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Das Ticket zu einer noch größeren sozialen Schieflage

Der Lehrermangel ist gewaltig, also kürzen wir die Stundentafeln? Klingt für manche Bildungspolitiker nach einer verlockenden Idee. In Wirklichkeit aber wäre es eine Normalisierung des Unnormalen.

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Artikelbild: Das Ticket zu einer noch größeren sozialen Schieflage

Illustration: Gerd Altmann / Pixabay.

KNAPP 4500 SEITEN- UND QUEREINSTEIGER arbeiten an Berlins Schulen. Gäbe es sie nicht, wäre die Unterrichtsversorgung in der Hauptstadt längst zusammengebrochen, denn dann wäre jede achte Lehrerstelle ohne Inhaber. Doch inzwischen sind auch die letzten personellen Reserven ausgereizt, wie eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Dirk Stettner ergeben hat: Laut Berliner Senat werden zu Schuljahresanfang rund 920 Lehrerstellen unbesetzt sein.

Da klingt für viele die Idee verlockend, als vermeintlich letztes Mittel die Stundentafeln zu kürzen. Mit anderen Worten: Die Zahl der erteilten Unterrichtsstunden würde verringert, so dass zumindest der verbliebene Unterricht verlässlich erteilt werden könnte. Der Bedarf an weiteren Seiten- und Quereinsteigern würde sinken, der Anteil der durch vollausgebildete Fachlehrer angebotenen Schulstunden steigen.

In Wirklichkeit aber wäre eine solche Lösung nicht nur die Kapitulation der Berliner Bildungspolitik vor der selbstverursachten Misere. Es wäre das Ticket zu einer noch größeren sozialen Schieflage – und, vielleicht am schlimmsten, die Normalisierung des Unnormalen.

Ja, Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) kann darauf verweisen, dass nicht sie ...

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Kommentare

#1 -

Steffen Prowe | Mi., 17.08.2022 - 13:57
Und die Auswirkungen dessen, sogar gepaart mit dem endlich abzuschaffenden 12-Jahres-Abitur viel zu junger Menschen, müssen dann nachfolgende Einrichtungen ausbaden.

An den Hochschulen fehlt die Basis für ein erfolgreiches Lernen (lernen zu lernen & Basiskompetenzen müsste eigentlich Schule sein), in Ausbildungen fehlt die fachliche und persönliche Reife, in Berufen das Allgemeinwissen (ja, auch das ist Auftrag der Schulen, nicht die 3. Ableitung in der Mathe oder deutsche Grammatik im Mittelhochdeutschen - etwas überspitzt).

Dramatisch.

#2 -

Dieter Hölterhoff | Mi., 17.08.2022 - 15:17
Stundentafelkürzungen waren und sind in den für Schule zuständigen Ministerien doch ein probates Mittel, wenn die Haushalte gekürzt werden,wenn es um "Bekämpfung" des hausgemachten Lehrkräftemangels geht. Ich habe das bei geringem Widerstand von Minister/Senator:Innen immer wieder erlebt. Und auch bei Behördermitarbeiter:innen war systematische Verantwortungslosigkeit gegenüber ihrer Verpflichtung gute Bildungsmöglichkeiten zu organisieren zu konstatieren. Weiter so Deutschland!

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