Das wird eine Riesenanstrengung
Werden die Hochschulhaushalte Opfer der Coronakrise? Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer über anstehende Verteilungskämpfe, die Diskursmacht von Bildungspolitikern und das Selbstverständnis vieler Hochschullehrer.

Theresia Bauer (Grüne) ist seit 2011 Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg . Foto: MWK Baden-Württemberg.
Frau Bauer, da haben Sie ja nochmal Glück gehabt: Kurz bevor die Coronakrise begann, hatten Sie mit den Hochschulen und mit Ihrer Kollegin im Finanzministerium die Hochschulfinanzierung für die nächsten fünf Jahre vereinbart. Hätten Sie die zusätzlichen Milliarden ein paar Wochen später auch noch loseisen können?
Es war ja sogar noch knapper. Als wir die Vereinbarung Ende März endlich unterzeichnen konnten, steckten wir schon mitten in der Pandemie mit ihren Milliarden-Hilfspaketen. Als wir die Verhandlungen vor einem Jahr begannen, konnten wir nicht ahnen, unter welchen Vorzeichen sie enden. Doch die Ziele, die wir uns damals gesteckt haben, konnten wir erreichen. Erstens: Wachstum. Die Hochschulen in Baden-Württemberg erhalten deutlich mehr Grundbudget. Und zweitens: Verlässlichkeit. Die Hochschulen haben über einen längeren Zeitraum finanzielle Planungssicherheit, und sie können ihre Haushaltsgelder von einem Jahr ins nächste mitnehmen. Diese Verlässlichkeit führt dazu, dass die Rektorate ihre Personalplanung viel langfristiger gestalten können, weil sie wissen: Das Grundfundament der Hochschulfinanzierung steht in guten wie in schlechten Zeiten.
Also für die Zeiten, die jetzt kommen?
In der Tat ist vielen in den vergangenen Tagen und Wochen erst so richtig bewusst geworden, dass die Hochschulen nur durch die Steuereinnahmen existieren können, die Land und Bund an sie verteilen, und dass sich die Grundlagen für diese Steuereinnahmen gerade dramatisch verändern. Und natürlich haben einige deshalb darauf gewettet, dass wir auf der Zielgerade der Verhandlungen noch scheitern. Doch das waren mehr Wetten im politischen Raum. Die Hochschulen haben sehr konstruktiv versucht, die letzten noch offenen Sachfragen zu klären. Die Rektorate hatten ein gutes Gespür dafür, in welche Zeit wir hineingehen.
Anders formuliert: Die Verhandlungen wurden am Ende für Sie sogar leichter, weil die Hochschulen sich nichts mehr zu fordern getraut haben?
Der schwierige Teil der Verhandlungen war am Ende der mit der Politik. Kann die Finanzministerin ein solches Hochschulpaket angesichts der sich abzeichnenden Großkrise überhaupt noch ...
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