Was wichtig wird
Bildung und Forschung, Wissenschaft und Innovation: Was sind die Themen, die das Jahr 2020 bestimmen werden? Ein subjektiver Jahresausblick in fünf Teilen – an jedem Tag in dieser Woche.

Foto: Gerd Altmann / pixabay - cco.
Muss Deutschland (sich) neu erfinden?

Die Schlagzeilen um den Jahreswechsel herum lasen sich nicht gut. "2020" könnte zum Desaster werden", titelte Spiegel Online . Gemeint war der Automarkt in Deutschland. Und: "Aus purer Angst verpasst Deutschland enorme Chancen". Dieses Zeugnis stellte Christian Klein, Co-Chef des Softwarekonzerns SAP der Bundesrepublik im Spiegel aus. Die Stuttgarter Zeitung fragte: "Wird Künstliche Intelligenz vernachlässigt? ... Gerät die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in Gefahr?" Die taz wiederum zitierte, irgendwie passend, einen Migrationsexperten und seine Wertung des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes: "Am Ende werden nur wenige herkommen."
Waren die Deutschen nicht immer so stolz auf ihre Innovationskraft? An der Schwelle zum neuen Jahrzehnt scheint von diesem Selbstbewusstsein nicht mehr viel übrig zu sein. Die Autoindustrie rutscht in einen Existenzkampf, ihre Chefetagen haben zu spät den tiefgreifenden Wandel erkannt, den Klimakrise, Elektromobilität und KI bedeuten. Sie haben zu lange geglaubt, auch dieses Mal würde die bewährte deutsche Strategie – schrittweise Innovationen bei gleichbleibend hohem Qualitätsanspruch – reichen. Damit wird die Automobilsparte, seit Jahrzehnten die deutsche Schlüsselindustrie, zum Symbol für die Grenzen des deutschen Modells insgesamt. Wo ist die Begeisterung hin, die Faszination über die Möglichkeit des Neuen, der Glaube an gerade erst entstehende Technologien und an ihr Potenzial, dringend benötigte Lösungen für große gesellschaftliche Fragen zu bieten?
Nein, es stimmt nicht, dass die Deutschen nur noch Skepsis können, nur noch Schadenbegrenzung und ängstliches Hinterfragen. Bewiesen hat das ausgerechnet die Entscheidung desjenigen amerikanischen Autobauers, der mit seinem Aufstieg die Zukunftsschwäche der deutschen Konkurrenz so überdeutlich macht: Tesla will eine seiner sogenannten Gigafactories in Brandenburg errichten – und löste schon mit der Ankündigung im November hierzulande einen Gefühlssturm aus, wie ihn lange kein deutsches Unternehmen mehr hat erzeugen können. Lobeshymnen, Proteste, Neugier, Kopfschütteln, alles dabei und alles echte Gefühle. Und mittendrin Wirtschaftspolitiker aus Land und Bund, die sich ein wenig zu sonnen versuchen in dem Glanz des Silicon Valleys.
Innovative Unternehmen ...
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