Auf dem Mittelweg
Das BMBF hat am Freitag seine Eckpunkte zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes vorgelegt. Ein parteipolitischer Kompromiss. Entsprechend fallen die Reaktionen aus der Wissenschaft aus.

Foto: Pxhere , CCO.
FAST ENTSCHULDIGEND klang eine der Vorbemerkungen, die das BMBF dem Vorschlag für die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) voranstellte, den es am Freitagnachmittag öffentlich machte. "Der Stakeholderprozess hat die zwischen und innerhalb der Interessensgruppen zum Teil sehr unterschiedlichen Vorstellungen und Akzentsetzungen verdeutlicht." Auch wenn dann der Nachsatz folgte, dass der Prozess "zugleich aber an einigen Stellen auch Übereinstimmungen" sichtbar gemacht" habe. Die Botschaft sollte wohl lauten: Und aus dieser Vielzahl an Positionen mussten wir dann ein Konzept basteln. "Die grundlegende Systematik des WissZeitVG" bleibe erhalten, betont das BMBF explizit.
Der Stakeholderprozess, das war das Bemühen des Ministeriums, über verschiedene Formate und Veranstaltungen hinweg möglichst viele – wie das BMBF selbst es formuliert: "die wichtigsten" – Akteure der Wissenschaftslandschaft mit ihren Erwartungen anzuhören, bevor es selbst etwas zu Papier brachte. Das Ministerium zählt in dem Papier auf: "Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Beschäftigteninitiativen, Gewerkschaften, Fördermittelgeber, Länder usw".
Interessanterweise ließ das Ministerium damit eine Gruppe unerwähnt, die am Ende die ausschlaggebende war: die für das Thema zuständigen Abgeordneten der Ampel-Bundestagsfraktionen, die sogenannten Berichterstatter, mit denen das Ministerium bis rauf zur Spitze in den vergangenen Wochen viele Male zusammengesessen hatte. Weil Ministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und ihre Staatssekretäre wussten: Wenn wir mit unserem Vorschlag rauskommen, muss er sitzen. Mindestens mal parlamentarisch.
Donnerstagabend hatte man zuletzt verhandelt. Ob die vereinbarten Eckpunkte als Vorschlag ...
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Kommentare
#1 - Es ist ein Trauerspiel, und die Koalitionäre sind sich…
Es wäre hilfreich, wenn die HRK mal erläutern würde, was sie unter "Funktions- und Leistungsfähigkeit des deutschen Hochschulsystems" versteht, die sie vor allem mit befristet beschäftigten Wissenschaftler:innen gewährleisten möchte und welche "nachhaltigen Wettbewerbsnachteile für den Hochschule- und Wissenschaftsstandort" halbwegs attraktive Beschäftigungsbedingungen haben würden.
Wenn sich die HRK-Uni-Sprecherin über die "ohnehin langen Promotionszeiten" beklagt, wird sich in ihr sicherlich eine Fürsprecherin dafür finden, ...
#2 - Verkürzung der befristeten post doc-Zeit auf 3 Jahre? Was…
#3 - Wie wäre es, wenn das Ministerium einmal seine politische…
#4 - Ich finde es ärgerlich, dass der Bund strenge Regeln macht…
Was mir nicht einleuchtet ist, ist was die Betroffenen sich vom WissZeitVG erhofft haben: Berliner bzw. GEW-Modell mit Dauerstellen nach der Promotion (aber dann leider eben so gut wie gar keine freien Stellen mehr) oder die Möglichkeit für Kettenverträge bis zur Rente? Was hätte das Bundesgesetz dort schaffen sollen? Jetzt sind die Länder und Unis am Zug, um endlich Finanzierungs- und Stellenkonzepte zu liefern.
#5 - Herzstück scheint ja die Verkürzung der…
Vielleicht sollte man dann so ehrlich sein, dass so ein 2-oder-3-Jahres-PostDoc-Vertrag sicherlich nicht mehr der Qualifizierung dient, sondern nur der Überbrückung, bis sich irgendwo eine passende Juniorprofessur auftut oder man sich Drittmittel einwirbt (...oder bis man geht).
Für Fächer, die an der Habilitation festhalten wollen, und für Hochschulen, die Anschlusszusagen für akademische Stellen unterhalb der Professur machen würden (Berlin), passt das 3-Jahres-Überbrückungsmodell nicht. Hier wäre es schön, wenn eine Öffnung tarifliche Regelungen für echte (!) Qualibefristungen erlauben würde.
#6 - "wird sich in ihr sicherlich eine Fürsprecherin dafür…
Ja hoffentlich! Es ist ein Unding, dass Professor*innen weiterhin ganz offen der Meinung sind, dass die Arbeit an der Promotion in der Privatzeit zu erfolgen hat. Ausbeutung ist im Wissenschaftsbetrieb einfach viel zu normal.
#7 - M.E.n. hätten die Initiatoren von #IchbinHanna" diesen…
Wie wird man jetzt genau Professor? Natürlich nur mit dem Top-Promotionsthema. Also liebe #firstgens, ihr werdet noch mehr benachteiligt werden, weil ihr Euch nicht auskennt. Ist das Promotionsthema ein Griff ins Klo oder bricht die Finanzierung der PhD Arbeit ab oder kommt zu spät, sind Eure Prof-Träume ausgeträumt.
Menschen wie ...
#8 - #Schwach-Watzinger
#9 - Lieber Herr Wiarda, kein Kommentar, sondern eine…
#10 - Liebe/r NK,vielen Dank für die Frage! Parallele politische…
vielen Dank für die Frage! Parallele politische Überlegungen sind mir nicht bekannt, das Beamtenrecht ist ja auch eine ganz andere Sphäre. Aber ein interessanter Aspekt. Weiß da jemand der Mitlesenden mehr?
Beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda
#11 - Verwunderung: Die Ampelkoalition stellt Eckpunkte vor, die…
#12 - Immer öfter stelle ich mich die Frage, ob nicht die erst…
Wissenschaftseinrichtungen, die befristete Arbeitsverträge aufsetzen, wollen vor allem eines: Rechtssicherheit. Nun angenommen, X hat so viel von der zulässigen Quali-Zeit verbraucht, dass es jetzt eine rechtliche Grauzone ist, ob X eine weitere Quali-Befristung haben darf – zumal der neue Vertrag lang genug sein muss, um irgendein Quali-Ziel zu erreichen. Folglich wird ...
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