Direkt zum Inhalt

Vertrauensbildung geht anders

Die "Wuppertaler Erklärung zur vertrauenswürdigen Wissenschaftsgovernance" hätte zu einem Signal aufrichtiger Veränderungsbereitschaft werden können. Heraus kam ein Hochglanzpapier, das Schaden verursacht. Ein Gastbeitrag von

Heinz G. Fehrenbach, Sophia Hohmann und Jana Lasser.

Bild
Artikelbild: Vertrauensbildung geht anders

Hehrer Anspruch: Um einen "konstruktiven Umgang mit Konflikten und Vorwürfen" sollte es gehen bei der Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal. Foto: Screenshot von der Uni-Website .

DER TITEL DER VERANSTALTUNG ließ uns auf eine Debatte hoffen, wie sie an Hochschulen und Forschungseinrichtungen viel zu selten offen geführt wird. " Governance in Wissenschaftsorganisationen – Konstruktiver Umgang mit Konflikten und Vorwürfen ", so war die Tagung überschrieben, die Mitte März an der Bergischen Universität Wuppertal stattfand.

Noch gespannter waren wir auf die im Nachgang erschienene " Wuppertaler Erklärung zur vertrauenswürdigen Wissenschaftsgovernance ". Die Liste der Unterzeichner:innen ist illuster: von Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, über den kürzlich ausgeschiedenen Vorsitzenden des Deutschen Hochschulverbands (DHV), Bernhard Kempen, bis hin zur Leiterin des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung, Isabell Welpe, der Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Governance an der Universität Passau, Carola Jungwirth, und der Präsidentin der Bergischen Universität Wuppertal, Birgitta Wolff.

Eine Hochglanzpapiersprache, die wesentliche Aspekte der Thematik vernebelt

Wir, der Vorstand des Netzwerkes gegen Machtmissbrauch , möchten unsere Meinung ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Carola Jungwirth | Do., 20.04.2023 - 22:02
Wir bedauern sehr, dass Heinz G. Fehrenbach und seine Koautorinnen nun in demselben Spirit die „Wuppertaler Erklärung“ ablehnen, mit der er auch schon seine Teilnahme an der wissenschaftlichen Tagung „Governance in Wissenschaftsorganisationen: Konstruktiver Umgang mit Konflikten und Vorwürfen“ abgesagt hat. Auch die ausdrückliche Einladung zur Kommentierung einer Entwurfsversion der Erklärung wurde nicht angenommen. Wir hätten uns über eine konstruktive Diskussion gefreut. Auf der Konferenz wurde beispielsweise diskutiert, warum es wichtig ist, rechtsstaatliche Prinzipien zu betonen. Wir werden weiterhin dafür werben und dazu einladen, auf wissenschaftlichen Konferenzen und darüber hinaus direkt miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch Themen, die uns selbst ...

#2 -

Tina Salomon | Fr., 21.04.2023 - 10:43
Ich bin nicht Mitglied des Netzwerks gegen Machtmissbrauch, sondern Betroffene - und werde vermutlich nie an der Diskussion beteiligt werden. Ich schließe mich der Einschätzung des Netzwerks an: Die "Wuppertaler Erklärung" ist sehr unausgewogen. Es handelt sich um die professorale Perspektive auf das Problem, die mögliche Anschuldigungen gegen Professor*innen und Verfahrensmängel in der Verantwortung der Hochschulleitungen in den Mittelpunkt stellt. Der Vielfältigkeit der Problematik wird die Erklärung damit nicht gerecht: Die überwiegende Anzahl der Fälle ist im starken Hierarchiegefälle Professor*innen/Mitarbeitende angesiedelt und für keine der unterschiedlichen Erscheinungsformen ("Ehrenautorenschaften", professionelle Vergeltung nach der Aufdeckung wissenschaftlichen Fehlverhaltens, Diskriminierung, Mobbing/Bossing, ... ) ergeben ...

#4 -

Sophia Hohmann | Fr., 21.04.2023 - 12:49
Hallo Tina Salomon! Danke für diese wichtige Ergänzung. Ich finde auch, dass in der gesamten Debatte die Perspektive von Betroffenen, die strukturell bedingt weniger Macht im System besitzen, zu kurz kommt. Wir bemühen uns bei MaWi darum, diese Perspektive zu stärken und verschiedene soziale Identitäten bei der Diskussion des Themas zu berücksichtigen.



Den Punkt mit dem Scheitern habe auch ich vor diesem Hintergrund als besonders belastend empfunden. Zunächst, weil nicht jeder Ausstieg aus der Wissenschaft ein Scheitern ist. An anderer Stelle wird auch von der besonderen Selektivität des Wissenschaftssystems gesprochen – hier werden aber nicht strukturelle u. a. geschlechterspezifische oder ...

#5 -

David J. Green | Fr., 21.04.2023 - 14:30
Es gibt zwei verschiedene Machtmissbrauch-Probleme im Hochschulwesen:

1) Ganz allgemein eröffnet die besondere, hochspezialisierte Natur des Wissenschaftsbetriebs – oft ist die vorgesetzte Person die einzige überhaupt, die meine Leistungen ausreichend einschätzen kann – viele Möglichkeiten zum Machtmissbrauch, und auch in der Wissenschaft sind wir nur Menschen.

2) Erdrückend auffällig ist, wie oft es eine Frau und/oder eine ausländische Person trifft, wenn Fehlverhaltensvorwürfe doch zu öffentlich bekannt gewordenen Konsequenzen führen.

Bei MaWi geht es um 1), und tatsächlich ist dort die Anzahl der Betroffenen viel größer, zumal die dringend reformbedürftige deutsche Wissenschaftskarrierestruktur besonders viele Gelegenheiten zum Fehlverhalten anbietet.

Das bedeutet aber ...

#6 -

Tina Salomon | Fr., 21.04.2023 - 20:53
@David J. Green: Da ich mich so eingehend mit der Thematik auseinandersetzen musste, habe ich natürlich auch die Fälle beachtet, die Sie in die zweite Kategorie einordnen. Und muss leider widersprechen: Es gab eine Reihe von Fällen (deutlich < 20), aber quantitativ ist das sicher nicht der Schwerpunkt, deswegen wirkt die Aufmerksamkeit die diese Fälle mit einer zweitägigen Konferenz und der Erklärung bekommen haben, angesichts der Vielzahl der Fälle, die das Netzwerk und andere Stellen (der Instagram-Account von #MeTooScience, die AG Macht und Gender, der WissMob und mittlerweile auch die Presseberichterstattung) anführen, disproportional.



Und so eindeutig, wie Sie es darstellen, ...

#7 -

Beate Kerpen | Sa., 22.04.2023 - 12:40
Ich finde es bedrückend, dass die vielen Engagierten gegen Machtmissbrauch im Wissenschaftssystem sich hier aufspalten, statt miteinander zu reden. Es ist schade, dass das Netzwerk gegen Machtmissbrauch nicht an der Wuppertaler Konferenz teilgenommen hat, um eigene Kernanliegen oder Perspektiven in die Konferenz und Erklärung mit einzubringen!

Wie mein Vorredner sehr gut schreibt, gibt es unterschiedliche Problematiken, die man nicht gegeneinander ausspielen sollte. Diese unterschiedlichen Problematiken und Opfergruppen differenziert zu beleuchten und nach strukturellen Zusammenhängen zu suchen, ist eine der entscheidenden Aufgaben. Das oft implizierte Fazit, dass man (bzw. frau) auf einer höheren Karrierestufe nicht Opfer von Machtmissbrauch und Mobbing sein ...

#8 -

Nase voll | Sa., 22.04.2023 - 21:12
Hier geht nix voran. Fakt ist, dass die Machthaber in der Wissenschaft gar kein Interesse haben, Macht aufzugeben. Da wird nur kompliziert herumgeredet, dass es nicht auffällt und auch solch komische Einteilungen wie oben bei David J Green verschleiern das Problem nur weiter

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Umsteuern bei der Umsatzsteuer

Umsteuern bei der Umsatzsteuer

Wir brauchen endlich eine zielgerichtete Debatte, wie die Politik die Wissenschaft in Deutschland vor einer schädlichen Interpretation europäischen Rechts bewahren kann. Ein Gastbeitrag von Markus Hinsenkamp.


  • Schluss mit dem Entweder/Oder

Schluss mit dem Entweder/Oder

In der Bildungspolitik stehen sich die Fronten "Fortschritt" und "Tradition" häufig unversöhnlich gegenüber. Dabei sind die Überzeugungen beider Seiten merkwürdig entkoppelt von den empirisch messbaren Ergebnissen. Das muss sich ändern. Ein Gastbeitrag von Matthias Güldner.


  • Ein Gesetz, drei Vorschläge

Ein Gesetz, drei Vorschläge

Das BMBF hat seine WissZeitVG-Eckpunkte "zurück in die Montagehalle" geholt. Ein öffentliches Gespräch mit Hochschulrektoren, Wissenschaftsorganisationen, Verbänden und Initiativen soll am Donnerstag den Durchbruch bringen. Drei Vorschläge, wie das gelingen könnte.