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Protest gegen ein Phantom

Ein Offener Brief heizt die Diskussion um die Rückkehr

der Hochschulen zum Präsenzbetrieb an. Doch der Debatte fehlt

die empirische Grundlage.

RUND 2000 UNTERZEICHNER hat der Offene Brief " Zur Verteidigung der Präsenzlehre " bislang gefunden. Ohne digitale und virtuelle Formate hätte sich das Sommersemester 2020 nicht durchführen lassen, konzedieren die Autoren, aber: "Wir weisen auf die Gefahr hin, dass durch die aktuelle Situation die herkömmlichen Präsenzformate an Wertschätzung und Unterstützung durch die Hochschulleitungen, die Bildungsministerien und die Politik verlieren könnten, eine Unterstützung, die sie in der Zeit nach Corona dringend brauchen werden." Der Vorsitzende des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Bernhard Kempen, der nicht unter den Unterzeichnern ist, kommentierte in der FAZ : "Wir sind keine Fernuniversitäten und wollen das auch nicht sein." Die Hochschullehrer, die der Hochschulverband vertrete, wollten nicht bei der digitalen Lehre bleiben.

Womit Kempen zugleich andeutet: Erstaunlich viel Wind für eine Debatte, die man eigentlich nur als Phantomdiskussion bezeichnen kann. Die Erstautoren des Offenen Briefes warnen vor einer angeblichen Bedrohung der Präsenzlehre, die sich empirisch in keiner Weise belegen lässt. Im Gegenteil: Die allermeisten ProfessorInnen, Studierenden und – ja, auch – Rektorate wünschen sich dringend zu einem gemeinsamen Lehren und Lernen vor Ort ...

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Kommentare

#1 -

Steffen Prowe | Mo., 08.06.2020 - 15:55
Die Petition würde ich so auch nicht unterschreiben, glaube aber gleichwohl, dass der Hinweis auf die absolute Notwendigkeit von Präsenzformaten wichtig ist. Nicht unbedingt dort, wo Inhalte ohne Probleme auch online in Kombination mit Selbststudium und Sprechzeiten/Chats etc machbar sind. Ich denke an echte anwendungsorientierte (Labor)Formate, denn Maschinenbau oder Biologie sind nicht online vermittelbar. Hier besteht der Bedarf, die nunmehr endlich möglichen eingekürzten und auf Kleingruppen beschränkten Übungen auch mit dem einher gehenden Mehraufwand zu würdigen. Denn eine 4 SWS Ü mit 25 Personen, die in 2 Wochen Block (10-18 h) im Labor stattfindet, ist nicht vergleichbar mit 3 x ...

#2 -

Dieter Timmermann | Mo., 08.06.2020 - 23:06
Dem Chronicle of Higher Education zufolge haben bislang 68% der US Universitätnen erklärt, im Herbstsemester wieder in-person ( also im Präsenzmodus) zu lehren; nur 7% wollen reine online Lehre fortführen, etwa 10% hybrid, d.h. sowohl als auch, der Rest ist noch unentschieden. Warum wohl wollen 2/3 zurück zum face-to-face Lehren und Lernen?

#3 -

Oliver Locker-… | Di., 09.06.2020 - 12:17
Unsere Hochschulen werden immer Präsenzhochschulen bleiben und das ist auch gut so. Dennoch ist eine zu schnelle Rückkehr aus vielfachem Grunde schwierig und ich bleibe bei dem Aufruf: "Bleibt Digital!".



Die weiterhin restriktiven Vorgaben und Rahmenbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie werden auch an den Hochschulen Auswirkungen bis weit in das zweite Halbjahr (vermutete zweite Infektionswelle ggfls. mit Grippewelle überdeckend), vermutlich sogar deutlich bis in die erste Hälfte des Jahres 2021 haben. Eine Verstärkung der Schutzmaßnahmen gerade in der kälteren Jahreszeit ist wahrscheinlich.

Trotz verschiedener Lockerungen und Erleichterungen macht es an den Hochschulen aus weiteren Gründen wenig Sinn, allzu hektisch und zeitnah ...

#4 -

Annette Birke-… | Di., 09.06.2020 - 12:25
Auf Ihre Anmerkung “wie hätten denn all die Studenten auf die Schnelle in ihre Universitätststädte zurückkehren können”? kann ich mich nur fragen, was dieses Scheinargument zum Inhalt der Debatte beitragen soll? Einfach in den Zug steigen und hinfahren.

Und dass die Rektorate oder Bildungsminister nicht öffentlich zur Digitallehre zu Ungunsten der Präsenzlehre aufgerufen haben, ist wohl etwas zu wenig: vielmehr vermisst man klare Strategien und öffentlich kommunizierte Zeitpläne für die Studenten. Die Rektorate scheinen vielmehr in einer Schockstarre paralysiert - nicht anders kann man sich das bundesweite Fehlen einer leidenschaftlichen Debatte erklären.

#5 -

Thomas Hoffmeister | Di., 09.06.2020 - 15:36
Lieber Jan-Martin, vielen Dank für diese guten Zeilen. In der Tat scheint nicht allen -auch hier gab es dazu gleich einen Post - klar zu sein, dass es Studierende gibt, die ihre Zimmer am Studienstandort aufgegeben haben, schon aus finanziellen Gründen. Wenn die Unterzeichner als schreiben, sie wollen eine "selbstverantwortliche Rückkehr zu Präsenzformaten" frage ich mich schon nach deren Verantwortungsbewusstsein. Es scheint aus dem Blick zu geraten, dass die Konsequenzen eines Fehlers in der Haltung, wie Formate unter Corona auf dem Campus betreiben oder nicht zu betreiben sind, sehr asymmetrisch sind.

#7 -

David Bosold | Fr., 12.06.2020 - 01:18
Vorweg: auch ich habe die Petition unterschrieben. Ich habe dies v.a. aus Verärgerung über die Hochschulleitungen getan. Die Universität, an der ich arbeite, hat für das kommende Wise 2020/21 ähnlich wie andere Hochschulen ein "blended semester" als Ziel ausgegeben. Ein Drittel der Lehre soll in Präsenz stattfinden, zwei Drittel online (v.a. Lehrveranstaltungen mit mehr als 40TN). Letzteres halte ich aus Risikoüberlegungen auch für sinnvoll. Gleichzeitig werden aber so strenge Hygienevorgaben gemacht, dass eine Präsenzlehre de facto verhindert wird. In unserem größten Seminarraum von ca. 90m2 sind nach der ersten "Hygienebegehung" bislang max. 12 Personen (inkl. Dozent*in) vorgesehen. Dabei könnten bei ...

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