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Baut endlich ein College

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek könne sich in die Geschichte der deutschen Universitäten einschreiben, meint Harro Müller-Michaels – und sagt auch, wie.

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Artikelbild: Baut endlich ein College

Harro Müller-Michaels war Dekan und Prorektor an der Ruhruni Bochum. Foto: privat.

Herr Müller-Michaels, in den Neunziger Jahren waren Sie Prorektor für Lehre an der Ruhr-Universität Bochum und haben dort maßgeblich die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen vorangetrieben – deutlich bevor die Bologna-Reform Fahrt aufnahm. Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem, was sich aus ihrer Initiative von damals entwickelt hat?

Vom Rechtwissenschaftler Dieter Simon stammt der Satz: "Die Universität ist verrottet." Er schrieb ihn 1991 in einer verbreiteten Zeitschrift, damals war Simon Vorsitzender des Wissenschaftsrates, und er fügte hinzu:

Die Universität bedürfe einer Neuorientierung. Das war für uns in Bochum die Initialzündung, die universitäre Lehre neu zu denken – mit ersten Bachelor-Studiengängen schon Jahre vor der europaweiten Studienreform. Denn wir waren davon überzeugt, dass die Antwort auf die Krise der Universität nicht in neuen Zugangshürden liege, sondern in zeitgemäßen Studienstrukturen. Und ich glaube bis heute, dass wir Recht hatten.

Dennoch kritisieren Sie das etablierte Bachelor-Master-System heftig und fordern einen weiteren grundlegenden Wandel . Sie wollen Colleges nach amerikanischem Vorbild etablieren.

Ja, weil mir über die Jahre immer deutlicher geworden ist, wie gründlich vielerorts die Idee der Studienreform missverstanden wurde. Irgendwann fragte mich die damalige NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, ob ich nicht mal einen Aufschlag machen wollte, wie wir aus der Misere von bundesweit 18.000 Studiengängen herauskommen. Erst dachte ich, was soll das noch für einen Sinn haben.

Aber dann begannen die Debatten um die Zukunft von Hochschulpakt, Qualitätspakt Lehre und Co. Bei denen ...

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Kommentare

#1 -

Stephan Gutzeit | Di., 02.04.2019 - 17:56
Herr Müller-Michaels hat Recht mit seiner Grundidee. Auch mit seiner differenzierten Bewertung der "Colleges" in Freiburg und Lüneburg. Das sind Türschildprojekte: Es ist allenfalls ansatzweise drin, was außen auf der Dose drauf steht.



Aber er hat Unrecht damit, dass es in Deutschland kein echtes College gäbe. Er möge mal hier nachsehen:



https://berlin.bard.edu/



Ich habe dieses College Ende der 1990er Jahre gegründet, als European College of Liberal Arts (ECLA). Wir mußten Taschengeld von sieben deutschen Stiftungen zusammenkratzen, bevor wir anfangen konnten. Einige Jahre später übernahm eine amerikanische Stiftung ECLA: Die Stifterin dort hatte im Gegensatz zu unseren deutschen Förderern den Wert ...

#2 -

Stephan Gutzeit | Di., 02.04.2019 - 17:57
Fortsetzung des vorherigen Posts (die Länge sei mir verziehen, weil meine Anmerkungen grundsätzlicher Natur sind und auf viele aktuelle Fehlentwicklungen in Deutschland anwendbar):





Herr Müller-Michaels unterschätzt, was Nötig wäre. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Ein echtes College dreht sich, politisch gesprochen, um die Studenten. Die deutsche Wissenschaft dreht sich um die Lehrstuhlinhaber. Eine solche kopernikanische Wende soll im vermachteten, gleichgeschalteten deutschen Wissenschaftsbetrieb möglich sein?



Zweitens ist auch inhaltlich der Acker für ein humanistisches College in Deutschland so versalzen wie in keinem anderen europäischen Land. Das hat ideengeschichtliche Gründe: Schon bald nach Humboldts Ausscheiden 1810 ging es an der zunächst ...

#3 -

Juliane Bester… | Mi., 03.04.2019 - 14:55
Als Prorektorin der Universität Freiburg freut mich die Aufmerksamkeit, die das University College Freiburg (UCF) erfährt. Zugleich möchte ich zum Interview mit Harro Müller-Michaels einige Präzisierungen anbieten. Vor allem möchte ich Sie beide, Prof. Müller-Michaels und Herrn Wiarda, sehr gerne nach Freiburg einladen.



In seiner Ideenentwicklung macht Müller-Michaels Anleihen in den USA, erwähnt aber nicht, dass die Vielfalt der amerikanischen College-Modelle den Erfolg ausmacht. Das Modell UCF ist nicht eine Uni in der Uni, auch keine Insel und auch kein Ersatz für die gute und exzellente Lehre insgesamt, sondern eine spezifische und integrierte Ergänzung. Das UCF ist zudem ein didaktischer ...

#4 -

Mannheimer Studi | Mi., 03.04.2019 - 22:50
Zu meiner Zeit in Mannheim gab es auch eine Diskussion ein solches College als Leuchtturm zu gründen. Ich hielt das eigentlich für eine gute Idee, doch es gab aus verschiedener Richtung kritik. Am wenigsten stichhaltig war die des Asta, dass ein solches College nur eine reiche Leute Veranstaltung sei. Da Studiengebühren mit Sicherheit Teil des Modells gewesen wären hätte das College sicher auch zur Finanzierung der Universität beigetragen (ein Modell was in Mannheim mit der Business School schon gut funktioniert).

Mir sei jedoch der Hinweis erlaubt, dass manches was damals folgenlos diskutiert wurde auch heute schon möglich ist: Manche Mannheimer ...

#5 -

Stephan Gutzeit | Do., 04.04.2019 - 14:06
@ Juliane Besters-Dilger



Pardon, aber Ihr Beitrag illustriert genau die Probleme die ich oben kritisiert habe: Sie schreiben nicht als Wissenschaftlerin auf der Suche nach der besten Lösung, sondern verwenden Marketingsprech, so dass man zwischen den Zeilen lessen muss (wenn die "spezifischen europäischen, deutschen und Freiburger Bedingungen" berücksichtigt werden, heißt dies doch im Klartext, daß es sich eben nicht um ein echtes College handelt).



Die Diskussion, die Müller-Michaels anstoßen wollte, nämlich ob man in Deutschland nicht viel ambitionierter an das College-Thema herangehen müßte als dies bisher in Lüneburg und Freiburg erfolgt ist, würgen Sie gleich wieder ab ("Mit dem UCF ...

#6 -

Steffi Hobuß | Di., 21.05.2019 - 20:28
Der von Herrn Müller-Michaels geforderte „Prototyp“ existiert seit 2007 am College der Leuphana Universität Lüneburg!

Als Akademische Leiterin des Leuphana College freut mich die Aufmerksamkeit, die auch unser College hier erfährt – freilich würde genaueres Hinsehen jenseits von Behauptungen zeigen, dass die von Müller-Michaels angesprochenen Punkte bei uns bereits verwirklicht und in der Praxis erfolgreich erprobt sind.

Am Leuphana College studieren alle BA-Studienanfänger*innen, das sind 1.500 in jedem Wintersemester, in unserem College-Modell: Der Leuphana Bachelor bettet das Studium eines Hauptfachs (Major) und eines Nebenfachs (Minor) in ein Studium im Geiste der Liberal Education ein, wobei die fachübergreifende Lehre ein ganzes ...

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