm "Innovative Hochschule" (IHS) ein entscheidender Booster sein kann für die künftige Agentur für Transfer und Innovation. Ein Gastbeitrag von Florian Berger, Nadia Galati und Maria Stalla.


  • Artikelbild: Jenseits des akademischen Tellerrands

Jenseits des akademischen Tellerrands

Alle reden von Transfer in der Forschung. Wie aber geht eigentlich Transfer in der Lehre? Ein Gastbeitrag von Albert Kümmel-Schnur, Johanna Vogt, Karin Bürkert, Matthias Möller und Sibylle Mühleisen.


  • Artikelbild: Großer Aufwand für wenige Vertragsmonate

Großer Aufwand für wenige Vertragsmonate

Die Erkenntnisse der offiziellen Evaluation des WissZeitVG sind wichtig. Das gilt allerdings auch für die Fragen, die sie auslässt. Ein Gastbeitrag von Lisa Janotta und Tilman Reitz.