Humboldt, übernehmen Sie!
Weil die neue Berliner Koalition den Fall Holm nicht politisch lösen kann, singt sie ein Hohelied auf die Hochschulautonomie.

ES SOLL außerhalb Berlins noch Leute geben, denen der Name Andrej Holm nichts sagt. In der Hauptstadt selbst ist er innerhalb weniger Wochen zum bekanntesten Staatssekretär seit der Wiedervereinigung avanciert.
Was wenig mit seiner fachlichen Kompetenz zu tun hat, obgleich der Stadtsoziologe an seiner bisherigen Arbeitsstelle, der Berliner Humboldt-Universität (HU), als kenntnisreich gilt, als beliebt bei den Studenten und als untadeliger Mitarbeiter. Mit einem Makel: Vor elf Jahren hat Holm, heute 46, einen Uni-Fragebogen ausgefüllt und die Frage, ob er hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter gewesen sei, mit „Nein“ beantwortet. Fakt ist, dass er sich mit 14, das war Mitte der 80er Jahre, zur Stasi-Offizierslaufbahn verpflichtet hatte und am 1. September 1989 seine Ausbildung begann.
Die Stasi-Tätigkeit an sich wäre dabei, anders als in den Neunziger Jahren noch, wohl gar kein Ausschlusskriterium mehr für eine politische Laufbahn – solange Holm nicht nachweislich Menschen Unrecht angetan hat. Doch schon als Rot-Rot-Grün Mitte Dezember seine Ernennung zum Staatssekretär für Wohnen durchdrückte, stand zusätzlich die Frage im Raum, ob er gegenüber der HU falsche ...
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