Micky Maus auf Berg- und Talfahrt
Schulminister sein, das war in den letzten Monaten kein Spaß. Erst schickten ihre Chefs sie ins Aus, dann auf einen Schlingerkurs. Jetzt sollen sie den Schlamassel retten. Nur wie? Eine Analyse.

DAS WAR'S, befand Karl Lauterbach Anfang Mai: Der reguläre Unterricht "fällt für mindestens ein Jahr aus", twitterte der SPD-Gesundheitspolitiker. Das könne jetzt als "epidemiologisch sicher" gelten. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) prognostizierte fast zeitgleich, dass es mindestens bis zum Sommer 2021 "eine Mischung zwischen Präsenzunterricht und Lernen zu Hause" geben werde. Zu den Optimisten zählte noch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD): Sie und ihre Ministerkollegen aus den anderen 15 Ländern hätten "übereinstimmend festgehalten, dass es angesichts der aktuellen Situation vor den Sommerferien kein reguläres Unterrichtsgeschehen mehr geben wird."
Sechs Wochen später ist alles anders. Am Montag öffneten die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Thüringen wieder für den Regelbetrieb. Vergangene Woche sind Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt zum täglichen Präsenzunterricht für alle Grundschüler zurückgekehrt, nächste Woche folgt Hessen, Ende Juni Baden-Württemberg. In schneller Folge entscheidet irgendein Bundesland, noch schnell vor den Sommerferien ganz aufzumachen, und sei es für paar Tage.
Die Kehrtwende der Bildungspolitik lässt sich nicht mit den Infektionszahlen erklären. Die waren schon Anfang Mai drastisch gesunken – woraufhin binnen kurzem Restaurants und Geschäfte wieder öffneten. Doch während sich Deutschland locker machte, erschöpfte sich der Ehrgeiz der Kultusminister darin, dass alle Schüler vor den großen Ferien zumindest tageweise die Schule von innen sehen sollten.
Wer sich seitdem geändert hat: vor allem die Kultusminister selbst. Und ihr Club, die Kultusministerkonferenz. Die vergangenen drei Monate der Corona-Krise waren ...
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Kommentare
#1 - Ich glaube dass die Länder hier voll auf den Regelbetrieb…
Man möchte hoffen, dass die Länder die Sommerferien dafür nutzen Ihre Online-Systeme (falls vorhanden) zu rüsten. Ich vermute aber eher, dass die alle fein Urlaub machen, wie jedes Jahr, als wäre alles easy going. In der freien Wirtschaft undenkbar in Krisenzeiten. Es sieht wohl so aus, als würden die Länder das Geld des Bundes für Content (Soforthilfeprogramm I Digitalpakt) ...
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